Der Imker kontrolliert die Waben im Bienenstock
Der Imker kontrolliert die Waben im Bienenstock
20.05.2022

Lifestyle

„In der Natur spüre ich Gott“

40.000 Bienen. Vier Königinnen. Ein Imker mit einer großen Leidenschaft.

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von Laura  Reuter

Tristan ist Hobby-Imker. Wir sind auf einer großen Wiese verabredet. Ein Summen und Brummen empfängt mich. In der Nase der Geruch von frischem Bienenwachs. Tristan hat vier Bienenvölker. Das sind rund 40.000 Bienen. Ich darf dabei sein, als er die Bienenstöcke öffnet und komme mit ihm ins Gespräch über Bienen, das Imkern und seinen Glauben.

Tristan bei der Arbeit
Tristan bei der Arbeit

Eigenen Honig ernten

In seinem Imkeranzug nähert sich Tristan seinen Bienenstöcken. Mit dem Smoker räuchert er die Bienen ein. Durch den Rauch herrscht im Bienenvolk Feueralarm, also ziehen sich die kleinen Insekten ins Innere des Stocks zurück. So kann Tristan die Rahmen mit den Bienenwaben herausholen und kontrollieren, ob alles in Ordnung ist.

Dass im Innern des Bienenstocks so viel los ist, hatte ich nicht erwartet. Ich beobachte das aufgeregte Treiben. Ob Arbeiterin, Königin oder Drohne – jede Biene weiß, was sie zu tun hat. Waben bauen, Vorräte für den Winter anlegen, die Brut pflegen, Nektar sammeln. Immer geht es darum, dass das Volk ernährt wird und sich vermehren kann. Immer geht es um alle. „Wir können uns Einiges von den Bienen abschauen“, meint Tristan. „Besonders, keinen Raubbau an der Natur zu betreiben. Die Bienen sind fleißig und versorgen ihr Volk. Aber sie sammeln nicht mehr, als sie brauchen.“

Es ist Mitte Mai. Das Bienenvolk ist nach dem Winter fast auf voller Größe. Die Arbeiterinnen sammeln den Nektar. Und Tristan? Der kontrolliert die Waben und die Brut – und freut sich auf den Sommer. Dann kann er zum ersten Mal die verdeckelten Honigwarben schleudern. Das ist für Tristan das Schönste am Imkern. Wenn er dann den Hahn aufdreht und der erste eigene Honig herausfließt, wird dem jungen Imker bewusst, wofür er das ganze Jahr arbeitet. „Jeder, der schon einmal etwas gepflanzt, gepflegt und dann geerntet hat, kennt dieses Gefühl. Wenn ich den Honig meiner eigenen Bienen ernte, weiß ich, wie er entstanden ist. Ich weiß, dass die Bienen in meinem Apfelbaum Nektar gesammelt haben. Und dass sie auf den Blumen in Nachbars Garten gesessen haben.“

Am Eingang zum Bienenstock herrscht ein Kommen und Gehen
Am Eingang zum Bienenstock herrscht ein Kommen und Gehen
Tristan nutzt den Smoker
Bienen beim Nektar sammeln
Tristan kontrolliert die Waben
Jede Biene hat ihre Aufgabe

Gottes Gegenwart in der Natur erleben

Immer wieder erwähnt Tristan im Gespräch, wie sehr er die Natur liebt. Die Natur ist für ihn auch der Ort, an dem er Gott begegnen kann. Eben in dem, was er geschaffen hat. Tristan bezeichnet sich als gläubig und erklärt: „Ich gehe nicht regelmäßig zum Gottesdienst. Für meinen Glauben brauche ich keine von Menschen gemachten Gebäude oder Regeln. Ich will nicht sagen, dass so etwas falsch ist. Aber in der Natur fühle ich Gottes Gegenwart deutlicher. Ich beobachte: Alles in der Natur funktioniert ohne das Eingreifen des Menschen. Leben entsteht und vergeht und neues entsteht wieder. Ich staune, wie das Bienenvolk organisiert ist. Und wie alles in der Natur ineinandergreift. Das zeigt mir, dass da etwas oder jemand Größeres hinter stecken muss.“

»Wie süß ist dein Wort meinem Gaumen, meinem Mund ist es süßer als Honig.«

Psalm 119, 103

Honig in der Bibel

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