04.02.2022

Miteinander

Kirche darf nicht queerfeindlich sein

Einerseits engagiert sich Benedikt Getta als LGTBQ-Aktivist, andererseits ist er hauptberuflich bei der Katholischen Kirche beschäftigt

test
Von Dirk Lankowski

Benedikt Getta ist begeistert, wenn er daran denkt, was in den letzten Wochen passiert ist. Mit der Initiative #OutInChurch hat sein bisheriges Wirken in der katholischen Kirche in Bielefeld einen starken Partner bekommen. Der 30-Jährige hat den ersten Queer-Gottesdienst in der Stadt mitorganisiert, engagiert sich im Pfarrgemeinderat und arbeitet hauptberuflich für den Gemeindeverband katholischer Kirchengemeinden als stellvertretender Fachbereichsleiter für die Verwaltungsleitungen. „#OutInChurch ist aus meiner Sicht keine Brechstange für kirchenpolitische Forderungen, sondern es wird mit der Initiative und den Leuten deutlich, was schon lange normal ist: queere Menschen wie ich, die sich in der Kirche vor Ort beheimatet fühlen und engagieren.“

„Ich habe bis zur Veröffentlichung der ARD-Dokumentation nichts von der Initiative gehört – schade eigentlich“, erzählt Benedikt Getta. Denn in Bielefeld und Umgebung ist er so etwas wie ein Botschafter für queere Menschen in der Kirche, gibt dazu Fernseh- und Radiointerviews. Nach der Ausstrahlung habe er sich direkt solidarisiert und bei der Initiative gemeldet. Für den Bielefelder selbst läuft es ganz anders, als die Menschen es in der Dokumentation schildern.

Benedikt Getta engagiert sich in Bielefeld für #OutInChurch.
Benedikt Getta engagiert sich in Bielefeld für #OutInChurch.

»Die arbeitsrechtliche Unsicherheit, die manche in anderen kirchlichen Einrichtungen erfahren, ist einfach grausam.«

Benedikt Getta
Mitarbeiter im Gemeindeverband katholische Kirchengemeinden in Bielefeld

„Ich erlebe keine Diskriminierung, bekomme höchstens interessierte Fragen und fühle mich willkommen“, schildert er. Sein Chef im Gemeindeverband habe ihm sogar gratuliert, als er den ersten Queer-Gottesdienst veranstaltet habe und zuletzt sei er sogar zum stellvertretenden Fachbereichsleiter befördert worden. Ihm ist bewusst, dass das keine Selbstverständlichkeit ist: „Die arbeitsrechtliche Unsicherheit, die manche in anderen kirchlichen Einrichtungen erfahren, ist einfach grausam.“ Und er weiß auch um die gesellschaftliche Dimension des Themas, die gerade bei älteren Mitstreitern Spuren hinterlassen habe. Er selbst gehe sehr froh und glücklich durch das Leben, verspüre weder Wut noch Trauer: „Für mich ist vieles heute selbstverständlich, für das andere lange und hart gekämpft haben. Dafür bin ich dankbar.“

Wunsch nach Segen und Beistand

Es gibt noch andere Forderungen, wie die zum Themenfeld Arbeitsrecht, die Benedikt Getta wichtig sind. „Mir ist schon bewusst, dass die Ehe aus kirchlicher Sicht mehr ist als die staatliche Ehe. Sie ist ein Sakrament. Und wenn sich die Lehre wirklich nicht schnell ändern lässt – ich bin ja kein Theologe sondern Soziologe – dann muss die Kirche es doch schaffen, etwas zu erfinden, das unserem Wunsch nach Segen und Beistand entspricht.“ Er wünscht sich Anerkennung für queere Partnerschaften, die ehrliche Botschaft der Kirche, „dass mein Gott jeden Menschen liebt.“

»Ich finde es schade, dass Kirche als queerfeindlich erlebt und gelebt wird. So erlebe ich sie hier vor Ort in Bielefeld nicht.«

Die Forderungen der Initiative #QutInChurch bringt für ihn sein persönliches Anliegen voran, wofür er sich engagiert. „Ich finde es schade, dass Kirche als queerfeindlich erlebt und gelebt wird. So erlebe ich sie hier vor Ort in Bielefeld nicht.“ Deshalb bringt er sich an unterschiedlichen Stellen ein, um die Wahrnehmung zu schärfen, eine Willkommenskultur zu etablieren und es allen Menschen zu ermöglichen, ihren Glauben in der Kirche zu leben. Für die Motivation seines Engagements findet Benedikt Getta klare Worte, die in der gegenwärtig kritischen Situation auch als ein Zeichen der Hoffnung stehen können: „Die Kirche in Bielefeld ist ein schöner Ort, wo Gemeinschaft gelebt wird, wo man aufgehoben ist, wo man Zutrauen gewinnt. Das wünsche ich mir überall.“

Und was sagt das Erzbistum Paderborn dazu?
Aufgrund der fortbestehenden Irritationen stellt Generalvikar Alfons Hardt für das Erzbistum Paderborn klar, dass keine Mitarbeiterin und kein Mitarbeiter befürchten muss, allein aufgrund der Offenlegung ihrer beziehungsweise seiner sexuellen Orientierung oder der Eingehung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft oder gleichgeschlechtlichen zivilrechtlichen Ehe gekündigt zu werden. Generalvikar Hardt betont zudem nochmals, dass er sich für eine zügige Fortentwicklung des kirchlichen Arbeitsrechts einsetzt.


Mix