Digitale statt physische Treffen sind nun an der Tagesordnung
22.04.2020

Miteinander

Pfadfinder sein - trotz Corona 

Jugendverbandsarbeit in Zeiten der Pandemie: Zusammenhalt, Digitalisierung und Optimismus.

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Von Laura Grotenrath

Svenja Comino, Pfarrleitung der KjG Hamm St. Georg macht sich Gedanken. Die zwei Juliwochen im Zeltlager sind für sie Tradition. Einen Sommer ohne Ferienfreizeit könne sie sich nicht vorstellen, sagt die 23-Jährige. 2020 wäre ihr elfter Sommer mit der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) Hamm gewesen. Doch dieses Jahr ist alles anders. Aufgrund der Coronapandemie stehen sämtliche Veranstaltungen auf der Kippe. Svenja fragt sich, wie es weitergehen soll. „Die KjG ist eine zweite Familie für mich“, sagt sie. Kleinere Treffen wie Gruppenstunden finden aktuell digital statt, um in Kontakt miteinander zu bleiben. Insgeheim gebe sie die Hoffnung auf ein Sommerlager noch nicht auf: „So habe ich etwas, auf das ich mich freuen kann.“

Das Zeltlager ist eine lange Tradition

»So viel Zeit zuhause zu verbringen, ist eine krasse Einschränkung. Es ist schade, dass ich meine Hobbys hintenanstellen muss und fürchte, Pfadfinderei ist mit das letzte, was wieder anfangen darf.«

Georg Schaub
Gruppenleiter beim DPSG-Stamm Hohenlimburg

Gruppenstunden auf Instagram

Für Georg Schaub, Gruppenleiter im 120 Personen starken DPSG-Stamms Hohenlimburg ist die Sache derweil bereits klar: Das Pfingstlager in Holland wurde bereits vor einigen Wochen abgesagt, als das Nachbarland bekanntgab, bis Juni keine Einreisen zu erlauben. Das sei schade, findet Georg und obwohl der Stamm davon ausgehe, dass nichts stattfinden kann, halte man sich das Wochenende hoffnungsvoll weiterhin frei. „Viel anderes kann man ja derzeit sowieso nicht machen“, merkt er leicht sarkastisch an. 

Bei alledem sieht er die Situation pragmatisch: Die ausfallenden Gruppenstunden seien zu verschmerzen, meint der 28-Jährige: „Da geht die allgemeine Sicherheitslage vor.“ Trotzdem gesteht auch er: „So viel Zeit zuhause zu verbringen, ist eine krasse Einschränkung. Es ist schade, dass ich meine Hobbys hintenanstellen muss und fürchte, Pfadfinderei ist mit das letzte, was wieder anfangen darf.“ Um positiv zu bleiben, versuchen er und seine Kolleginnen im Ehrenamt das Beste aus der aktuellen Situation zu machen - mit wöchentlichen Onlinegruppenstunden. Dafür haben sie ein ebenso ungewöhnliches wie unterhaltsames Format gewählt: In den Instagram-Stories spielen sie gemeinsam jeden Mittwoch ab 17.30 Uhr Activity oder Kartenspiele, teilen digitale Escape Rooms und halten ihre Mitglieder auf dem Laufenden.

Pfadfinderverpflegung
Pfadfinderverpflegung

Whatsapp-Briefe und Wanderwege

Aktuell findet viel online statt.

Auch David Mayer aus Arnsberg-Hüsten ist im Jugendverband zuhause. Der 26-Jährige ist Pfadfinder und betreut ehrenamtlich die Jugendarbeit des DPSG-Stamms St. Ludgerus. In Zeiten der sozialen Distanzierung und Ausgangsbeschränkungen organisiert er vielfältige Angebote, um gerade die jüngeren Mitglieder des Stammes auch weiterhin zu bilden und unterhalten. Sämtliche Planungen für Zeltlager und Stufenfahrten hat der Stamm eingestellt. Gruppenstunden finden auf Empfehlung der DPSG per Videochat statt. „Die Älteren treffen sich einfach zum Quatschen, für die jüngeren moderieren wir das Programm“, so David. Spiele wie Stadt, Land, Fluss, Montagsmaler oder Tabu funktionieren auch online, sorgen für Unterhaltung und dafür, dass alle in Kontakt miteinander bleiben, erklärt er.

Angebote online und offline

Um auch offline Angebote zu schaffen, hat sich David zusätzlich einige besondere Aktionen ausgedacht: Auch die DPSG-Jahresaktion „No Waste. Ohne Wenn und Abfall“ laufe in anderer Form weiter: „Jeder sammelt alle alleine Müll und bringt ihn dann zu einer Sammelstelle, wo ihn die Stadt einsammeln kann.“ Als Service für die Stadtgemeinschaft hat er vier Schatzsuchen entwickelt: Seit einigen Wochen gibt es nun vier Touren in den umliegenden Wäldern. Pfadfinder-Wegzeichen führen zu je zwei Schatzboxen und animieren Menschen jeden Alters, auch in Zeiten der Pandemie kurze Wanderungen zu unternehmen.

Zeit anders nutzen

Den Wölflingen und Jungpfadfindern, die er betreut, hat David seit Mitte März via WhatsApp an ihre Eltern bereits 26 Briefe zukommen lassen. Trotz seiner Bescheidenheit klingt im Telefonat mit YOUPAX Stolz durch: „Drei Mal pro Woche bekommen die Kinder Post von ihren Maskottchen Wolf und Kobold mit einer Aufgabe.“ Sie üben nun, Knoten zu bilden, basten Papierflieger und bilden Tierspuren mit Gipsabdrücken nach. Die Resonanz darauf sei sehr gut.

Wie er das alles schafft? Er mache einfach das Beste aus den Umständen der Pandemie, erklärt David: „Ich arbeite sonst als Betreuer an einer Schule und habe aufgrund der Schließungen jetzt viel Zeit. Die anderen Leiter arbeiten oder haben Familie. Sie geben mir Inspiration und ich setze das um.“ In diesen Zeiten müsse man schließlich besonders gut zusammenhalten.

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