Thomas Klon (von links), Florian Volmer, Elias Kuhnert, Tobias Schulte und Sven Hurek fahren mit zum Weltjugendtag nach Panama.
Thomas Klon (von links), Florian Volmer, Elias Kuhnert, Tobias Schulte und Sven Hurek fahren mit zum Weltjugendtag nach Panama.
06.12.2018

Faszination

Vom Weltjugendtag mitreißen lassen

Wie sich fünf Pilger aus Welver auf die Reise nach Panama vorbereiten

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von  Tobias Schulte

Wer eine Reise bucht, checkt als erstes: Bekomme ich zu dem Zeitpunkt frei? Bei der Entscheidung, mit zum Weltjugendtag nach Panama zu fahren, war das anders. Fünf junge Erwachsene aus Welver im Kreis Soest fahren mit zum Weltjugendtag in Panama. Ich gehöre dazu. Vier von uns wussten zum Zeitpunkt des Buchens nicht, was für sie im Januar und Februar 2019 genau ansteht.

Habe ich bis dahin die Bachelor-Arbeit abgegeben? Wann schreibe ich Klausuren? Diese Fragen konnten wir nicht beantworten. Wir haben ins Unbekannte gebucht. Weil wir uns sicher waren: Es wird ein einmaliges Erlebnis sein, zum Weltjugendtag nach Panama zu fahren.

Die fünf Welveraner Pilger: Florian Volmer (oben links), Thomas Klon, Sven Hurek (unten links), Tobias Schulte und Elias Kunert.

Die fünf Pilger
Florian Volmer (22) studiert dual soziale Arbeit. Er arbeitet beim Kreis Soest und geht in Heidenheim zur Universität. Er spielt Fußball, hat eine Jugendmannschaft trainiert und sich jahrelang als Messdiener und Messdienerleiter eingesetzt.

Elias Kuhnert (17) geht zum Berufskolleg und macht in anderthalb Jahren das Wirtschaftsabitur. Für die Pilgerfahrt ist er drei Wochen von der Schule befreit. Er ist nachgerückt, da ein anderer Teilnehmer aufgrund des Studiums abgesagt hat. Er spielt Tennis, engagiert sich als Messdienerleiter und Küster.

Sven Hurek (22) studiert Elektrotechnik in Aachen. Vor wenigen Wochen hat er seine Bachelor-Arbeit abgegeben. Derzeit besucht er Master-Vorlesungen. In seiner Freizeit spielt er Fußball. Nach der Firmung ist er Messdiener und Messdienerleiter geworden.

Tobias Schulte (22) hat Anfang Dezember seine Bachelor-Arbeit in Journalistik abgegeben. Darin hat er die Berichterstattung über die evangelisch-katholische Ökumene im Lutherjahr untersucht. Er spielt Fußball und war jahrelang Messdienerleiter.

Thomas Klon (19) studiert im ersten Semester Wirtschaft und Recht in Münster. Es ist dorthin mit einem Schulfreund gezogen. Bis zu seiner Firmung hatte er mit Kirche nichts am Hut. Auf einer Firmfahrt nach Lourdes wurde er für den Glauben begeistert. Mit zwei Freunden durfte Messe dienen, ohne es vorher gelernt zu haben. Seitdem ist er fast jede Woche in der Kirche, küstert und dient.

Besondere Glaubensmomente auf Reisen erlebt

Als wir zum ersten Vortreffen zusammenkommen, tragen wir alle kurze Hosen. Es ist ein lauer Freitagabend im heißen Sommer 2018. Bis zum Weltjugendtag ist es noch über ein halbes Jahr hin. Gedanklich ist die Reise weit entfernt – dafür sind die Temperaturen so ähnlich, wie sie uns und die anderen 150 Pilger des Erzbistums Paderborn in Costa Rica und Panama erwarten werden.

Wir sitzen in Gartenstühlen vor dem Pfarrhaus in Welver. Die Mücken tänzeln um uns herum und stechen immer wieder zu. Ein Vorgeschmack auf die Fahrt? Ich bin der Koordinator der Welveraner Gruppe und verbinde damit die Steuerungsgruppe mit den Teilnehmern. Auf dem ersten Koordinatorentreffen wurde die genaue Reiseroute beschrieben. Ich stelle sie vor: Wir fliegen nach San Jose, die Hauptstadt Costa Ricas. Dort bleiben wir eine Nacht und fahren am nächsten Morgen in den Pazifik-Ort Jaco. Dort können wir uns drei Tage an das Klima gewöhnen und vom möglichen Anreisestress erholen. Danach wohnen wir vier Tage in Gastfamilien in San Isidro De El General. Von dort aus fahren wir einen Tag lang mit dem Bus nach Panama City. Endstation. Ort des Weltjugendtags.

Bei YouTube gebe ich ein: Weltjugendtag 2019 Hymne. Es erscheinen Treffer auf Deutsch, Englisch, Portugiesich, Französisch und Spanisch. Wir hören die spanische Version. Singen einige Wortfetzen mit, die mit dem Originaltext wahrscheinlich nur wenig übereinstimmen. Das Leben und den Glauben der Menschen in Mittelamerika kennenlernen – das reizt uns alle.

Wir sind mehrfach gemeinsam gereist. Wir haben miteinander in Stille vor der Mutter Gottes in Lourdes gebetet. Sind Jesu Spuren im Heiligen Land gefolgt und haben dabei gemerkt, wie stark die Gemeinschaft der Kirche zwischen Jung und Alt ist. Wir haben in Rom die katholische Kirche als Weltkirche, die Menschen aus allen Nationen verbindet, kennengelernt. Gerade auf Pilgerreisen haben wir wieder neu gespürt, wie stark der Glaube an Gott, wie wertvoll die Gemeinschaft der Kirche ist.

Für uns alle ist es die erste Reise nach Mittelamerika. Das bedeutet auch: Impfen, Impfen, Impfen. Ohne die Gelbfieber-Impfung dürfen wir nicht von Costa Rica nach Panama einreisen. Nur bestimmte Tropenärzte dürfen den Impfstoff spritzen. Die Nächsten sind in Soest und Hamm. Mein Hausarzt empfiehlt, mich gegen Hepatitis A und B sowie Tollwut zu impfen. „Was kostet das?“, fragt Elektrotechnik-Student Sven. „Tollwut fast 300 Euro“, antworte ich.

Freitagabend, Mitte Oktober. Mittlerweile wird es gegen 18 Uhr dunkel. Wir treffen uns mit Weltjugendtags-Pilgern aus Neheim. Mit ihnen bilden wir während der Reise eine Gruppe. Wir gehen in die Neheimer Krankenhauskapelle. Pfarrer Stephan Jung begrüßt uns. Er zitiert das Motto des Weltjugendtags: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Vorher sprach der Engel zu Maria: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Pfarrer Jung sagt, dass Gott so auch jeden von uns anspreche. „Tobias, du Begnadeter, der Herr ist mit dir“, sagt er und schaut mich an. Wir sprechen gemeinsam das Gebet von Papst Franziskus für die Jugend. Wir singen zusammen.

Das Impfbuch hat sich in der Vorbereitung auf die Reise zum Weltjugendtag gefüllt.
Das Impfbuch hat sich in der Vorbereitung auf die Reise zum Weltjugendtag gefüllt.

»Kirche lebt von den Menschen, die andere mitreißen. Die so eine Überzeugung ausstrahlen, dass andere ihnen folgen. Das gilt für die Anfänge der Kirche - und heute immer noch.«

Von der Kapelle gehen wir in die Wohnung von Pfarrer Jung. Sie liegt auf der anderen Seite der Neheimer Fußgängerzone. Jung schließt uns auf und lässt uns ins Allerheiligste, wie er sein Wohnzimmer scherzhaft nennt. Wir essen gemeinsam, jeder hat eine Kleinigkeit mitgebracht. Beim Essen stellen wir uns gegenseitig vor. Erik Dünschede, der International Business Studies in Paderborn studiert, erzählt, dass er nach dem Weltjugendtag in Krakau fasziniert war. Er ging auf Pfarrer Jung zu. Motivierte ihn, mit Jugendlichen nach Panama zu fahren. Daraus ist eine Gruppe von elf Pilgern entstanden.

Die Geschichte kann ich gut nachvollziehen. Kirche lebt von den Menschen, die andere mitreißen. Die so eine Überzeugung ausstrahlen, dass andere ihnen folgen. Das gilt für die Anfänge der Kirche – und heute immer noch. Wir fünf Pilger aus Welver haben uns als Teenager von Pastor Aßheuer und von Freunden mitreißen lassen. Wir haben als Messdiener die Gottesdienste mitgestaltet, als Messdienerleiter Verantwortung für Jüngere übernommen und schon mehrfach die Sternsingeraktion in unserer Pfarrei organisiert. Wir haben jüngere Kinder und Jugendliche für die Kirche begeistert – und wollen selbst immer wieder mitgerissen werden.

Papst Franziskus steht Hand in Hand mit Jugendlichen auf dem Weltjugendtag in Krakau.
Zu den Großveranstaltungen des Weltjugendtags in Krakau kamen Millionen von Menschen.

Es ist der 25. November. Das Laub ist längst von den Bäumen gefallen. Die Luft ist winterlich kühl geworden. Benedikt Hebbecker, Mitglied der Steuerungsgruppe des Weltjugendtags, fährt Richtung Welver. Im Gepäck hat er das Weltjugendtagskreuz des Erzbistums Paderborn. Vor der Fahrt steht es abwechselnd in den Kirchen der Städte und Gemeinende, aus denen Pilger mitfahren. In der Sonntagsmesse ziehen wir mit dem Kreuz ein. Wir treten vor die Gemeinde. „Ich fahre zum Weltjugendtag, um das Leben, die Kultur und den Glauben der Menschen in Mittelamerika kennenzulernen. Das soll eine Inspiration für mein eigenes Leben und meinen Glauben sein“, sagt Sven Hurek. Ich erzähle, dass ich ein Teil des Zeichens sein möchte, das vom Weltjugendtag in die Welt geht: Der Glauben ist Millionen junger Menschen so wichtig, dass sie dafür ans andere Ende der Welt reisen.

Der Gottesdienst war unser innerlicher Startschuss für den Weltjugendtag. Nach der Messe danken uns ältere Gemeindemitglieder für unsere Worte. Sie sagen: „Hauptsache, ihr kommt heile wieder.“ Wir lernen Spanisch zusammen mit der App Duolingo. Wir wissen, dass Hähnchen auf Spanisch pollo, Frau mujer und Mann hombre heißt. Aus dem Lernen ist ein kleiner Wettbewerb entstanden: Wer hat die meisten Lektionen absolviert? Wer hat die meisten Erfahrungspunkte gesammelt?

Mittlerweile ist der Winter in Deutschland angekommen. Die bevorstehende Fahrt ist wie ein Licht, das in unseren Kalendern von Mitte Januar bis Anfang Februar erstrahlt. Bis wir aufbrechen, müssen wir noch überlegen, was wir alles für drei Wochen Reise einpacken. Müssen dafür sorgen, dass wir die Vorlesungen und Unterrichtsstunden gut vor- und nacharbeiten können. Dafür, dass wir uns in Panama neu vom Glauben mitreißen lassen. Um unsere Freunde und Bekannten zuhause neu mitzureißen.

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