Zeit mit Freunden zu verbringen bereitet Freude.
26.11.2018

Body + Soul

Andacht: Freude

Die Freude lässt dichten, singen, tanzen, loben, danken, lachen – und weinen.

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Von Schw. M. Alexandra Völzke FCJMe

In Schillers „Ode an die Freude“ heißt es:

„Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen, Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen, die des Sehers Rohr nicht kennt!“


Wie oft habe ich das schon selbst erfahren: Mir hat etwas richtig Spaß gemacht und es ist obendrein noch gut gelungen. Ja, selbst große Räder kann die Freude in Gang setzen und am Laufen halten. Begeisterung und Leidenschaft gehören dazu – und hinterher stellt sich „so satt und sahnig“ Zufriedenheit ein. Die Freude lässt dichten, singen, tanzen, loben, danken, lachen – und weinen.

Schwester M. Alexandra Völzke
Schwester M. Alexandra Völzke

Die Freude lässt dichten, singen, tanzen, loben, danken, lachen – und weinen.

In der Bibel ist von der Freude häufig die Rede: Mirjam singt ihr Lied, als der Durchzug durch das Rote Meer geglückt ist und die Israeliten endlich frei sind. König David dichtet Psalmen und tanzt entzückt vor der Bundeslade. Die beiden Cousinen Maria und Elisabeth freuen sich über ihre Begegnung und Johannes der Täufer hüpft dabei vor Freude als ungeborenes Kind im Mutterleib. Und Jesus? Es steht zwar im Evangelium, dass er weint, aber lachen? Doch wer auf Hochzeiten geht und mit vielen Leuten Mahl feiert, war bestimmt kein Trauerkloß.

Es muss wohl auch todernste Heilige geben, aber die lebensfrohen sind mir irgendwie näher. So lässt die Freude einen hl. Franziskus beim Predigen tanzen, einen hl. Philipp Neri Späße machen, einen hl. Don Bosco zu dem pragmatischen Lebensmotto kommen: „Fröhlich sein, Gutes tun, die Spatzen pfeifen lassen.“ Und sie lässt eine hl. Teresa von Avila in allen Herausforderungen den Mut und den Humor nicht verlieren. So eine Gelassenheit wünsche ich mir.

Honoré des Balzac sagte: „Für die Freude gibt es keine Vorahnungen.“ Sie ist immer spontan. Freude lässt Hunde mit dem Schwanz wedeln, Kinder quieken, Alte juchzen, Fußballer jubeln, Verliebte Saltos und Purzelbäume schlagen, dicke Bäuche wackeln und Freudentränen fließen. „Lachen ist gesund.“ Laut wissenschaftlicher Erkenntnisse werden beim Lachen viele Glückshormone im Gehirn frei gesetzt, die das Wohlbefinden und die Gesundheit fördern. Gönnen wir uns ruhig öfter mal heitere Stunden. Denn einst ist uns himmlische Freude bei Gott versprochen.

Hab offene Augen für die Schönheit des Lebens.
Hab offene Augen für die Schönheit des Lebens.

Von Herzen lachen

Wann habe ich zum letzten Mal so richtig von Herzen gelacht? Wann habe ich über mich oder andere geschmunzelt? Wann war ich guter Stimmung und wusste vielleicht gar nicht wohin mit meiner Freude? Wann war ich von Herzen froh und dankbar? Und habe fröhlich gesungen oder getanzt? Gedichtet oder gebetet? Wann habe ich zuletzt nach einer guten Begegnung dem Anderen gesagt: „Es hat mich gefreut.“ Oder nach einem gelungenen gemeinsamen Weg: „Es war mir eine Freude.“?

Anhaltende Freude ist auch ein gutes Kriterium für den Glauben. Niemand wird einem traurigen oder verbitterten Glaubensboten folgen. Natürlich gibt es auch die anderen Zeiten, wo einem so gar nicht zum Lachen ist. Die Psalmen sind voller Bitten, Klagen und Notgeschrei. Aber es gibt eben doch auch dies: „Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel.“ (Psalm 30,6) Wie tröstlich kann ein gutes Wort, eine freundliche Geste sein, eine Aufmunterung, ein Spaziergang durch die Natur, ...

Lachen ist gesund und bereitet Freude.

Die Evangelien und die Apostelgeschichte berichten von diesem Umschwung der Trauer in Freude: Die Jünger können es nach dem Leiden und Tod Jesu immer noch nicht glauben, es einfach vor Freude nicht fassen: Ihr Herr ist auferstanden. Er, auf den sie all ihre Hoffnung gesetzt haben, lebt. Und er ist bei ihnen alle Tage. – Es braucht etwas, bis diese Freude sich in ihnen Bahn bricht, sie heraustreten lässt, dann aber erfasst sie den ganzen Erdkreis. Grund genug dafür haben sie.

Seligpreisungen für den Alltag

Selig, die über sich selbst lachen können;
es wird ihnen nie an vergnügter Unterhaltung fehlen.

Selig, die einen Berg
von einem Maulwurfshügel zu unterscheiden wissen;
manche Scherereien werden ihnen erspart bleiben.

Selig, die imstande sind,
sich auszuruhen und auszuschlafen,
ohne sich dafür entschuldigen zu müssen;
sie werden Gelassenheit finden.

Selig sind, die zuhören und schweigen können;
sie werden viel Neues dazulernen.

Selig, die gescheit genug sind,
sich selber nicht allzu ernst zu nehmen;
sie werden von ihren Mitmenschen geschätzt werden.

Selig, die auf den Anruf anderer aufmerksam sind,
ohne sich jedoch für unentbehrlich zu halten;
sie werden Freude verbreiten.

Selig, die Kleines ernsthaft
und Ernstes gelassen betrachten können;
sie werden im Leben vorankommen.

Selig, die ein Lächeln zu schätzen wissen
und ein Grinsen vergessen können;
auf ihrem Weg wird die Sonne scheinen.

Selig, denen es gelingt,
befremdendes Benehmen
stets wohlwollend zu deuten;
sie werden zwar als naiv gelten,
aber das ist der Preis für die Liebe.

Selig, die überlegen, bevor sie handeln,
und beten, bevor sie überlegen;
sie werden viele Torheiten vermeiden.

Selig, die den Herrn erkennen können
in allen jenen, die ihnen begegnen;
sie haben das wahre Licht,
die echte Wahrheit gefunden.

Von den Kleinen Schwestern Jesu in Paris

Freude führt auch zur Wahrheit. Sie entlarvt, was im Grunde lächerlich ist. Wer nicht alles so ernst und wichtig nimmt, der kann auch mal über sich selbst lachen und über andere schmunzeln. „Humor befreit.“ Und wirkt erlösend und entkrampfend. Das Staunen, das Offensein für eine immer noch andere Wirklichkeit führt zu tiefer Glaubensfreude. Und wer es wagt, der findet – trotz aller Schwierigkeiten – immer noch viele Gründe zum Danken und Loben.

Also dann, viel Freude!

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