Im TotenmonaNovember liegen Dunkelheit und Licht nah zusammen.
01.11.2018

Heimat

Der Totenmonat November

Der November steht in der katholischen Kirche wie kein anderer Monat im Zeichen des Totengedenkens und bringt uns mit jahrhundertealten Traditionen in Verbindung. 

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Von Carolin Schnückel

Vielleicht besucht ihr am ersten November mit der ganzen Familie die Gräber von verstorbenen Verwandten. Vielleicht zündet ihr in eurem WG-Zimmer eine Kerze an. Vielleicht freut ihr euch auch einfach über den freien Tag, an dem man einmal bewusst zur Ruhe kommen und sich in Fotos und Erinnerungen an liebe Menschen verlieren kann: Der November beginnt mit Allerheiligen. Generell steht dieser Monat in der katholischen Kirche ganz im Zeichen des Totengedenkens und bringt uns mit jahrhundertealten Traditionen in Verbindung. Wie diese Feiertage entstanden sind und was hinter ihrer Symbolik steckt, lest ihr hier.

1. November

ALLERHEILIGEN

Vor dem Hintergrund der sterbenden Natur scheint die ewige Welt der Heiligen umso sichtbarer zu werden.

Am 1. November wird aller bekannten und unbekannten Heiligen gedacht. Als Heilige gelten alle Christen, die wegen ihres Glaubens hingerichtet wurden und jene, die in ihrem Leben als bekennende Christen Großes bewegt haben. Seit 993 gibt es die förmliche Heiligsprechung durch die Kirche. An Allerheiligen wird aber gerade auch den unbekannten Heiligen gedacht, also jenen, die nie heiliggesprochen wurden und um deren Heiligkeit „nur Gott weiß“. Begangen wird der Feiertag in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Da Allerseelen am 2. November bundesweit ein normaler Arbeitstag ist, hat sich nach und nach das Brauchtum von diesem Gedenktag für die Verstorbenen auf das Allerheiligenfest verlagert (mehr zu Allerseelen lest ihr weiter unten).

Menschen besuchen am Allerheiligentag die Gräber ihrer Lieben, schmücken sie mit Tannenzweigen und zünden eine Grabkerze an. Die flackernden Flammen stehen symbolisch für die „Seelenlichter“ der Verstorbenen, mit deren Entzünden die Angehörigen ihre Erinnerung an die geliebten Menschen ausdrücken.

Vom Frühling in den Herbst

Ursprünglich wurde der „Herrentag aller Heiligen“ am ersten Sonntag nach Pfingsten gefeiert, weil die Osterzeit mit dem Totengedenken verknüpft war. Ab dem 8. Jahrhundert entstand in Irland eine neue Verortung für das Heiligenfest: Die sterbende Natur rückte in den Vordergrund, die die ewige Welt der Heiligen umso sichtbarer machte. Irische Missionare brachten den neuen Brauch, den Heiligen im November zu gedenken, hinüber aufs europäische Festland. Seit Papst Gregor IV. den Gedächtnistag im Jahr 839 auf die ganze Kirche ausdehnte, feiern wir Allerheiligen am 1. Novembertag.

2. November

ALLERSEELEN

Nach altem Glauben bereiten die Angehörigen den Verstorbenen durch ihre Gebete und Gaben den Weg in den Himmel.

Der Feiertag Allerseelen entstand durch den frühmittelalterlichen Glauben, dass die Seelen der Verstorbenen nach dem Tod zunächst im Fegefeuer geläutert werden, bevor sie ihren Weg in den Himmel antreten können. Das Gedächtnis und die Fürsorge ihrer Verwandten sollten ihnen in der qualvollen Zeit des Übergangs helfen oder diese verkürzen.

Um unsere Hoffnung auf die Auferstehung zu symbolisieren, schmücken wir noch heute die Gräber mit Tannenzweigen („Grün ist die Hoffnung“) und mit immergrünen Pflanzen, mit denen wir den Verstorbenen unsere immerwährende Treue zeigen.

Ein Seelenzopf flechten

Im Laufe der Jahrhunderte entstanden viele Mythen um den Allerseelentag. Ein altchristlicher Volksglaube besagt zum Beispiel, dass dann die „armen Seelen“ aus dem Fegefeuer emporsteigen, um sich in ihrer früheren Heimat kurz von ihren Qualen zu erholen. Daraus entstand in vielen Regionen der Brauch, für die umherwandernden Seelen Gebäck bereitzustellen.

So besteht in Schwaben bis heute die Tradition, dass Firmpaten ihren Patenkindern „Seelenzöpfe“ aus Hefeteig backen. Die drei Zopfstränge stehen dabei für die Heilige Dreifaltigkeit, das verschlungene Geflecht symbolisiert die Ewigkeit. Wenn ihr auch einen Seelenzopf backen möchtet, findet ihr hier ein Rezept. An Allerseelen gibt es in vielen Gemeinden feierliche Prozessionen zum Friedhof, bei denen die Gräber gesegnet werden.

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr

CHRISTKÖNIGSFEST

Das Ende des Kirchenjahrs verspricht uns die Auferstehung.

Bevor mit dem 1. Advent das Kirchenjahr von neuem beginnt, feiern wir am vorangehenden Sonntag das Christkönigsfest. Seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils, also „erst“ seit 1970, wird dieser Tag als „Sonntag vom wiederkommenden Herrn“ begangen, wie er auch genannt wird. Die evangelische Kirche feiert dann den Totensonntag und gedenkt, wie die Katholiken an Allerseelen, den Verstorbenen.

Liturgisch steht an diesem Tag seit dem Mittelalter das Ewige Leben im Vordergrund, nachdem am drittletzten Sonntag im Kirchenjahr das Thema „Tod“ und am vorletzten das „Jüngste Gericht“ behandelt wurden. Wir feiern hier also den Sieg Jesu über den Tod und seine Verehrung als König der christlichen Welt.

Der dunkle Monat endet im Licht

So sehr der November auch für den Tod und das Endliche steht, werden diesem Aspekt doch an jedem Feiertag das Licht und die Hoffnung auf Wiedergeburt entgegengestellt. Und zum großen Finale feiern wir am Ende des Totenmonats sogar den Sieg über den Tod und das Versprechen des Ewigen Lebens.

Wenn ihr im November an einen geliebten Menschen denkt, den ihr verloren habt, kann euch dieser Gedanke vielleicht ein bisschen Trost spenden: Nach der Dunkelheit kommt immer das Licht, nach der Kälte kommt die Wärme. Wenn ihr an Allerheiligen nach dem Friedhofsbesuch aus der Kälte und Dunkelheit in eure warme und erleuchtete Wohnung zurückkommt, könnt ihr gewiss sein, dass es den Verstorbenen genauso ergangen ist. Denn auch auf sie hat nach der Dunkelheit ein helles und warmes Zuhause gewartet.

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