Abiturvorbereitung
29.04.2019

Perspektive

Ganz entspannt oder voll strukturiert?

Was eine gute Abiturvorbereitung ausmacht

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von Sophie Kiko

Die Ostertage liegen grade hinter uns. Nach den gemütlichen Feiertagen im Kreise der Familie steht der Endgegner für SchülerInnen der Q2 an Gymnasien und Gesamtschulen vor der Tür: Die Abiturprüfungen. Nur noch diese eine Hürde trennt sie von der Freiheit des Schulalltags, dem Ende der Gedichtanalysen und dem Vergessen der binomischen Formeln. 

Angesichts dieser Aussichten und der Wichtigkeit der Abiturnote für die Zulassung zum Traumstudium ist es also kein Wunder, dass die zentralen Abiturklausuren den Abiturienten jedes Jahr aufs Neue die Schweißperlen ins Gesicht treiben und einige schlaflose Nächte mit sich bringen.

Was hilft wirklich auf dem Weg zum guten Abschluss? Zig Karteikarten, literweise Matetee oder liegt das Geheimnis doch in den Mitschriften des Vorjahrgangs? Wir haben zwei junge Studierende, die den Abiturwahn selbst vor kurzem erst hinter sich gebracht haben, gefragt wie ihre Vorbereitung auf die Prüfungen aussah.

Die Strukturierte- Katharina Strunz

»Meine Strategie hat für mich super funktioniert«

Katharina Strunz

19 Jahre, Abitur 2018

Katharina aus Delbrück studiert mittlerweile International Business Studies an der Universität Paderborn. Vor knapp einem Jahr verbrachte sie aber selbst den Großteil ihrer Zeit am Schreibtisch, um sich bestmöglich auf die letzten Klausuren ihrer Schulzeit vorzubereiten. Gewählt hat sie die Abiturfächer Mathe, Sozialwissenschaften, Biologie und Englisch. Mit Organisation und Fleiß hat sie es zu einer der Besten ihres Jahrgangs geschafft.

Wie genau hast du dich auf die Prüfungen vorbereitet?
Ich habe vor allem Lernzettel geschrieben und mit Hilfe von alten Klausur-Lernzetteln alle wichtigen Infos aus der Oberstufe zusammengefasst. Für Sozialwissenschaften und Biologie habe ich sogar versucht, meine Zusammenfassungen aus dem Kopf wieder aufzuschreiben, da es dort viel ums Auswendiglernen ging. Die Seite des Schulministeriums ist auch ziemlich hilfreich. Dort gibt es alte Abituraufgaben, die ich durchgegangen bin, um mich selbst zu überprüfen. Für meine mündliche Prüfung in Englisch habe ich außerdem einfach englische Filme und Serien geguckt, um die Sprache besser zu verinnerlichen und immer mal wieder probiert, kleine Monologe zu einzelnen Themen zu halten.

Was hat dich in der Vorbereitung beruhigt?
Ich fand es immer gut, mich mit Freunden auszutauschen. Durch das gegenseitige Erklären konnten Fragen geklärt werden und es ist beruhigend, wenn man die Inhalte Anderen richtig vermitteln kann.

Was waren deine Lern-Essentials?
Definitiv die Lernzettel, weil auf denen alles Wichtige draufstand und ich immer nachgucken konnte, wenn ich mal nicht weiterwusste.

Wenn du die Abiturklausuren nochmal schreiben müsstest, würdest du es wieder so machen?
Ja. Meine Strategie hat für mich super funktioniert. Die Lernzettel haben mir geholfen, den Stoff ein erstes Mal zu verinnerlichen und so gebündelt gut zu lernen.

Was rätst du diesjährigen AbiturientenInnen?
Lernt so wie ihr euch die Sachen am besten merken könnt. Jeder muss seine eigene Strategie finden.

Der Entspannte - Helge Haveresch

»Ich hatte keinen besonderen Druck, ein herausragendes Abi hinzulegen«

Helge Haveresch

20 Jahre, Abitur 2017

Mittlerweile lernt Helge aus Möhnesee für das Physikstudium in Aachen. 2017 hat er seine Abiturprüfungen in Mathe, Physik, Geografie und Englisch abgelegt und ist dabei eher entspannt vorgegangen.

Bei welchem deiner Fächer hast du dir die meisten Sorgen gemacht?
Die größten Sorgen hatte ich vor der mündlichen Prüfung in Englisch, weil ich für das Analysieren von Texten, vor allem von Shakespeare, nie etwas übrighatte. Das hat sich dann auch gerne mal in der Note bemerkbar gemacht.

Wie genau hast du dich auf die Prüfungen vorbereitet?
Ich habe relativ viel Zeit in die Vorbereitung der Klausuren gesteckt, was nicht bedeutet, dass ich insgesamt viel gelernt habe. Ich war da eider nicht besonders diszipliniert. Allerdings habe ich Zusammenfassungen geschrieben, Probeklausuren bearbeitet und Erklär-Videos geschaut.

Was hat dich in der Vorbereitung beruhigt?
Zu dem Zeitpunkt war der Plan noch, Maschinenbau zu studieren. Die Zulassung für das Studium zu bekommen ist nicht sonderlich schwierig, weshalb ich gar keinen Druck hatte, ein herausragendes Abi hinzulegen.
Außerdem konnte ich mir einiges von meinen älteren Brüdern, die vor mir das Abitur erlangt haben, abschauen. Das Arbeitspensum, das in so einem Abitur steckt, konnte ich zum Beispiel schlecht einschätzen. Dadurch, dass ich aber gesehen habe, wie meine Brüder daran gegangen sind, konnte ich mir eine grobe Vorstellung davon machen.

Was waren deine Lern-Essentials?
Während des Abiturs hatte ich keine richtigen Lern-Essentials. Jetzt im Studium zähle ich allerdings auf Nervennahrung, Pausen und genügend Ausgleich, wie zum Beispiel Sport. Damit lernt es sich gleich viel besser.
Außerdem sollte das Handy zumindest auf stumm geschaltet sein und auf dem Bildschirm liegen, noch besser allerdings gar nicht erst auf dem Schreibtisch oder im selben Raum.

Wenn du die Abiturklausuren nochmal schreiben müsstest, würdest du es wieder so machen?
Die Wahl der Prüfungsfächer würde ich immer wieder genauso treffen. Im Fach Englisch hätte ich wahrscheinlich von Anfang an besser mitgearbeitet.
Ansonsten würde die konkrete Vorbereitung wahrscheinlich sehr ähnlich aussehen.

Was rätst du diesjährigen Abiturienten?
Mach euch keinen Druck und seid euch immer bewusst: Es haben schon so viele geschafft!

Drei Tipps von der Expertin

Das Abitur scheint also gar kein so großes Hexenwerk zu sein. Ob man die Vorbereitung nun sehr strukturiert oder ganz entspannt angeht, bleibt jedem selbst überlassen. Aber irgendwelche universellen Tipps muss es doch geben. Bettina Wolff ist Schulleiterin in Bünde. Als Lehrbeauftragte an der Universität Bielefeld hat sie über viele Jahre auch Lehramtsstudierende im Rahmen der Orientierenden Praxisstudien begleitet. Für YOUPAX hat sie ihre drei wichtigsten Tipps für eine gute Prüfungsvorbereitung zusammengestellt.

Bettina Wolff, Schulleiterin in Bünde
Bettina Wolff, Schulleiterin in Bünde

1. Ein geregelter Tagesablauf bringt Zeit und Effektivität!
Mit dem Ende der Mottowoche verschwindet nicht nur der nervige Unterricht, sondern für viele auch der strukturierte Tagesablauf. Kein Mathe mehr am Montagmorgen – man könnte also meinen, kein Grund, um früh aufzustehen. Dabei ist ein geregelter Tagesablauf wichtig, um konzentriert lernen zu können und möglichst wenig Zeit zu verschwenden.
Also: Den Tag planen, regelmäßige Lernzeiten einplanen und Lernziele formulieren.

2. Visualisieren ist das Zauberwort!

Vier Abiturfächer bringen viele verschiedene Themenbereiche mit, die allesamt vorbereitet werden müssen. Damit nichts durcheinanderkommt, hilft visualisieren. Welcher Fachbegriff gehörte noch gleich zu welchem Thema und was hatte das ganze eigentlich mit der eine Theorie zu tun? Mein Tipp: Die wichtigsten Punkte in Mindmaps festhalten und sortieren. Das verschafft einen guten Überblick und dadurch eine Vernetzung des Detailwissens.

3. Lerngruppen bilden

Da es sich gemeinsam bekanntlich besser lernt, sind Lerngruppen eine gute Abwechslung. Wichtig: Die Lerngruppen sollten feste Mitglieder und Termine haben. Wenn jeder sich als Experte in ein bestimmtes Thema einarbeitet, sein Wissen dann an die Gruppenmitglieder weitergibt, lassen sich im Austausch auch komplexe Themen für alle Beteiligten gut verstehen und verinnerlichen.

Tipp aus der Redaktion: Bei aller Strukur sind auch Pausen sind wichtig. Mach mindestens alle zwei Stunden eine viertel Stunde Pause: Geh um den Block, stöbere auf YOUPAX oder mach eine Snackpause, in der du dich mit etwas Leckerem für die bisherigen Erfolge belohnst.

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