26.07.2018

Lifestyle

Ein Lied in Gottesohr

Wenn drei Gottesdiener zur Rockstars werden

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von Caroline von Eichhorn

Der erfolglose Musikproduzent Nicolas weiß nicht weiter. Gerade läuft bei ihm alles schief: Seine Frau verzeiht ihm seinen Seitensprung nicht, er darf seine Tochter nicht mehr sehen. Im Job hinkt die Karriere. Und dann setzt ihm auch noch die neue Chefin ein Ultimatum: Sie droht in abzusetzen, wenn er nicht binnen sechs Monaten einen Hit produziert.

Ein Rabbi, ein Imam und ein Pfarrer gründen gemeinsam eine Band.

Verzweifelt sucht Nicolas nach dem nächsten großen Ding. Doch statt Bands zu casten landet er auf einer orgiastischen Kostümparty. Verkatert schaut er sich am nächsten Morgen die Partyvideos durch. Er sieht, wie verkleidete Gottesdiener gemeinsam Hits grölen. Und plötzlich – da kommt ihm die Idee: Ein Rabbi, ein Imam und ein Pfarrer sollen gemeinsam eine Band gründen. Diese Band würde ja gleich drei Religionsgemeinschaften ansprechen, wäre Vorbild, Hinhörer und Sinnstifter. Und die Gemeinden haben eine Annäherung bitter nötig. Doch ist die religiöse Welt bereit dafür?

Nicolas und seine flinke Assistentin Sabrina beginnen ihre Suche nach geeigneten Bandmitgliedern – und stoßen auf schlecht singende Pfarrer, einen depressiven Rabbi und einen flunkernden Imam. Und mit viel Mühe finden sie ein Trio, das den Durchbruch schafft.

Französische Komödien sind in den deutschen Kinos zuletzt so erfolgreich gewesen wie seit Jahren nicht mehr. Es sind weniger die Stars, die die Kinohits tragen, sondern vielmehr die gesellschaftlichen Themen. Die Komödie „Ein Lied in Gottes Ohr“ reiht sich mit ihrem religionskritischen Zugang ein. Regisseur Fabrice Éboué ist bislang eher unbekannt, ebenso die Besetzung.

Die Gottsdiener sind auf der Bühne ein gutes Team.

Inspiriert von den "Singenden Priestern"

Für das Drehbuch hat sich Éboué von einer echten Band inspirieren lassen - tatsächlich gab es mal die „Singenden Priester“. Drei Priester, die Klassiker der französischen Chansons nachsangen, mehr als eine Million Alben verkauft und eine große Tournee gemacht haben. Éboué fand den Stoff gut, wollte ihn aber auf mehrere Religionen ausweiten, um ihn noch zu verbessern.

Als sich in Paris die Attentate des 13. November 2015 ereigneten, legte er sein Drehbuch allerdings auf die Seite. Es erschien ihm sinnvoller, das Thema in diesem Kontext nicht mehr zu behandeln. Doch nach einer Weile änderte er seine Meinung und kam darauf: jetzt erst recht. Denn als Filmemacher sieht er seine Aufgabe eigentlich genau darin: Kontroverse, zeitgemäße Themen ansprechen – mit Lachern.

Am Ende wünscht man sich eigentlich nur noch, dass es diese Band wirklich gibt.

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Ab dem 26. Juli in den deutschen Kinos. 

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