22.12.2018

Andacht

Aufmachen und Ankommen

Gott lässt sich finden - nicht nur an Weihnachten

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von Stephan Schröder

Im Sommer bin ich mit einer Gruppe jungen Erwachsenen ins Heilige Land aufgebrochen. Unser Ziel war der „Jesus Trail“. So richtig bewusst war uns jedoch nicht, was uns erwartet. Eines aber war uns gemeinsam: Wir wollten im Heiligen Land dem Leben Jesu auf die Spur kommen.

Dass es in den nächsten Tagen sehr heiß wird hatten wir schon über diverse Wetterapps prognostiziert bekommen. Doch bei gut 40 Grad Hitze zu wandern, Bibelgespräche zu führen und Gottesdienste zu feiern forderte auch dem Fittesten alles ab. Ja, auch ich habe unterwegs gespürt, wie mir die Puste ausging, wie mir die Hitze und die Anstrengungen der Tage zu schaffen machten. Die Gruppe ist im Verlauf der Tage mehr und mehr zusammengewachsen, hat aufeinander geachtet und unterstützt.

Die Pilger aus dem Erzbistum Paderborn bei ihrem "Jesus Trail".

Neben dem Weg von Nazareth über Kana durch das traumhafte Taubental zum See Genezareth hat bei mir der Weg durch die Wüste Judäa besondere Spuren hinterlassen. So sind wir morgens um 5 Uhr von unserem Kibbuz aufgebrochen, um in Richtung Jerusalem zu wandern, dem Höhepunkt und Ziel unserer Reise. Bei stockfinsterer Nacht musste selbst unser israelischer Guide den richtigen Weg durch die Wüste finden. Unsere erste Pause war dann der lang ersehnte Sonnenaufgang über dem Toten Meer. Hochmotiviert ging es weiter bis wir dann aber auch die Kehrseite des Sonnenaufganges zu spüren bekamen. Denn die Hitze stieg spürbar an bis sie unerträglich zu werden schien.

Stefan Schröder

»Hier in diesem Moment habe ich gespürt: Ich bin bei Gott angekommen!«

Stephan Schröder
Diözesanjugendpfarrer des Erzbistums Paderborn

Bei der nächsten Pause wollte ich gerne eine Heilige Messe mitten in der Wüste feiern. Vor uns lag ein relativ großer Berg, der zu bewältigen war. Ja, da oben möchte ich gerne die Heilige Messe feiern. Erstes Murren machte sich breit, warum wir denn erst auf dem Berg die Pause machen. Mit etwas Überzeugungskraft haben wir diese Hürde bewältigt. Schließlich erreichten wir ziemlich erschöpft den Gipfel des Berges. Auf einem Felsbrocken und am Abhang des Hügels feierten wir dann den Gottesdienst. Für mich persönlich aber auch für viele Gruppenmitglieder war das der Höhepunkt der Reise. Es war nicht Jerusalem, die Stadt Gottes, sondern es war mitten auf dem Weg. In diesem Moment der Erschöpfung nach dem anstrengenden Weg und der brütenden Hitze haben mich die Worte des Propheten Elija wie ein Pfeil getroffen: „Steh auf und iss sonst ist der Weg zu weit für dich!“ (1 Kön 19,4-8). Dabei erblickte ich die Weite der Wüste Judäa, die in diesem Moment auf mich wirkte wie die schönste Kathedrale dieser Welt. Hier in diesem Moment habe ich gespürt: Ich bin bei Gott angekommen!

Gottesdienst während des "Jesus Trails".

Aufmachen. Ankommen. Und dann ist Weihnachten. Das haben auch die Pfadfinder aus Warstein erlebt, als sie das Friedenslicht nach einem langen Marsch nach Dortmund in Empfang genommen haben.

Der Stern markiert die traditionelle Geburtsstelle Jesu Christi in Bethlehem.
Der Stern markiert die traditionelle Geburtsstelle Jesu Christi in Bethlehem.

So muss es wohl auch den Weisen aus dem Morgenland ergangen sein, die wir heute als Heilige Drei Könige kennen. Sie mussten viele Monate vorher aufbrechen, um ihr Ziel zu erreichen. Wären sie nicht losgegangen, wären sie nicht angekommen. - Die Weisen der biblischen Geschichte lassen sich von einem Stern leiten. Es waren suchende und forschende Leute, die sich auf den Weg gemacht hatten. Vermutlich waren es Gelehrte aus der Gegend des heutigen Iraks. Sie suchten nicht nach ihrem Sternbild oder Horoskop. Sie folgten einem Stern, von dem sie annahmen: Er muss von Gott sein. Und er muss auf einen besonderen Menschen hinweisen. Deshalb fragten sie auf ihrer Reise: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten.“ Allerdings: Sie haben das zuerst am falschen Ort gefragt. Nämlich am Hof des Königs Herodes. Sie haben da gesucht, wo Glanz, Macht und Reichtum war. Das kommt ja vor, dass man denkt: Mit einem oder am besten gleich mit allen dieser Güter finde ich Glück. Aber, wie viele vor und nach ihnen, haben sie dort nicht gefunden, was ihre Sehnsucht erfüllt hat.

»Dann ist Weihnachten bei mir angekommen und ich bin bei Gott angekommen!«

Das Wunderbare der Geschichte ist: Sie haben nicht nur gesucht. Sie haben dann auch gefunden. Auf ihrem Irrweg ist ihnen der Stern neu aufgegangen. So dass ihnen klar wurde: Wir müssen woanders weiter suchen, neue Wege erkunden. Und dann finden sie. Einen Ort und einen Menschen. Anders, als sie es sich wahrscheinlich geträumt und vorgestellt haben. Am Ende der Geschichte heißt es: „Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut, und gingen in das Haus und fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter.“ Ebenso erging es auch den Hirten auf den Feldern vor Bethlehem, die alles stehen und liegen ließen, um den neugeborenen König der Juden zu finden.


„Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“ Dieser sprichwörtliche Satz vom chinesischen Philosophen Laotse meint: Man erreicht Ziele nicht allein dadurch, dass man alles genau plant. Sondern dass man den Mut fasst, loszugehen, so wie die Hirten und die Sterndeuter.

Aufmachen und Ankommen! – Gott lässt sich finden, wenn ich ihn suche! Dann ist Weihnachten bei mir angekommen und ich bin bei Gott angekommen!

Aufmachen und Ankommen. Dann ist Weihnachten.

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