Die Regierung und Experten fordern dazu auf, daheim zu bleiben.
17.03.2020

Perspektive

Was uns das Coronavirus lehren kann

Hoffnungsvolle Gedanken in Zeiten der Pandemie

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von Laura Konieczny

Ich bin ganz ehrlich: Als ich im Januar erstmals vom Coronavirus in China las, nahm ich die Sache nicht ernst. Als um Karneval in NRW die ersten Fälle auftraten, dachte ich noch: „Schon wieder eine neue Grippe.“ Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Die Lage ist ernst. Wir müssen handeln – und zwar, indem wir uns an die Hinweise von Regierung und Experten halten. Angela Merkel rief vergangenen Samstag dazu auf, soziale Kontakte weitestgehend einzustellen, wo immer das möglich ist. Das Robert-Koch-Institut ruft ebenfalls zur sogenannten „Sozialen Distanzierung“ auf. Dadurch soll die Ausbreitung des Virus verlangsamt und eine Überlastung unseres Gesundheitssystems verhindert werden.

Diese Simulation der Washington Post zeigt, wie wirkungsvoll soziale Distanzierung sein kann.

Entsprechend dieser Empfehlung kommt nun das öffentliche Leben in Deutschland Stück für Stück zum Erliegen. Schulen, Kitas, Sport- und Freizeitstätten, Clubs und Bars – kurz: alle Orte, an denen sich Menschen sonst in ihrer Freizeit begegnen – bleiben seit Montag geschlossen. Für jeden und jede von uns hat dieser Ausgangsverzicht unterschiedliche Folgen: Schulfrei, Homeoffice oder Überstunden im Krankenhaus, Trainingspause, Langeweile oder endlich Zeit zum Lesen. So schwierig sich die Situation für einige von uns anfühlen mag, wir können auch etwas daraus lernen.

Dankbarkeit

Während ich diesen Text schreibe, sitze ich bei geöffnetem Fenster in meiner gemütlichen Wohnung. Trotz freiwilliger Quarantäne im Sinne der sozialen Distanzierung geht es mir gut. Ich habe ein Dach über dem Kopf, Lebensmittel im Schrank (übrigens ganz ohne Hamsterkäufe) und bin gesund. In den letzten Tagen wird mir immer wieder bewusst, wie dankbar ich für all meine Privilegien sein kann. Es gibt Menschen auf dieser Welt, die tagtäglich aus unterschiedlichen Gründen nicht das Haus verlassen oder ausreichend einkaufen können. Wir tun das hier nur temporär und zum Wohl der Allgemeinheit. Lasst uns dankbar sein für all unsere kleinen und großen Segen.

Mitgefühl füreinander

Ziel der sozialen Distanzierung ist, möglichst wenige Menschen mit dem Coronavirus zu infizieren. Es dauert bis zu zwei Wochen, bis jemand nach einer Ansteckung Symptome aufweisen kann. In dieser Zeit kann die Person jedoch bereits weitere anstecken. Besonders gefährlich ist das, wenn sich ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen oder chronischen Leiden infizieren. Sie können daran sterben. Umso wertvoller ist es, dass die Nachbarschaftshilfe aktuell wieder auflebt. Unter dem Hashtag #nachbarschaftschallenge, in lokalen Facebook-Gruppen und durch Aushänge bieten junge, gesunde Menschen denjenigen ihre Hilfe an, die das Haus nicht verlassen können oder sollten. Lasst uns einander jetzt und auch nach dieser Krise weiterhin gegenseitig unterstützen.

Vorlage für die Nachbarschaftschallengescr
Faith Hope Love Bibel

Hoffnung

Trotz der Meldungen vom Notstand in Bayern, Einreiseverboten und steigenden Infektionszahlen bin ich zuversichtlich. Ich glaube daran, dass unsere Gesellschaft es schafft, diese weltweite Pandemie gemeinsam durchzustehen. Ich vertraue darauf, dass fleißige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bald ein Mittel gegen die Krankheit entwickeln. Durch diese nie dagewesene Situation tragen mich mein Glauben und mein Vertrauen auf Gott. Lasst uns auch weiterhin gemeinsam Beten und uns in Nächstenliebe üben.

»Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.«

1. Korinther 13:13

Respekt

Mein großer Respekt gebührt den Menschen, die es sich nicht einfach im Homeoffice oder mit einem (Schul-)Buch bequem machen können: Das Krankenhauspersonal leistet schon jetzt Herausragendes. Alleinerziehende Menschen stellen sich plötzlich einer doppelten Herausforderung. Menschen, die sich auch in dieser Ausnahmesituation weiterhin um benachteiligte Menschen kümmern. Lasst uns diesen Menschen unseren Respekt spüren lassen und sie unterstützen, wo wir können.

Disziplin, Anstand und Gelassenheit

Diese Tugenden sollten auch sonst zu unser aller Standardrepertoire gehören und bekommen aktuell zusätzliche Relevanz. Lernst du auch ohne eine Lehrerin im Nacken und erledigst deine Aufgaben? Begegnest du deinen Mitmenschen beim notwendigen Einkauf noch immer höflich und zuvorkommend? Du musst (solltest) niemanden im Supermarkt umarmen, aber jemandem etwas aus dem oberen Regal angeben und freundlich grüßen, ist nach wie vor okay. Außerdem: Bleib gelassen. Schulen und Freizeitstätten sind zwar geschlossen, die Supermärkte aber nicht und der internationale Handel läuft bis dato weiter. Hamsterkäufe sind folglich nicht nötig, sondern egoistisch.

Zeit für uns selbst

Seitdem die Meldungen zum Coronavirus Fahrt aufnahmen, hat sich mein Kalender geleert. Veranstaltungen werden verschoben, das Sporttraining fällt aus und Freundinnen treffe ich nur via Videocall. Es kommt mir vor, als hätte ich plötzlich mehr Zeit als zuvor. Welch Geschenk in dieser sonst so schnelllebigen Zeit das ist. Auf den zweiten Blick ist die soziale Distanzierung gar nicht so schlimm. Sie schenkt uns Zeit, mal wieder Oma und Opa anzurufen (besuche sie nur wenn unbedingt notwendig, um sie nicht anzustecken). Wir haben Zeit, endlich dieses Buch zu lesen oder jenes Spiel mit dem kleinen Bruder zu spielen. Wir haben Zeit, einander und vor allem uns selbst neu zu begegnen.

Diese Video erklärt das Coronavirus einfach und verständlich.

In diesem Podcast geben Psychologin und Krisenberaterin Suse Schumacher und Journalist Hajo Schumacher Informationen zum positiven und konstruktiven Umgang mit dem Coronavirus.

Charité-Virologe Christian Dorsten, der auch die Regierung berät, gibt auf NDR-Ratgeber regelmäßige Updates zur aktuellen Situation als Podcast und in Textform.

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