Georg Drachentöter Von einem, der auszog, um Mut zu lehren
23.04.2020

Faszination

#holyhero Georg Drachentöter

Von einem, der auszog, um Mut zu lehren

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Von Lioba Vienenkötter

Die Legende des Heiligen Georg liest sich wie eine mittelalterliche Rittergeschichte. So, als würde Georg am Hof von König Arthus in Camelot dienen. Aber es ist die Legende von einem Mann, der sich die Nachfolge Jesus buchstäblich auf die Fahne geschrieben hatte. Und das schon vor über 1700 Jahren. Was können wir heute noch vom Heiligen Georg lernen?

Aber zuerst: Was erzählt die Legende überhaupt?

Vor der Stadt Silena in Lybia hauste ein Drache, dem die Stadtbewohner täglich Lämmer opfern mussten, um seine Wut zu stillen. Als keine Tiere mehr aufzutreiben waren, wurden die Kinder geopfert. Eines Tages traf das Los die Königstochter. Da jedoch kam der Ritter Georg zu Hilfe: Er versprach, die Stadt von dem Ungeheuer zu befreien. Georg betete zu Gott und schleuderte im Kampf mit aller Macht seine Lanze in den Drachen. Georg veranlasste die Königstochter, den Drachen mit ihrem Gürtel in die Stadt zu ziehen. Georg versprach, den Drachen zu töten, wenn die Leute sich zu Christus bekehrten. Daraufhin ließen sich der Legende nach 20.000 Menschen taufen.

Ein Heiliger in Ritterrüstung?

Als Pfadfinderin habe ich zum Heiligen Georg eine besondere Beziehung, immerhin trägt die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) den Heiligen im Namen. Mein Stamm gestaltet jedes Jahr zum Georgstag am 23. April den Sonntagsgottesdienst und veranstaltet im Anschluss die Stammesversammlung. Für mich ist der Georgstag also ein Tag, an dem ich mit vielen vertrauten Menschen zusammenkomme, gemeinsam Gottesdienst feiere und diskutiere.

Abgesehen von diesen guten Erinnerungen finde ich das Leben des Heiligen sehr spannend. Die Legende weicht völlig von anderen Heiligengeschichten ab, die ich kenne. Georg, der Drachentöter - das klingt eher nach Fantasy-Figur als nach katholischem Heiligen. Und trotzdem fasziniert dieser Mann seit hunderten von Jahren die Christenheit und ist auch in der muslimischen Welt bekannt. Bezeugt ist diese Verehrung schon seit dem 4. Jahrhundert durch die Weihe von Kirchen auf seinen Namen. Und trotzdem weiß man über Georg nur wenig Gesichertes: Er wurde um 280 in der heutigen Türkei, genauer gesagt in Kappadokien, geboren und war Offizier im Heer des römischen Kaisers Diokletian, der vor allem Georgs Klugheit geschätzt haben soll. Anfang des dritten Jahrhunderts setzten jedoch erneut Christenverfolgungen ein, von denen Georg nicht verschont wurde. Im Jahr 305 wurde er festgenommen, gefoltert und in Lydda, dem heutigen Lod in Israel enthauptet.

Typische Darstellung des Heiligen Georg.
Der Drache als Symbol des Bösen

Bekannter als diese bezeugten Lebensdaten ist jedoch die Legende vom Kampf mit dem Drachen. Dieser Sieg wird üblicherweise als Triumph des Göttlichen über das Teuflische, als Sieg des Guten über das Böse gedeutet. Mit Sicherheit eine triftige Interpretation. Ich lese in der Legende aber vor allem die Geschichte eines Menschen, der auszog, um Mut zu lehren. Der Heilige Georg kam in die Stadt, sah das Leiden der Bevölkerung, betete zu Gott und ritt los, um den Drachen zu töten. Er hatte den Mut, etwas zu tun, wozu die anderen Menschen keine Kraft hatten. Mit Gottes Beistand konnte er den Drachen besiegen, der die Städter viele Jahre bedroht und unterdrückt hatte.

Es lässt sich darüber streiten, ob die Menschen im Frühmittelalter an Drachen geglaubt haben, wir tun das heute sicherlich nicht. Und auch Christenverfolgung ist, zumindest in Westeuropa, heutzutage zum Glück keine Bedrohung mehr. Wir werden für unseren Glauben höchstens belächelt, jedoch nicht geköpft. Oder?

Nun ja, man muss ja nicht mal mehr die Zeitung aufschlagen, schon findet man sich in einer Welt voller Gewalt und Konflikte wieder, die Freiheit und den Glauben vieler Menschen bedrohen. Da muss man nicht erst nach Syrien oder Hong Kong schauen, da reicht ein Blick in den deutschen Bundestag, in dem offen rechte Politiker gegen Religionsfreiheit und Flüchtlingsaufnahmen wettern.

Wenn wir etwas vom Heiligen Georg lernen können, dann, dass es richtig ist, sich zur Wehr zu setzen, dass es richtig ist, sich für Schwächere einzusetzen. Die DPSG hat dazu 2016 eine Aktion initiiert, die unter dem Motto „Wir sind bunt – Gegen die Drachen unserer Zeit“ zu lautstarkem und friedlichem Protest gegen jede Form von Diskriminierung und Rechtspopulismus aufruft. Das dürfen sich natürlich auch die Nicht-Pfadfinder unter euch zu Herzen nehmen. Selbstverständlich sollt ihr niemanden mit einer Lanze durchbohren (selbst wenn ein Kreuz drauf wäre, ist das heutzutage glücklicherweise kein anerkanntes Kommunikationsmittel mehr), aber Mut kann man auch beweisen, wenn man einfach mal den Mund aufmacht.

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