Das Mottolied
25.09.2022

Miteinander

„ICH GLAUB AN DICH“

Rund 4.000 Ministrantinnen und Ministranten pilgern zur 4. Nordwestdeutschen Ministrantenwallfahrt in Osnabrück

test
von Theresa Oesselke

Samstagmorgen um halb neun. Lena Albrecht ist im Innenhof des Bonifatiuswerks in Paderborn und packt die letzten Sachen ins Auto. Dann kann es losgehen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen macht sie sich auf den Weg nach Osnabrück: zur 4. Nordwestdeutschen Ministrantenwallfahrt.

Lena Albrecht ist 18 Jahre alt und absolviert seit Anfang September ihren Bundesfreiwilligendienst beim Bonifatiuswerk, dem Hilfswerk der deutschen Katholiken für den Glauben. Es ist nicht ihre erste Ministrantenwallfahrt. Sie ist Messdienerin in der Gemeinde St. Michael in Brakel und war schon vor sechs Jahren bei der Wallfahrt in Paderborn dabei. Aber es ist heute für sie eine neue Perspektive: Sie ist nicht mehr nur Teilnehmerin, sondern auch Helferin.

Lena absolviert ihren Bundesfreiwilligendienst beim Bonifatiuswerk in Paderborn
Lena absolviert ihren Bundesfreiwilligendienst beim Bonifatiuswerk in Paderborn

„Ihr seid zum Glück in Osnabrück“

Nach gut einer Stunde Autofahrt ist Lena am Ziel angekommen: die Domschule in der Osnabrücker Innenstadt. Auf dem Schulhof baut sie den Infostand auf. In der Zwischenzeit machen wir uns auf zum Domplatz. Hier wird die Ministrantenwallfahrt offiziell eröffnet. Rund 4.000 Messdienerinnen und Messdiener aus sieben Bistümern sind gekommen: Aachen, Essen, Münster, Paderborn, Hamburg, Hildesheim und Osnabrück.

Nach einem kurzen Warm-up mit Moderatorin Anja Muhle begrüßt zunächst die Osnabrücker Oberbürgermeisterin Katharina Pötter die Kinder und Jugendlichen. Schließlich betritt der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode die Bühne. Auch er begrüßt die Pilgerinnen und Pilger ganz herzlich und meint: „Wir sagen ja hier immer, ihr seid zum Glück in Osnabrück. Und ich hoffe, dass ihr heute Nachmittag auch das so erlebt.“ Er sei sehr dankbar, dass nach der Pandemie wieder Messdienerinnen und Messdiener richtig im Dienst seien. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern betet er noch ein kurzes Mittagsgebet. Dann geht’s für alle zum Mittagessen.

Moderatorin Anja Muhle, Bischof Franz-Josef Bode und Oberbürgermeisterin Katharina Pötter begrüßen die Ministrantinnen und Ministranten auf dem Domplatz
Moderatorin Anja Muhle, Bischof Franz-Josef Bode und Oberbürgermeisterin Katharina Pötter begrüßen die Ministrantinnen und Ministranten auf dem Domplatz

Eine Gemeinschaft, die bestärkt

Beim Mittagessen treffen wir Lukas (19) und Torben (20). Die beiden kommen aus der Gemeinde St. Joseph Bottrop im Bistum Essen. Auf der Busfahrt haben sie sich schon durch Impulse und Lieder auf die Fahrt eingestimmt. Lukas erzählt, dass es ein schönes Gefühl sei, so viele Messdiener zu sehen und zu merken, dass sie immer noch dabei sind und Lust auf den Ministrantendienst haben. Gerade die Messdiener seien ja auch eine Gruppe, die unter der Pandemie sehr gelitten habe.
Für Torben ist es die erste Messdienerwallfahrt. Er ergänzt: „Es ist ein bestärkendes Gefühl, zu sehen, dass es andere Messdiener gibt. Man trägt das sonst nicht so auf der Brust, wie dass man Schalke oder Dortmund-Fan ist. Hier sieht man andere Leute, auch aus ganz anderen Ecken aus NRW und Deutschland. Das ist schon ein ganz cooler Eindruck.“

Lukas und Torben freuen sich auf die Begegnung mit anderen Messdienerinnen und Messdienern
Lukas und Torben freuen sich auf die Begegnung mit anderen Messdienerinnen und Messdienern

Von Weihrauch-Tasting bis zum Tatort Kirche

Am Nachmittag können die Kinder und Jugendlichen beim Weihrauch-Tasting verschiedene Sorten ausprobieren, ein Selfie mit dem Papst schießen oder beim „Tatort Kirche“ Spannendes erleben. Für die älteren Messdienerinnen und Messdiener gibt es in der Leiterlounge alkoholfreie Cocktails, Kaffee und die Gelegenheit, beim Preacherslam im Scheinwerferlicht auf der Bühne oder als Podcaster die eigenen Talente zu entdecken.

Dem Bischof begegnen

Zwischen den vielen Messdienerinnen und Messdienern sind auch die Bischöfe der teilnehmenden Bistümer anzutreffen. In der Ursulaschule stehen Stefan Heße, der Erzbischof von Hamburg, und Jugendbischof Johannes Wübbe den Kindern und Jugendlichen Rede und Antwort. Sie kommen ins Gespräch über den Glauben und die eigenen Vorstellungen von Gott, Kirche und Leben.

Aus Paderborn ist Weihbischof Josef Holtkotte angereist. Wir treffen ihn in der Speakers‘ Corner – einem Angebot des Erzbistums Paderborn. Hier können die Besucherinnen und Besucher vor der Kamera erzählen, warum sie sich als Messdiener engagieren. Sie können aber auch kritisch sein und schildern, was ihnen in der Kirche fehlt.

Miteinander auf dem Weg sein

Zwei Jugendliche zögern noch, ob sie mitmachen wollen. Holtkotte macht den ersten Schritt. Er tritt vor die Kamera und erzählt, wie er den Tag bisher erlebt hat. Von tollen Begegnungen mit jungen, engagierten Menschen, die sich hier gegenseitig bestärken. Er kommt auch auf die aktuelle Situation der Kirche zu sprechen und sagt: „Wir müssen aus dem Schlechten, was wir in der Kirche erleben, lernen. Gutes versuchen, daraus zu machen. Beides gehört zusammen. Wir brauchen Menschen, die mit uns da auf dem Weg sind und die bereit sind, sich auch in guter Weise einzubringen. Das erlebe ich auch und dazu will ich Mut machen.“

Weihbischof Josef Holtkotte in der Speakers' Corner
Weihbischof Josef Holtkotte in der Speakers' Corner
Begegnung und Austausch mit Messdienerinnen und Messdienern aus dem Erzbistum Paderborn
Begegnung und Austausch mit Messdienerinnen und Messdienern aus dem Erzbistum Paderborn

Nach seinem Statement blickt Holtkotte die beiden Jugendlichen fragend an: „Und traut ihr euch inzwischen?!“ Die Ermutigung wirkt. Auch die beiden Messdiener trauen sich vor die Kamera. Für ihre Statements gibt’s Applaus vom Weihbischof: „Bravo! Habt ihr super gemacht.“

Am Glücksrad über Heilige ins Gespräch kommen

Am Stand des Bonifatiuswerks können Kinder mit einem Spiel den Ablauf der Eucharistie lernen, Jugendliche sich über das Praktikum im Norden informieren. Die Hauptattraktion ist das Glücksrad mit Heiligen. Eine lange Schlange steht davor. Jeder darf drehen und muss erraten, bei welchem Heiligen das Glücksrad stehen geblieben ist. Lena gibt Tipps und kommt mit den Kindern und Jugendlichen über die verschiedenen Heiligen ins Gespräch: Franz von Assisi, Christophorus, Mutter Teresa und viele mehr.

Nebenbei erzählt Lena, warum das Bonifatiuswerk die Ministrantenwallfahrt unterstützt. Sie sagt: „Messdiener sind ein wichtiger Teil der Kinder- und Jugendarbeit in den Gemeinden, daher ist es schön, hier den Ministranten zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Auch wenn vielleicht vor Ort in den Gemeinden nur noch wenige Kinder und Jugendliche dabei sind, hier können wir Gemeinschaft und den Glauben nochmal besonders erlebbar machen. Das ist für die Kinder ein ganz großes Geschenk mit den vielen verschiedenen Angeboten, die hier gemacht werden.“ Wer seinen Heiligen erraten hat, darf sich eine Belohnung aus der Kiste nehmen.

Am Glücksrad kommt Lena mit den Kindern und Jugendlichen über die Heiligen ins Gespräch
Am Glücksrad kommt Lena mit den Kindern und Jugendlichen über die Heiligen ins Gespräch

In einer ruhigen Minute kommen wir noch auf das Motto der Wallfahrt zu sprechen: „Ich glaub an dich!“ Bei der Frage, was sie damit verbinde, überlegt Lena einen Moment. Dann erzählt sie, dass sie sich stärker fühlt, wenn jemand anderes an sie glaubt – Freunde, die Familie, der Partner. Und auch Gott. Das gebe ihr unglaublich viel Kraft, auch schwierige Situationen zu meistern. Und sie wisse dann immer, dass sie nicht alleine sei.

Bestärkt nach Hause zurückkehren

Ein Tag voller Begegnung und Angebote neigt sich langsam dem Ende zu. Zum Abschluss des Tages versammeln sich alle nochmal auf dem Domplatz zum Gottesdienst.

Abschlussgottesdienst auf dem Domplatz
Abschlussgottesdienst auf dem Domplatz

Lena zieht ein rundum positives Fazit. Als Messdienerin war es für sie spannend, viele verschiedene Leute zu treffen, die teils auch sehr lange Anfahrten auf sich genommen haben, um dabei sein zu können. Sie ist mit neuen Ministranten genauso wie mit älteren, erfahreneren Jugendlichen ins Gespräch gekommen.
Sie ergänzt: „Aus meiner Sicht als Bufdi kann ich sagen, dass ich viele neue Erfahrungen gemacht habe. Vor allem auf fremde Leute zuzugehen, das eigene Angebot vorzustellen und darüber ins Gespräch zu kommen. Anfangs hat es mich schon Überwindung gekostet, aber dann hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich fahre bestärkt wieder nach Paderborn zurück und weiß, ich bin mit meinem Glauben nicht allein.“ Eine Erfahrung, die rund 4000 Kinder und Jugendliche heute in Osnabrück machen konnten.

»Ich fahre bestärkt wieder nach Paderborn zurück und weiß, ich bin mit meinem Glauben nicht allein.«

Lena Albrecht
über ihre Erfahrungen bei der Ministrantenwallfahrt


Bildergalerie

Fotos: Theresa Oesselke / Erzbistum Paderborn 

Mix

  • Wenn das Leben auf der Kippe steht

    Wenn das Leben auf der Kippe steht

    Marcus Hesselmann über seinen Arbeitsalltag als Notfallsanitäter und den Umgang mit belastenden Erlebnissen
  • Wie funktioniert Ökumene?

    Wie funktioniert Ökumene?

    Von der Wichtigkeit des Zusammenwachsens von Katholiken und Protestanten als Christen. Ein Beispiel aus dem Dortmunder ...
  • Zu Gast in San Isidro

    Zu Gast in San Isidro

    Gastfreundschaft und gemeinsame Glaubensfeiern sind ein Vorgeschmack auf das Hauptprogramm des Weltjugendtags in Panama.