Wann nimmt dieses peinliche Leben endlich ein Ende?
29.07.2015

Wann nimmt dieses peinliche Leben endlich ein Ende?

„About a girl“ ab 6. August im Kino

Von Caroline von Eichhorn

Missglückter Selbstmord – und dann? Der Film „About a girl“ zeigt das turbulente Teenagerleben der 15-jährigen Charleen – und wieso für Verständnis immer zwei Seiten dazugehören. Die Tragikomödie des Sommers.

Da steht sie, mit dem Föhn in der Dusche. Kopfhörer an den Ohren. Gummistiefel an den Füßen. Jetzt nur noch anschalten und das Gerät fallen lassen, und dann ist es vorbei ... doch da klingelt das Handy.

Heike Makatsch spielt so gut wie eh und je die Mutter.

Charleen ist 15 und hochpubertär. Alles nervt. Weltschmerz ohne Ende. Alle um sie herum sind scheiße: Eltern, Mitschüler, Geschwister. Und keiner versteht sie. Außer Oma. Charleen hat für die Welt nur zynische Kommentare übrig. Und nach dem missglückten Selbstmordversuch ist alles noch schlimmer. Wann nimmt dieses peinliche Leben endlich ein Ende?

Der Film „About a girl“ wirft einen Blick in das stürmische Leben eines Teenagers, der mit Todesphantasien á la Curt Kobain oder Jimi Hendrix liebäugelt. Das klingt erst nach Klischee und trivial – ist es aber nicht. Dem Film gelingt es, eine Familiensituation mit vielen komplexen Missverständnissen zu verstehen. Doch am allermeisten meistert „About a girl“, zu zeigen, wie sinnlos ein Selbstmord ist – ohne oberlehrerhaft zu wirken.

Das schafft der Film insbesondere dadurch, da man sowohl in die Rolle von Charleen schlüpft als auch in die ihres Umfelds. Was genau Charleen an der Welt so sehr hasst, wird dem Zuschauer nie ganz klar. Jeder hat als Teenager schon einmal genau diese bockigen Launen gehabt und gemeint, die Welt wäre gegen einen; wenn man sie an Charleen beobachtet, merkt man, wie absurd sie eigentlich sind. Und wie sehr sich etwa Mutter Sabine für ihre widerspenstige Tochter abmühen kann – sie kann es ihr nicht recht machen.

Denn letztlich ist Charleen groß genug, ihren eigenen Weg zu gehen. Für ihren Selbstmordversuch muss sie sich nun ganz alleine rechtfertigen: vor ihren Eltern, ihrer besten Freundin, ihren Schulkameraden und ihrem Psychotherapeuten.

Schnulzig, lustig und unterhaltsam - so ist "About a girl".

Auch wenn der Film „About a girl“ auf einem Selbstmord aufbaut, ist er so gar nicht düster. Sondern bunt, lebendig und richtig gut besetzt. Heike Makatsch spielt so gut wie eh und je die verständnisvolle, liebevolle und gestresste Mutter Sabine. Jasna Fritzi Bauer ist ein bisher relativ unentdecktes Ausnahmetalent – die Schauspielerin aus Wiesbaden ist eigentlich schon 26, schlüpft aber vortrefflich depressiv in die Rolle der 15-jährigen Charleen. Dieser Film könnte ihr großer Durchbruch sein.

Regisseur Mark Monheim (37) aus Bonn war in Deutschland zuvor noch nicht wirklich ein bekannter Name. Mit „About a girl“, seinem ersten Langfilm, könnte sich das ändern. Vielleicht ist der Film gerade deswegen so gut gelungen, weil er auch das Drehbuch geschrieben hat – gemeinsam mit seinem Freund und Produzent Martin Rehbock.

Ungewöhnlich ist die musikalische Gestaltung. Ins Boot geholt wurden junge Nachwuchsmusiker aus der Indiewelt: Livy Pear, Cat Stash und Florian Ostertag.

Am Ende des Films wird etwas dick aufgetragen. Etwas zu viele schnulzige Songs kommen nacheinander; und schon eine halbe Stunde vor Filmende ist klar, wie es ausgeht.

Dennoch beinhaltet der Film viele unerwartete Wendungen, die einen berühren. Er hebt sich damit von typisch deutschen Komödien ab. Lebenskluger Witz, morbide Dialoge und viele Schattierungen, die zum Nachdenken anregen - damit kann man diesen Film jedem empfehlen, der mal Teenie war oder noch ist.

„About a girl“ läuft ab dem 6. August in den deutschen Kinos.

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