Gestresst in der Uni
28.02.2020

Body + Soul

Stress - Mein bester Feind ?!

Ein Erfahrungsbericht von YOUPAX-Autorin Sophie Kiko

test
Von Sophie Kiko

Ich lebe im Stress und frage mich oft, ob das eigentlich noch gesund ist. 

Einen vollen Tag hat jeder Mal. Von der Uni, schnell noch was einkaufen, für ein paar Stunden auf der Arbeit einspringen und abends zum Geburtstag einer Verwandten. Was für viele die Ausnahme ist, ist für mich eher der Alltag. Ich lebe und studiere in Münster – zwei Fächer: Deutsch und Englisch. Um das zu finanzieren, pendle ich einen Tag die Woche zu meinem Job in Soest. Aus meinem persönlichen Glauben heraus ist es mir wichtig, mich zusätzlich zu engagieren und für andere einzusetzen: als Teil der Fachschaft meines Studienfachs, in der Hochschulpolitik, als langjährige KjGlerin und in meiner Heimatgemeinde. Dabei gebe ich ehrlich zu: Nein sagen fällt mir schwer. 


»Es gibt Nächte, in denen ich nicht schlafen kann, weil ich die Gedanken und Aufgaben nicht aus meinem Kopf verbannen kann «

Wer versucht, so viele Dinge gemeinsam mit seinen persönlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, stößt automatisch auch an seine Grenzen. Mit jeder Rolle, die ich einnehme, gehen Aufgaben, Termine und Verpflichtungen einher, für die es Zeit und Raum zu finden gilt. Die kleine Perfektionistin in mir möchte Bestleistungen im Studium erzielen, im Ehrenamt möchte ich möglichst immer dabei sein und meine Freunde würden gerne öfter Zeit gemeinsam verbringen. Um das leisten zu können, sind meine Tage durchstrukturiert und ich versuche, jede Zeit sinnvoll zu nutzen. Lange ToDo Listen sind nicht ungewöhnlich, ein freier Tag im Kalender unüblich und eine Zugverspätung viel zu häufig ein mittelgroßes Desaster.

Workshopleitung
To Do Liste
Orte der Ruhe

Manchmal wird es zu viel

Meine Freunde und Familie kennen mich nicht anders und haben sich damit arrangiert. Die Reaktionen variieren zwischen Frustration, weil mit mir keine Termine zu finden sind und Bewunderung für meine Disziplin und Struktur. In den meisten Fällen geht meine Planung auf und alles findet seinen Platz. Häufig genug klappt das aber auch nicht. Dann vergesse ich eine Verabredung, bin viel zu spät oder stelle meine Beiträge für YOUPAX erst weit nach dem abgesprochenen Datum fertig. Und obwohl ich mich für solche Situationen entschuldige, bleiben sie nervig für meine Mitmenschen, die sich auf mich verlassen, und sorgen in mir für ein schlechtes Gewissen. 

Stress geht nun mal an keinem spurlos vorbei. Es gibt Nächte, in denen ich nicht schlafen kann, weil ich die Gedanken und Aufgaben, die mich beschäftigen, nicht aus meinem Kopf verbannen kann. Es gibt Tage, an denen ich nach einer besonders stressigen Zeit wiederum so erschöpft bin, dass ich nicht aus dem Bett komme. Trotz Vorlesung um 8 Uhr. Und es gibt auch die Momente, in denen mich die Überforderung überkommt, mir zum Weinen zu Mute ist und meine beste Freundin sich endlose Sprachnachrichten anhören muss.

Allem gerecht werden? - unmöglich!

Möglicherweise sollte man viel eher an dem Gedanken arbeiten, grundsätzlich all den verschiedenen Rollen zu 100 % gerecht werden zu müssen. Ist das nicht einfach eine Idealvorstellung, die uns täglich viel mehr stresst, als die Termine? Wenn andere mir sagen, dass sie eine anstrengende Zeit durchleben und Dinge dabei auf der Strecke bleiben, kann ich das nur zu gut nachvollziehen. Schließlich betonen wir auch immer wieder, dass Gott jeden so liebt und annimmt, wie er ist. Dieser Gedanke fasst ziemlich genau das zusammen, was ich glaube und warum ich davon so überzeugt bin. Mein Ziel ist es meine Mitmenschen mit all ihren Stärken, Schwächen und Fehlern zu akzeptieren und zu unterstützen wie auch Gott es tut. Vielleicht sollte ich mir dieses Ziel nicht nur für den Umgang mit anderen setzten, sondern auch für den mit mir selbst: Beginnen mir Fehler zuzugestehen, Überforderung einzusehen und auf der anderen Seite trotzdem stolz auf das sein, was ich bereits geleistet habe. Wenn ich diesen Grundgedanken im Herzen trage, kann ich auch meine Ambition, immer perfekt sein zu müssen, guten Gewissens vergessen. Gott liebt mich mit all meinen Fehlern und wenn ich das auch tue, bekommt Perfektion eine viel nichtigere Dimension.

Was kleine Momente ausmachen können 

Den Glauben so zu verstehen, fällt mir deutlich leichter, als diesen Gedanken tatsächlich im täglichen Stress zu verinnerlichen, um nicht in gewohnte Muster und Vorwürfe zu verfallen. Ein guter Freund hat vor einigen Tagen seinen Vater zitiert und mir in all meiner chaotischen Hektik entgegnet: „Nimm dir die kleinen Momente. Manchmal muss man den Gedanken einfach Zeit geben, um sich zu entfalten.“ Und ich glaube, damit hat er mehr als Recht. Dann wird die Zeit im Zug eben einmal nur zum Musikhören genutzt und zwischen den Bib-Zeiten eine Kaffeepause mehr eingebaut. Dann nehme ich mir eben mal Zeit für einen Weinabend mit den Mädels, um wieder mal zu merken, dass ich mit meinen Problemen nicht allein bin. Pausen sind definitiv essentiell im Umgang mit Stress, aber auch einige weitere Tipps und Tricks, können dabei helfen, entspannter und strukturierter mit der eigenen Belastung klarzukommen.

10 Tipps für den Umgang mit Stress


1. Auf dem Papier ist aus dem Kopf
Aufschreiben ist für mich ein Schlüssel, um mit allen Aufgaben und Terminen umgehen zu können. Wenn man an viele Dinge denken muss, ist es nicht verwunderlich, dass man immer mal wieder etwas vergisst. Grade wenn ich nicht schlafen kann, weil darüber nachdenke, was alles noch zu tun ist hilft es mir, all das aufzuschreiben. Indem ich aus diesem Wirrwarr eine ordentliche Liste für den nächsten Tag schreibe, mache ich sie mental an dem nächsten Tag fest und verhindere, dass sie mich nachts noch belasten.

Wenn es um das Aufschreiben geht, habe ich für mich mittlerweile durch viel ausprobieren ein gutes Konzept gefunden. Mir hilft es, für alle Gedanken einen Ort zu haben. Aus diesem Grund trenne ich ganz klar zwischen Terminen, Studium, Ehrenamt und Arbeit. Alles hat seinen Platz, und zwar jeweils in einem eigenen Notizbuch.

Meine Strategie: Alles direkt aufschreiben und für jeden Bereich einen Platz haben.



2. Eine frühe Planung ist alles
Mein Kalender ist mein Schatz und bewahrt mich regelmäßig vor stressigen Terminüberschneidungen. Klausuren in der Uni, Termine auf der Arbeit und Veranstaltungen in den Verbänden stehen üblicherweise früh fest und werden direkt geblockt. Durch den Überblick im Kalender lässt sich so gut abschätzen, wann ich Zeit zum Lernen brauche und wo ich mir Zeit für Freunde und Familie nehmen kann. Dabei habe ich mir angewöhnt, auch bestimmte Zeiten grundsätzlich für Freunde, Familie oder auch den Partner freizuhalten und diese klar einzutragen. Das mag etwas verkopft klingen, aber ist für mich der einzige Weg um diesen genügend Zeit einzuräumen. Diese Struktur ermöglicht es mir, alles in meiner Zeit unterzubringen, aber bedeutet auch, dass Spontanität außerhalb einer ungeplanten Kaffeepause mit mir eher selten drin ist. Wer mich länger kennt, kann sich so aber auch darauf einstellen, dass Wochenende und Urlaube früh abgesprochen werden müssen und ich dann aber auch Zeit dafür finde.

Meine Strategie: Den Überblick behalten und gezielt Zeit nehmen um zu lernen und Freunde, Familie oder Partner zu sehen.



3. Routine
Ein Punkt, der mir sehr schwerfällt, aber wirklich guttut. Es lohnt sich täglich zu einer festgelegten Uhrzeit mit widerkehrenden Ritualen den Tag zu beginnen. Kaffee trinken, Zeitung lesen oder eine Runde Yoga zum Aufwachen. All diese Dinge helfen uns, Kraft für einen anstrengenden Tag zu sammeln

Meine Strategie: Wochentags zu einer festen Zeit aufstehen, entspannt in den Tag starten und die Kraft daraus mitnehmen.



4. DIE ToDo Liste
Zu meiner Routine gehört es auch, jeden Morgen eine ToDo Liste zu schreiben, und zwar nicht irgendeine Liste, sondern DIE ToDo Liste. Ich schreibe jeden Tag auf einen DinA4 Zettel und liste in der rechten Ecke meine festen Termine auf, die ich aus meinem Kalender übernehme. So sehe ich auf einen Blick, wann ich Freiräume habe und wo ich mich dann befinde. Meine ToDos kommen auf die linke Seite und werden in drei Prioritäten sortiert. Während Priorität 1, die wichtigsten Aufgaben auflistet, die an dem Tag auf jeden Fall gemacht werden müssen, steht unter Priorität 2 alles, was möglichst erledigt werden sollte und in der Priorität 3 die Dinge, die gemacht werden können, falls ich noch Zeit habe. So erledige ich alles Wichtige zuerst und halte mich nicht an unnötigen Tätigkeiten auf. Am nächsten Tag schaue ich dann noch mal auf die gestrige Liste und sortiere die offenen Aufgaben wieder in die neue Liste ein, wobei sie dann meistens eine Priorität höher rutschen. Das ist ein Konzept, welches für mich sehr gut funktioniert, aber auch nicht das Ideal für jeden sein muss. Durch Ausprobieren merkt jeder schnell, was er braucht und was nicht.

Meine Strategie: Täglich eine ToDo Liste schreiben in der Termine und Aufgaben zusammenkommen. Dabei werden die Aufgaben in drei Prioritäten sortiert, um Wichtiges zuerst zu erledigen.



5. Am Ende steht ein Ziel und auf dem Weg viele kleine
Bei umfangreichen Projekten, wie einer Hausarbeit hilft es, die große Aufgabe in viele kleine Schritte zu unterteilen. Dinge, die schnell erledigt sind, geht man einfach lieber an und kann so viele kleine Punkte auf der ToDo Liste abhaken. Kleine Erfolgserlebnisse motivieren auf dem Weg zum großen Ziel.

Meine Strategie: Große Ziele in viele kleine Schritte unterteilen und sich darüber freuen, wenn sie erledigt sind.



6. Orte der Ruhe
Wenn es mir trotz allen Strategien mal zu viel wird, helfen mir Orte der Ruhe. Das können konkrete Plätze und Orte oder auch Tätigkeiten sein, die beruhigen. Ob Spazieren gehen, Kuchen backen oder Freunde treffen, jeder ist anders. Und wenn ich wirklich mal Stille brauche, lohnt sich für mich von Zeit zu Zeit der Weg in eine Kirche. Nicht zwingend zum Gottesdienst, sondern einfach so. Wenn dort sonst kaum jemand ist, das Licht relativ dunkel ist und in der Ecke die Kerzen flackern, habe ich das Gefühl, die Zeit bleibt stehen. Diese Augenblicke nehme ich mir ganz für mich, denke über meinen bisherigen Tag nach, darüber wofür ich dankbar bin und was mir auf dem Herzen liegt. Nennt es beten, reflektieren oder meditieren, es tut mir gut und gibt mir Kraft.

Meine Strategie: Darauf achten welche Menschen, Orte und Situationen mir Ruhe und Kraft geben und diese nutzen und wertschätzen.



7. Offenheit und Ehrlichkeit
Bei aller Struktur und Planung läuft trotzdem nicht immer alles so, wie es soll. Ausreden helfen dabei nur selten und können es später noch schlimmer machen. Offen und ehrlich über Überforderung, Stress und Fehler zu sprechen ist oft nicht einfach, aber der beste Weg damit umzugehen. Einige Aufgaben können so abgeben werden, gemeinsam erledigt oder nach hinten verschoben werden, was bereits einen großen Unterschied machen kann. Durch einen ehrlichen Umgang fühle ich mich viel eher verstanden und finde den Rückhalt, um gegebenenfalls auch professionelle Hilfen und außenstehende Gesprächspartner zu suchen.

Meine Strategie: Ehrlich damit sein an Grenzen zu stoßen und Fehler und Überforderung offen kommunizieren.



8. Einen vertrauten Menschen haben
Meine beste Freundin hat es nicht leicht. Sie kennt alle Bereiche meines Lebens und muss sich dementsprechend auch alles anhören. Denn wenn ich gestresst, frustriert oder verärgert bin, entlastet es mich, darüber zu sprechen. Ich glaube, das geht jedem so und auch Eltern, Geschwister, der Partner oder ein Kollege können die Menschen sein, denen jemand besonders vertraut; die uns kennen, schätzen und begleiten. Wichtig ist, diesen Personen auch zu vermitteln, wie wertvoll sie sind und wie dankbar man dafür ist, dass Sie sich immer wieder Zeit nehmen und zuhören.

Meine Strategie: Alles mit meiner besten Freundin teilen, sie um Rat bitten und ihr zeigen wie dankbar ich dafür bin, sie zu haben.


9. Das Handy als Freund und Feind

Das Handy begleitet uns eigentlich überall hin. Für mich ist das Fluch und Segen zugleich. Viel zu oft versinke ich in Instagram, Facebook und Snapchat und merke gar nicht, wie die Zeit verfliegt. Auf der anderen Seite gibt es unzählige praktische Annehmlichkeiten, die das Smartphone mitbringt. Wer eher digital unterwegs ist, findet für nahezu alles hier eine App und kann bequem Termine, Bankgeschäfte und anstehende Aufgaben verwalten. Wer wirklich effektiv arbeiten möchte, sollte das Gerät aber auch mal in der Tasche lassen um Ablenkung zu vermeiden. Alternativ lassen sich Handys auch in den Flugmodus stellen und einige Hersteller ermöglichen es die tägliche Nutzungszeit für konkrete Apps zu begrenzen. Auch den Bildschirmen auf schwarz-weiß zu stellen, soll dabei helfen, sich nicht so schnell bzw. lange von sozialen Medien ablenken zu lassen.

Meine Strategie: Das Handy für sinnvolles Dinge auf jeden Fall immer dabeihaben, aber darauf achten, sich nicht zu viel ablenken zu lassen.



10. Ordnung ist das halbe Leben
Sehr einfach aber für mich genauso effektiv: Ordnung halten. Das gilt für mein WG-Zimmer, meine Tasche, meine Computer Ordner und meine Notizzettel. Wenn es chaotisch ist, habe ich zum einen direkt weniger Lust mich mit etwas zu befassen und verbringe zum anderen viel mehr Zeit damit, einzelne Kleinigkeiten zu suchen.

Meine Strategie: Versuchen abends direkt aufzuräumen, sich an die eigenen Ordnungssysteme halten und Zeit, die man beim Suchen spart, für schöne Dinge nutzen.


Mix

  • 4.30 mit Alvaro Brendel

    4.30 mit Alvaro Brendel

    Als ihn die Diagnose Hirntumor trifft, geht für Alvaro Brendel ein Weg mit großer Ungewissheit los - auf dem er auch ...
  • Was bleibt nach dem Weltjugendtag?

    Was bleibt nach dem Weltjugendtag?

    Tobias Schulte über seine Gedanken und Gefühle zum Ende der Pilgerreise nach Costa Rica und Panama.
  • Klettern mit Gott

    Klettern mit Gott

    An der Sankt Walburga Realschule in Meschede erklimmen Jugendliche Bäume und begegnen dabei Gott