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26.08.2021

Miteinander

#beziehungsweise

Tischa B´aw beziehungsweise Israelsonntag

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von Benedikt Körner

Was wären wir ohne unsere Erinnerungen? Ich war ein Jahr lang in Brasilien, eine tolle Zeit. Ich erinnere mich noch gern an die Freundlichkeit der Menschen vor Ort, aber natürlich auch an schöne Strände und Städte. Ich erinnere mich aber auch daran, wie meine Großeltern verstarben, wie leer und traurig ich mich gefühlt habe.

Erinnerungen prägen, sie machen einen Menschen aus. Gilt das auch für ein ganzes Volk oder eine Religionsgemeinschaft? Natürlich! Wir Christen erinnern in unseren Gebeten und Gottesdiensten an Tod und Auferstehung Jesu Christi. So ähnlich ist das in anderen Religionen auch.

Eine große jüdische Katastrophe

Eine spezielle Form ist auch das Gedenken an Katastrophen. Für Christinnen und Christen gehören da insbesondere die Kar-Tage vor Ostern dazu. Ähnliches gibt es auch im Judentum. Am neunten Tag des jüdischen Monats Aw, etwa im Juli oder August, gedenkt das jüdische Volk der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem, 70 n. Chr. durch die Römer. Das war ein großer Schock, war der Tempel doch das zentrale Heiligtum. Der Ort, an dem man Gott begegnen konnte.

Erst in den folgenden Jahren wurde die Tora so umgedeutet, dass auch dort Gott erfahrbar war. Da am 9. Aw auch andere schlimme Ereignisse stattfanden, unter anderem die Zerstörung des ersten Tempels, wurde dieser Tag zu einem Tag der Klage. Ein Tag, der das jüdische Volk prägte.

Klagemauer

Der Israel-Sonntag als evangelische Initiative

Die evangelische Kirche Deutschlands beschloss nun ihrerseits, an einem Datum zur jüdischen Zeit der Klage ebenfalls einen Tag der Erinnerung zu installieren. Der Israel-Sonntag war geboren, um damit der Beziehung der Kirche zum Judentum zu reflektieren. Einen solchen Tag gibt es zwar in der katholischen Kirche nicht, dennoch zeichnet sich auch die katholische Theologie dadurch aus, sich der Beziehung zum Judentum bewusst zu sein und zu verbessern.

Auch diese Kampagne #beziehungsweise dient dieser Erinnerung an die Verbundenheit zwischen Judentum und Christentum. In der heutigen Zeit scheint das aber immer noch nicht ganz angekommen zu sein.

Antisemitische Übergriffe werden nicht nur aus radikalislamischen Gründen verübt, sondern auch vielfach aus rechtsradikaler Motivation. Oft stehen dabei tief sitzende Vorurteile gegenüber Jüdinnen und Juden im Vordergrund, die teils Jahrtausende alt sind. Auch die Kirche hat einen großen Anteil daran gehabt, diese Vorurteile zu schüren, aufzubauen und auch neue zu gründen. Erst im Zweiten Vatikanischen Konzil wurde so der Vorwurf an Jüdinnen und Juden, Gottesmörder zu sein, abgelehnt. Das ist erst knapp 60 Jahre her.

Torah

Judentum und Christentum, (un-)gleiche Geschwister?

Dabei gründen die Ursprünge des Christentums doch so klar in den Anfängen des Judentums. Das, was wir als Altes Testament kennen, sind jüdische Schriften, die von uns auch christlich interpretiert werden. Der Glaube an den einen Gott, der sich in den biblischen Schriften offenbart hat, und an das Leben nach dem Tod entstammen so zum Beispiel dem jüdischen Glauben.

Jesus Christus wird von uns Christinnen und Christen als der Messias identifiziert, der nach jüdischer Auffassung dereinst die Welt retten wird – beziehungsweise das schon getan hat. Klar, nicht alles ist gleich, es gibt viele Unterschiede. So darf man auch nicht vergessen, dass auch das heutige Judentum sich stark weiterentwickelt hat, gerade die Zerstörung des Tempels in Jerusalem und daraufhin das Aufkommen der christlichen Religion führte zu einer massiven Weiterentwicklung des jüdischen Glaubens. Meine ganz persönliche Meinung: Lasst uns deswegen stets der engen Verbundenheit mit dem Judentum gedenken. Nicht nur aus theologischen Gründen, sondern auch aus der eigenen Verantwortung von langen Jahren der Unterdrückung gegenüber unseren Geschwistern im Glauben.

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