03.08.2025
Heiliges Jahr

Eine von eine Million Pilgern der Hoffnung

So erlebt Kirsten Eilhoff den Abschluss des Jubiläums der Jugend in Rom

von Tobias Schulte
Kirsten Eilhoff

Wahnsinn. Einfach Wahnsinn. Das denkt Kirsten Eilhoff aus Marsberg, als sie zum ersten Mal den Blick über das Abschlussgelände des Jubiläum der Jugend in Rom schweifen lässt. 

Es ist 19 Uhr am Samstagabend. Eine Million Menschen sind da. Papst Leo fährt schon mit dem Papamobil durch die Reihen. Das Gelände Tor Vergata ist so groß, dass sich der Eindruck kaum in Fotos festhalten lässt. Dafür spricht der Blick für sich. „Irgendwie ist es ein Geschenk Gottes, dass alle hier sind“, sagt Kirsten.

Vor vier Stunden ist sie mit den 50 Pilgern der Gruppe aus dem Erzbistum Paderborn aufgebrochen. Auf dem Weg fühlt sich Kirsten vom Strom der Pilger mitgerissen. Sie ist vor allem von den Fahnen der vielen Länder fasziniert. Gerade sieht sie Fahnen der Elfenbeinküste, Paraguay, Portugal und der Ukraine.

Kirsten sagt: „Das gibt mir ein Gemeinschaftsgefühl. Hier ist die ganze Welt vereint.“ Sie ist eine von einer Millionen jungen Pilgern der Hoffnung. 

Übernachten unter freiem Himmel

Als die Gruppe auf dem Feld ankommt, sind die Blöcke mit Schlafplätzen nah an der Bühne schon voll. Also dient der Gruppe ein Grünstreifen-Hügel (aka wildes Gestrüpp) neben der Straße als Heimat für eine Nacht. Luftmatratze aufpumpen, Schlafsack ausrollen, erstmal ankommen.

Papst Leo XIV.

Währenddessen ist Papst Leo anderthalb Kilometer weiter vorne schon auf der Bühne. Drei junge Menschen sind da, erzählen ihm von den Herausforderungen des Lebens. Stellen ihm fragen. Zum Beispiel: „Wo finden wir den Mut, um zu entscheiden? Wie können wir mutig sein und das Abenteuer der wahren Freiheit leben, indem wir tiefgreifende und bedeutsame Entscheidungen treffen?“

Der Papst hört zu. Und antwortet. Zum Beispiel: „Wenn wir uns entscheiden, entscheiden wir im wahrsten Sinne des Wortes, wer wir werden wollen.“ Und: „Der Mut zur Entscheidung kommt aus der Liebe, die Gott uns in Christus offenbart. Er ist es. der uns mit seinem ganzen Sein geliebt hat, indem er die Welt gerettet und uns so gezeigt hat, dass das Geschenk des Lebens der Weg ist, um uns selbst zu verwirklichen.“

Staunen und Feiern

Dann folgt der ruhige Teil der Vigil, des abendlichen Gottesdienstes. Die Anbetung des Allerheiligsten. Kirsten steht auf und geht weiter nach vorne zur Bühne. Sie beobachtet, wie alle um sie herum still werden. Andächtig beten.

Kirsten selbst spürt eine große Dankbarkeit, die sie kaum in Worte fassen kann.

So richtig ins stille Gebet kommt sie nicht. 

Das ist okay für sie, denn Kirsten sagt: „Ich erlebe den Glauben hier weniger in stillen Momenten, sondern im Staunen, in der Musik, im zusammen fröhlich sein und genießen. Im Feiern.“

Als die Vigil vorbei ist, feiert sie dann auch. Erst Paar-Tanz mit ihrer Schwester, dann Cotton-Eye-Joe und Macarena.

Um 1 Uhr nachts ist Zeit zu schlafen. Unter freiem Himmel. Mit so vielen Eindrücken des Tages im Kopf.

Papst Leo XIV. bei der Heiligen Messe als Abschluss des Jubiläums der Jugend in Rom.

Als Kirsten am nächsten Morgen aufwacht, geht die Heilige Messe mit Papst Leo schon fast los. Während sie zusammenräumt, zieht der Papst ein. Er sagt: „Möge das für uns alle ein unvergesslicher Moment werden.“

Es folgen, Lesung, Evangelium, Predigt.

Der Papst sagt: „Es gibt in unserem Herzen eine wichtige Frage, ein Bedürfnis nach Wahrheit, das wir nicht ignorieren können und das uns dazu bringt, uns zu fragen: Was ist wirklich Glück? Was ist der echte Geschmack des Lebens?“Die Antwort liege darin, was die Pilger in den vergangenen Tagen erlebt hätten

Alles, was die Pilger in den vergangenen Tagen erlebt hätten.

Nicht besitzen, sondern teilen

Leo sagt: „In all dem könnt ihr eine wichtige Antwort finden: Die Fülle unseres Daseins hängt weder davon ab, was wir ansammeln, noch davon, wie wir im Evangelium gehört haben, was wir besitzen. Sie hängt vielmehr davon ab, was wir mit Freude annehmen und teilen können. Kaufen, anhäufen, konsumieren reicht nicht aus. Wir müssen unsere Augen erheben, nach oben schauen, um zu erkennen, dass alles in der Welt nur insofern Sinn hat, als es dazu dient, uns mit Gott und unseren Brüdern und Schwestern in Liebe zu vereinen und in uns eine Gesinnung voll an Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld, Vergebung und Frieden wachsen lassen, wie die von Christus.“

Große Worte vor einer großen Kulisse. An einem großen Tag. Einem Tag, den Kirsten Eilhoff erstmal verarbeiten muss, wie sie sagt. Gerade hat sie da noch keine Zeit dafür. Die Gruppe muss aufbrechen, vom Feld zum Flughafen. Von Rom nach Marsberg. Vom Jubiläum der Jugend in den Uni-Alltag. Um auch dort im Glauben unterwegs zu sein. Als eine von einer Million Pilgern der Hoffnung.

Bildergalerie des Samstags

Bildergalerie des Sonntags

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