Tony Nowak blickt gen Himmel.
Tony Nowak blickt gen Himmel.
28.10.2019

Body + Soul

Bin ich bereit, zu glauben?

Tony Nowak über seine Ziele auf Erden und den Blick Richtung Himmel

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von Tobias Schulte

„Was willst du erlebt haben, bevor das Leben zu Ende geht?“ Tony Nowak, 24 Jahre aus Bergkamen, antwortet auf diese umfassende Frage mit zwei Worten: „Familie gründen“. Er senkt die Stimme. Tony Nowak arbeitet seit einem Jahr als Elektroingenieur bei einer Firma in Werne. Er entwickelt Leiter-Technik für Thermometer, die zum Beispiel in Kraftwerken eingesetzt werden, weiter. Privat und beruflich laufe es gut, sagt er.

Nach Feierabend hat Tony Nowak in den vergangenen Monaten seine erste eigene Wohnung für sich und seine Freundin renoviert. Er meint, es sei der richtige Schritt, nun aus dem Elternhaus auszuziehen. Ein Schritt in Richtung seines Lebensziels: Familie gründen.

Tony Nowak
Tony Nowak

»Vielen ist nicht mehr bewusst, dass der Glaube Hoffnung bringt. Sie leben ihr Leben so, wie sie es möchten. Dann ist Ende – aber da fängt unser Glaube erst richtig an. «

Tony Nowak
Elektroingenieur aus Bergkamen

Wofür lohnt es sich, zu leben? Was bleibt am Ende? Auf welche Momente werden wir später zurückblicken? Es sind Fragen, die angesichts des anstehenden Hochfests Allerheiligen präsent werden. Fragen, mit denen Tony Nowak junge Menschen konfrontieren möchte. Er hat zusammen mit anderen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Dekanats und Pastoralverbunds Unna einen besonderen Gottesdienst an Allerheiligen vorbereitet. Ein Bestandteil davon ist, dass die Teilnehmer eine Löffel-Liste erstellen, auf der sie die Momente benennen, die sie erlebt haben möchten, bevor sie den Löffel abgeben. Bei Tony Nowak würde „Familie gründen“ ganz oben stehen.

Einen Titel trägt die Veranstaltung an Allerheiligen nicht, dafür hält sie mit Gottesdienst und Workshops umso mehr Möglichkeiten bereit, sich mit Leben und Tod auseinanderzusetzen.

Das Plakat zum Gottesdienst an Allerheiligen.

Nicht viele, sondern feste Freunde

Wenn man Tony Nowak danach fragt, was ihm wirklich wichtig im Leben ist, sagt er: „Familie und Freunde. Also Gemeinschaft.“ Dann erzählt Tony, dass ihn seine Eltern und Großeltern in die richtige Richtung gelenkt hätten. Von vornherein hätten sie ihm verständlich gemacht, dass es sich nicht lohnt, Drogen auszuprobieren, weil sie ihm nichts bringen. Oder, dass er sein verdientes Geld nicht sofort für diesen oder jenen Vertrag ausgeben brauche. Er spricht über seine beiden besten Kumpels aus Schulzeiten, mit denen er sich immer noch trifft.

Er kommentiert: „Ich kann aus fester Überzeugung sagen, dass ich ihnen genauso wichtig bin, wie sie mir wichtig sind.“ Nicht viele, sondern feste Freunde zu finden – darauf habe Tony Nowak immer wert gelegt. Er sagt, dass wir uns ja aussuchen könnten, welche Freunde wir bei uns in der Nähe haben. Ein Satz, der selbstverständlicher klingt, als er ist.

Zum Gespräch treffen wir Tony Nowak im Gemeindehaus in Bergkamen. Er kommt direkt von der Arbeit, trägt Jeans und ein weißes Poloshirt. Er erzählt, dass er bald, wenn er mit dem Renovieren fertig ist, wieder mehr Tennis spielen möchte. Momentan nehmen Serien auf Netflix den Großteil seiner übrig gebliebenen Freizeit ein. Weil seine Eltern ihn sonntags mit in die Kirche genommen und mit ihm gebetet haben, hat Tony Nowak den Glauben an Gott als Kind als selbstverständlich angenommen. Doch er sagt auch, dass er erst seit drei Jahren immer mehr „in den Glauben reingegangen“ sei – vor allem durch ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde. Er gestaltet die Firmvorbereitung mit, über die er sagt: „Ich habe andere im Glauben unterstützt und wurde dadurch selbst unterstützt.“ Dazu macht er selbst bei Veranstaltungen wie der Fastenchallenge mit und bereitet Gottesdienste wie an Allerheiligen vor. „Das kräftigt mich“, sagt er, „wenn so viele Christen freiwillig zusammenkommen“.

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Tony Nowak ist ein Mensch, der auf lange Fragen kurze Antworten findet. Manchmal gibt er einem das Gefühl, auf Anhieb nicht alles erzählen zu wollen. Was würde er außer „Familie gründen“ noch auf seine Löffel-Liste schreiben? Er antwortet: „Bodenständig bleiben“. Nachfrage: Woher kommt die Bodenständigkeit? Antwort: „Aus den Sachen, die mir wichtig sind und die mir der Glaube vermittelt.“

Familie, Freundschaft und ein sicheres Leben seien die elementaren Dinge im Leben. „Egal, ob sich das cool anhört oder nicht.“ Der 24-Jährige erzählt, dass er sich nicht sorgen müsse, „dass hier in zwei Tagen eine Bombe platzt, oder, dass ich kein Essen habe.“ Ängste, die für uns fern klingen – für Menschen nur Hunderte Kilometer weit weg aber Realität sind.

»Ich sehe die Gefahr, dass man denkt, dass man das Gute allein geschaffen hat. Dass es mein Verdienst ist – und wenn es schlecht läuft, dann fragt man sich, wo Gott war.«

Tony Nowak
24, Elektroingenieur aus Bergkamen

Für seinen sorgenfreien Blick auf das Leben kann man Tony Nowak bewundern – wenn man nicht gerade seine Freundin ist. Sie müsse ihm öfter auf die Füße treten, verrät er. „Viele Dinge, die ihr wichtig sind, kommen mir nicht so wichtig vor“, sagt Tony Nowak. Spannungen, die eine Beziehung aushalten muss, wenn er auf das Ziel „Familie gründen“ zugeht.

Mit den Eltern zusammen in den Gottesdienst gehen und anschließend die Toten am Grab besuchen – das verbindet Tony Nowak zuerst mit Allerheiligen. Nicht unbedingt traurig, aber ernst werde er, wenn er dann vor einem Grab stehe. Wie stellt er sich den letzten Weg vor? „Das weiß ich nicht“, antwortet Tony Nowak. Was glaubt er denn? „Ich glaube, dass der letzte Weg zu Gott führt – und ich hoffe, dass er nicht zu steinig sein wird.“

Tony Nowak gibt zu, sich im Gespräch zum ersten Mal intensiv Gedanken über den letzten Weg zu machen. Etwas Angst schwinge auch mit. Er erklärt: „Mein Ziel ist der Himmel. In meinem Leben stelle ich mich unter Beweis, ob ich es verdient habe, dahin zu kommen. Hier kämpfe ich praktisch gegen mich selbst: Bin ich bereit, zu glauben? Kann ich das Leben so leben, wie Gott und Jesus es von mir wollten?“

Tony Nowak weiß auch, wie schnell man den Blick nach oben und das Gespräch mit Gott vergessen kann. Spätestens abends reflektiere er den Tag gemeinsam mit Gott. Doch gerade, wenn es alles glattlaufe, denke er nicht daran. Er sagt: „Vielen ist nicht mehr bewusst, dass der Glaube Hoffnung bringt.“ Viele Menschen stellten sich gar nicht mehr die Frage, was nach dem Tod komme. „Sie leben ihr Leben so, wie sie es möchten. Dann ist Ende – aber da fängt unser Glaube erst richtig an. Wir können dann da leben, wo unser Glaube uns hingebracht hat.“

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