Weltjugendtag: "Freundschaft ist heilig"
20.07.2016

Weltjugendtag: "Freundschaft ist heilig"

Autakt zum Weltjugendtag 2016 in Paderborn

Von Marie Eickhoff (Text) und Dirk Lankowski (Fotos)

Wie beim Trikottausch - so ähnlich sieht das hier aus. Die Paderborner Weltjugendtags-Pilger wühlen in Pappkartons. Darin sind Pullover. Sie sind blau-weiß geringelt und haben das Logo des Weltjugendtags (WJT) auf dem Rücken. Die Pullis sind ein Geschenk von 3000 Franzosen, die auf ihrer Reise nach Polen einen Zwischenstopp in Paderborn gemacht haben. Hinten steht drauf: "Freundschaft ist heilig - L'amitié est sacré!" Das Begegnungsfest unter dem Titel "Rendez-vous à Paderborn" war ein Zeichen dafür und zugleich der Auftakt für die Paderborner Pilgerfahrt zum WJT 2016.

"Das ist anders als beim Auswärtsspiel!" Janfelix Müller aus Unna fährt zum vierten Mal zum WJT. "Beim Weltjugendtag haben alle den gleichen Fokus." Es gibt also keine Gegner. "Und es wird darauf geachtet, dass wir möglichst viele Begegnungen erleben." Das klappt auch beim Begegnungstag mit den Gästen aus Frankreich. Schnell füllen die Pilger die gesamte Paderborner Innenstadt. Mit Hotpants und bunten Strohhüten laufen sie durch die Stadt, während sich die Hitze in den Gassen staut. Die Franzosen haben schon 17 Stunden Busfahrt hinter sich und heute Nacht steigen dann alle wieder in Busse, um zusammen nach Polen zu fahren.

Im Paderborner Dom haben die jungen Pilger die Möglichkeit, vor dem Schrein des Heiligen Liborius zu beten.

Luisa Schulte und ihre Freundinnen aus Warstein sind voll motiviert. WJT-Shirt, -Hut und -Kette: Sie sind ausgestattet. "Wir sehen aus wie Pilger, ne?" Sie lacht und ihre Wangenknochen schieben die Sonnenbrille ein Stück höher. Dieses Jahr fährt sie zum ersten Mal mit zum Weltjugendtag. Sie freut sich, in Krakau andere junge Menschen zu treffen, denen ihr Glaube wichtig ist. "Kirche zieht manchmal schon runter." Als Ministrantin sieht Luisa, wie wenig Menschen oft nur noch in der Kirche sind. Der Weltjugendtag stärkt. Das hofft sie.

Eine Riesenparty - so beschreiben die Ministranten aus Neuenbeken den Weltjugendtag. "Dort ist ausgelassene Stimmung." Sie genießen vor allem, dass sie dort mit anderen Jugendlichen ungezwungen ins Gespräch über ihren Glauben kommen können. Mit Amerikanern oder Spaniern können sie sich dann einfach austauschen. "Und das gibt schon einen Push." Diesen Impuls wünscht sich die Gruppe.

Mit Graffiti wird ein großes Bild des Heiligen Liborius gestaltet.
Alexander Thätner (22) und Robin Fischer (21) freuen sich auf neue Kontakte in Krakau.

Robin Fischer hat extra Urlaub für den Weltjugendtag genommen. Er nimmt auf jeden Fall seinen Rucksack mit, weil er gern pilgert. Der Bönener mag es, mit anderen in Kontakt zu kommen, und das ist beim WJT wesentlich einfacher für ihn als etwa im Strandurlaub. "Am Strand möchte jeder eine eigene Liege, aber in Krakau schlafen wir zum Beispiel alle in einer Turnhalle. Und das ist ok so."

Die Schattenplätze sind begehrt. Auf den Treppenstufen vorm Dom tummeln sich die WJT-Fahrer. Sie strecken die Beine aus und beobachten, wer in den kühlen Dom geht. Dort steht heute der Liborius-Schrein. Zum Abschlussgottesdienst auf dem Schützenplatz wird er sogar nach draußen transportiert. Das ist sehr selten. Zuletzt war er außerhalb des Doms, als Papst Johannes Paul II. das Erzbistum besucht hat. Dieses Mal stehen 3500 junge Pilger aus Deutschland und Frankreich vor dem Schrein. "Das ist das Gegengewicht zu den Schrecken von zum Beispiel Paris und Nizza", sagt Erzbischof Hans-Josef Becker. Er wünscht den WJT-Fahrern, dass sie in Polen viele Begegnungen erleben. Damit meint er Begegnungen mit anderen und Begegnungen mit Gott.

Ein stimmungsvolles Bild bietet der Abschlussgottesdienst auf dem Schützenplatz.

"Wir müssen feiern", sagt der Paderborner Erzbischof. Damit möchte er ein Zeichen gegen die Grausamkeiten der Welt setzen. Vor allem nach den Anschlägen in Frankreich. Es ist sehr ruhig, als er das beim Abschlussgottesdienst erklärt. Einige Landesflaggen schwingen durch die Luft, andere Fahnen dienen als Sitzdecke auf der Wiese. Eine junge Französin hat ihren Nationalfarben ein Kreuz auf ihren Arm gemalt. Es sieht aus wie ein Tattoo. Alexandra Thätner sagt: "Das ist Weltjugendtag. Da macht man manchmal Sachen, die einfach verrückt sind."

Bildergalerie "Rendez-vous à Paderborn"

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