17.05.2021

Lifestyle

Was suchst du?

Im Gespräch mit der Band Ignis Corvey über Lobpreismusik und den Vocation Music Award

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von Lioba Vienenkötter

Es ist quasi der Eurovision Song Contest auf katholisch: Momentan läuft deutschlandweit der Vocation Music Award. An dem Musikwettbewerb für katholische Singer und Songwriter nehmen auch zwei Gruppen aus dem Erzbistum Paderborn teil. Nachdem wir schon „Ignite Music“ aus Paderborn vorgestellt haben, hat sich nun auch Ignis Corvey aus Höxter beworben.

Eigentlich besteht die Lobpreis-Band aus vier Musikerinnen und Musiker, am Wettbewerb nehmen stellvertretend Daniela Düker und Vikar Jonas Klur teil. Den beiden liegt die Musik schon lange am Herzen – egal ob mit den Pfadfindern am Lagerfeuer oder im Chor des Priesterseminars. Im Gespräch mit YOUPAX berichten sie von ihrer Begeisterung für die Lobpreismusik und ihre Ambitionen beim Vocation Music Award.

Ignis Corvey ist eine Lobpreisband aus Höxter

Ist dabei sein für euch alles oder geht es ums Ganze?
Daniela Düker: Im Grunde geht es uns vor allem darum, die Lobpreismusik bekannter zu machen und…
Jonas Klur: Du musst hier schon etwas taktischer vorgehen: Wir wollen auf jeden Fall unter die Top Ten!

Also geht es doch um den großen Sieg?
Daniela Düker: Naja, definiere Sieg. Es geht ja nicht um uns, es geht uns vor allem um die Musik. Es wäre schön, wenn wir mehr Menschen auf den Lobpreis aufmerksam machen könnten.

Das Lied, mit dem ihr beim Wettbewerb antretet, heißt „Was suchst du?“. Ist das das erste Lied, das ihr geschrieben habt?
Daniela Düker: Nö, ich habe schon öfter Lieder geschrieben, aber noch nicht viele gesungen. Ich schreibe, seitdem ich mit der Lobpreismusik angefangen habe. Da hatte ich einfach eine Melodie und einem Text im Kopf und habe es aufgeschrieben. Irgendwie kamen mir dann immer wieder Ideen in den Sinn, die ich notiert habe. Ganz langsam traut man sich dann vor. „Was suchts du?“ ist unser zweites gemeinsames Lied. Ich habe Jonas gebeten, einen Text zu schreiben, zu dem ich dann eine Melodie komponiert habe.

»Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir.«

Offb 3,20

Lobpreismusik ist in der katholischen Musik ein recht neues Genre mit poppigen Elementen mit geistlichen Inhalten. Ziel der Musik ist es, Gott zu ehren und durch die Musik zu ihm zu beten.

Jonas Klur ist Vikar im Pastoralverbund Corvey und Mitglied von Ignis Corvey
Daniela Düker ist Försterin und Mitglied bei Ignis Corvey

»Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.«

Augustinus

In eurem Lied geht es – so wie ich es höre und lese – darum, dass Gott immer da ist, der Mensch für seine Ankunft aber noch nicht bereit ist.
Jonas Klur: Genau, darauf weist die Tür-Symbolik als biblisches Motiv hin. Grundlage des Liedtextes war aber vor allem die Bibelstelle Offb. 3,20 und eine Erkenntnis, die ich auch mit Daniela teilen kann: Es ist einfach wichtig, sich für Gott zu öffnen. Wenn man das getan hat, dann kann es passieren, dass man bemerkt, dass Gott eben immer schon da war und nur auf einen gewartet hat. Häufig steht man sich selbst im Weg, weil gerade andere Themen interessant sind. Oft ist eben das präsenter, was an Offensichtlichem in der eigenen Umgebung geschieht, da rutschen geistliche Fragen im Alltag schon einmal aus dem Blickfeld. Genau diese Erfahrung steckt in unserem Liedtext.

Also auch ein Advent-Moment?
Jonas Klur: Ja klar, es geht um eine Ankunft: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Eine tragende Symbolik.

Wie kann ich meine Tür für Gott öffnen?
Daniela Düker: Bin ich der Theologe?
Jonas Klur: Aber du bist doch auch gläubig.
Daniela Düker: Ok, ich denke, dass es da ganz unterschiedliche Möglichkeiten gibt. Aber durch die Musik kann definitiv ein guter Zugang entstehen. Und gerade die Lobpreislieder sind gesungenes Gebet. Wenn man sich für Gott öffnen will, dann ist das Wollen schon der erste Schritt. Man muss sich mit ihm auseinandersetzen.
Jonas Klur: Auf verschiedene Weisen kann man sich ihm öffnen: durch das Denken, das Beten, dadurch, dass ich mit der heiligen Schrift beschäftige oder dadurch, dass ich versuche ihn zu finden, durch die Frage: Herr, wo bist du? Wenn wir davon ausgehen, dass Gott nicht nur im Himmel oder in der Kirche ist, wenn wir glauben, dass er uns durch die ganze Wirklichkeit umarmt, dann kann ich ihn auch überall finden. Wenn wir mit dieser Fragestellung an die Suche herantreten, dann kann sich ganz viel auftun. Wichtig ist auch, im Rückblick zu überlegen: Wo warst du? Im Jetzt kann man das nicht immer erkennen, aber im Rückblick wird es oft offensichtlich.

Das Thema des Wettbewerbs ist Berufung. Inwiefern erzählt euer Lied von Berufung?
Jonas Klur: Berufung gibt es klassischerweise in dreierlei Sinne: der Ruf Gottes zum Leben, der Ruf Gottes zum Christsein und der Ruf Gottes zu einer speziellen Aufgabe. Bei uns ist die zweite Auffassung gemeint und zwar insofern, als dass man eine echte Beziehung zu Gott eingeht. Nicht nur in den Übergangsphasen meines Lebens, sondern an jedem Tag. Es geht darum, den Ruf zu einer tiefen Beziehung anzunehmen, die Berufung zu empfangen. Das kann auch in geistlichen Ämtern münden.
Daniela Düker: Es geht auch schon um das Hinhören: Wenn wir auf das Zitat der Offenbarung zurückblicken, dann muss man das Klopfen an der Tür zunächst einmal hören. Wir müssen wahrnehmen können, wie wir sein und leben sollen.

Noch einmal zurück zum Wettbewerb. Bis zum 30.06. kann man online für die einzelnen Lieder abstimmen, bevor dann auch die Jury ihr Urteil fällt. Warum sollten unsere Leserinnen und Leser gerade für euch voten?
Daniela Düker: Unser Lied ist einfach gut und wir sind sympathisch.
Jonas Klur lacht.
Daniela Düker: Außerdem wollen wir natürlich den Lobpreismusik bekannter machen und das geht nur, wenn wir unter die Top Ten kommen.
Jonas Klur: Wir haben auch einen lokalen Bezug für die YOUPAX-Lesenden, da wir aus dem Pastoralverbund Corvey kommen. Und unser Lied regt zum Nachdenken an. Es kann vielleicht einigen helfen, auf die Spur Gottes zu kommen, weil es neue Denkanstöße gibt. Damit kann die Suche nach Gott unterstützt werden.

Das Lied der Band findet ihr unter diesem Link, dort könnt ihr auch für „Was suchst du?“ abstimmen.

Mix