Bin ich der richtige Typ dafür?
27.11.2017

Perspektive

Selbstständigkeit

Bin ich der richtige Typ, um mein eigenes Unternehmen zu gründen?

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Von Anna Petri

Auch wenn diese Aussage nach Phrasendrescherei klingt: Im Wort „Selbstständigkeit“ stecken die beiden Wörter „Selbst“ und „Ständig“. Wer selbstständig tätig ist, so lässt sich daraus schließen, organisiert sich und seinen Berufsalltag komplett selbst und ist ständig im Dienst. Was jetzt erst einmal nach einem schweißtreibenden 24-Stunden-Job ohne jegliche Form von Privatleben klingt, kann aber auf der anderen Seite auch viel beruflichen und vor allem kreativen Freiraum bieten – die zentrale Frage jedoch ist: Bin ich der richtige Typ für die Selbstständigkeit?

Philipp Hommelsheim ist jetzt sein eigener Chef
Philipp Hommelsheim ist jetzt sein eigener Chef

»Ich kann nur jedem raten, der sich im Job unwohl fühlt, mutig zu sein und etwas anderes zu machen.«

PHILIPP HOMMELSHEIM (29)
hat sich mit seiner Idee zur "Crashguard-App" selbstständig gemacht.
Vorher hatte er 10 Jahre fürs Bundeskriminalamt gearbeitet.

Motivation

Am Anfang steht die Motivation. Warum möchte ich beruflich auf eigenen Beinen stehen und mich selbstständig machen? Zum einen kann es sein, dass ich in meiner Festanstellung nicht mehr die berufliche Erfüllung finde, die ich mir erhoffe. Wer jeden Tag nur noch total demotiviert und mit Bauchschmerzen zur Arbeit geht, sollte überlegen, an seiner Situation etwas zu ändern.

Neben dem Jobwechsel bietet somit auch die Selbstständigkeit eine Chance zur beruflichen Veränderung. So erging es zum Beispiel Philipp Hommelsheim. Der junge Beamte war in seinem Job zunehmend frustriert und entschied sich schließlich dafür, den sicheren Job aufzugeben und den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen. „Ich kann nur jedem raten, der sich im Job unwohl fühlt, mutig zu sein und etwas anderes zu machen", sagt er.

Auch das Gefühl, sich in der Firma für die man arbeitet, nicht mehr ausreichend mit eigenen Ideen einbringen zu können, weckt bei vielen den Wunsch, einmal sein eigener Chef sein zu können. Hier bestimmt man selbst, was man macht, sofern die Nachfrage bei den Kunden besteht. Wer über den Weg in die Selbstständigkeit nachdenkt, sollte zwei wesentliche Dinge berücksichtigen.

Creative Worker
Der Business Plan ist das Kernstück der Planung
Bei einigen Gesprächen muss man seine Idee überzeugend vortragen
Vorbereitung ist alles

Mut und Kreativität

Zum Gründen eines eigenen Unternehmens gehört natürlich zum einen eine Portion Mut. Den mit der Unternehmensgründung geht man das unternehmerische Risiko ein, eventuell auch zu scheitern. Daher ist es zum anderen wichtig zu überlegen, wo die eigenen Stärken liegen. Hier ist eine Portion Kreativität gefragt.

Die Unternehmerin Catharina Bruns sagt in einem Interview mit Zeit Online, dass es den meisten Menschen nicht an kreativen Ideen fehle, sondern dass die Selbstständigkeit in Deutschland immer noch ein Konzept sei, das für viele nicht den typischen Karriereweg darstelle. Sie ermutigt potentielle Existenzgründer daher, in kleinen Schritten zu testen, ob ihnen die Selbstständigkeit liegt. Bevor man direkt den sicheren Job kündigt, könne man zum Beispiel erst einmal nebenberuflich testen, ob man den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte.

„Selbst“ und „Ständig“

Wer für sich die Selbstständigkeit als eine mögliche Tätigkeitsform ins Auge gefasst hat, kreativ und motiviert ist, sollte sich im Vorfeld auch über die Veränderungen Gedanken machen, die das Unternehmertum mit sich bringt. Denn wie das Wort „Selbst“ schon vermuten lässt, liegt die komplette berufliche Organisation bei einem selbst. Im Falle der Café-Eröffnung ist man somit nicht nur Café-Besitzer, sondern auch gleichzeitig für den Wareneinkauf, die Speisenzubereitung, das Bedienen und die Buchhaltung verantwortlich.

Auch wenn man dafür Mitarbeiter einstellt, so obliegt einem dann die Verantwortung für diese Mitarbeiter und die Zuständigkeit für deren Bezahlung und die Regelung der Sozialabgaben. Das klingt jetzt erstmal nicht nach romantischem Caféhausflair in Paris, sondern nach richtig viel Arbeit und Verantwortung, gerade wenn man die Verantwortung für Mitarbeiter trägt.

Aber als Café-Besitzer bin ich eben auch mein eigener Chef und kann frei entscheiden, wie ich das Café beispielsweise gestalten möchte, welche Kuchensorten ich anbiete, ob es ein Frühstücksbuffet geben soll, und, und, und. Das Wörtchen „Selbst“ ermöglicht darüber hinaus auch, einen gewissen kreativen Gestaltungsspielraum. Das betrifft natürlich auch die Zeit, die ich dafür investieren möchte. Womit wir beim Wort „Ständig“ wären. Die Selbstständigkeit ist kein klassischer „Nine-to-Five“-Job und man muss sich bewusst machen, dass das Erledigen der Buchhaltung auch mal abseits der Öffnungszeiten des Cafés durchgeführt werden muss.

Wer mit dem Gedanken an eine Selbstständigkeit spielt, sollte sich deshalb zu Beginn folgende Fragen stellen:

Bin ich in der Lage, mein Unternehmen eigenverantwortlich zu organisieren?

Bin ich bereit, auch Aufgaben jenseits des eigentlichen Jobs zu übernehmen, wie zum Beispiel die Buchhaltung?

Bin ich bereit, das volle unternehmerische Risiko zu tragen, besonders wenn es nicht gut laufen sollte?

Was bei der Entscheidung helfen kann, sind Gespräche mit Menschen, die sich bereits selbstständig gemacht haben und von ihren Erfahrungen berichten. Ein paar Inspirationen findet man zum Beispiel hier.

Wer sich nach sorgfältiger Überlegung immer noch sicher ist, dieses Abenteuer zu wagen, dem bieten sich natürlich auch eine Menge positiver „Begleiterscheinungen“ der Selbstständigkeit. Die Freiheit spielt dabei eine zentrale Rolle. Als Selbstständiger bin ich mein eigener Chef und kann zentrale Entscheidungen selbst treffen. Das beginnt schon bei der Wahl des Unternehmens und geht von der Angebotspalette meiner Dienstleistungen oder Produkte, über die Gestaltung des Unternehmens bis hin zur Auswahl der Zielgruppen und den Umgang mit Kunden. Gerade für kreative Köpfe bietet die Selbstständigkeit zahlreiche Möglichkeiten der Selbstverwirklichung.

Entwicklung einer App

Auch hier gibt es wieder einige Fragen zur Orientierungshilfe:

Habe ich eine konkrete Idee für mein Unternehmen und weiß ich, wie ich diese Idee umsetzen kann?

Habe ich mir Gedanken gemacht, ob und vor allem wie ich mit dieser Idee Geld verdienen kann?

Stichwort Perspektive: Bin ich mir sicher, dass ich mit meiner unternehmerischen Idee auch längerfristig Erfolg haben kann?

Spätestens hier sollte sich jeder die Frage stellen: Bin ich in der Lage, die Freiheiten, die sich mir eröffnen, auch anzunehmen oder wünsche ich mich doch vielleicht lieber in den geregelten Berufsalltag des Angestellten zurück. Denn Freiheit erfordert eben auch ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein, um damit entsprechend umzugehen.

Gerade weil der Weg in die Selbstständigkeit mit zahlreichen Hürden und Risiken verbunden sein kann und viele Entscheidungen der sorgfältigen Überlegung bedürfen, gibt es in den meisten größeren Städten Institutionen der Wirtschaftsförderung, die potentiellen jungen Unternehmern bei der Entscheidung für die Selbstständigkeit helfen. Dazu gehört in den meisten Fällen auch das Erstellen eines Businessplans, der eine erste Auskunft über die Tragfähigkeit des Unternehmens gibt. Doch zu allererst sollte jeder für sich selbst überlegt haben, ob er überhaupt der richtige Typ dafür ist.

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