Wasser ist die Grundlage des Lebens.
12.07.2021

Lifestyle

Das blaue Gold

Wasser ist die Grundlage des Lebens - und es wird knapp

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von Lioba Vienenkötter

Wasser ist überall. Von meinem Schreibtisch aus schaue ich direkt auf den Dortmund-Ems-Kanal – 127 Kilometer Wasserstraße. Ein wichtiger Transportweg für Handel und Industrie und im Sommer der beliebteste Badeort der Stadt. Eine scheinbar unendlich große Menge Wasser. Und der Kanal vor meiner Haustür beinhaltet nur einen winzigen Bruchteil des weltweiten Wasservorkommens. Trotzdem wird in den vergangenen Jahren immer öfter über Wasserknappheit diskutiert.

Auch die Volontärinnen und Volontäre der katholischen Journalistenschule ifp haben sich damit beschäftigt und ein Online-Projekt gestartet, das sich mit dem Thema Wasser auseinandersetzt. Unsere YOUPAX-Mitarbeiterin Lioba hat sich das Projekt genauer angeschaut. In diesem Artikel sollen einzelne Ergebnisse vorgestellt und auf weitere Lebensbereiche ausgedehnt werden.

Eins steht fest: Wasser ist die wertvollste Ressource unseres Planeten und die Grundlage des Lebens.

Um dem „blauen Gold“ weiter auf den Grund zu gehen, stellt Lioba drei Was(ser)-Fragen, die auch den Begebenheiten unserer Zeit nachspüren sollen: Was kann Wasser? Was gefährdet Wasser? Und: Was hilft beim Wassersparen?

Wasser ist lebenswichtig.

Was kann Wasser?

Im Februar 2021 war es so weit: Zwei NASA-Roboter landeten auf dem Mars. Ihr Ziel: Proben zu entnehmen, Fotos zu machen und Töne aufzuzeichnen, die dann auf der Erde analysiert werden sollen. Ein Hauptaugenmerk lag – wie schon bei früheren Untersuchungen – auf der Frage: Gibt es Wasser auf dem Mars?

Ja, lautete die Antwort, auch wenn das Wasser auf dem Mars nicht in Seen auf der Oberfläche ruht, sondern in den Gesteinskrusten des roten Planeten eingeschlossen ist. Was diese Befunde so interessant macht: Wasser ermöglicht, dass biologisches Leben existiert, auch wenn das nicht direkt auf kleine grüne Marsmännchen hinweist.

Dass Wasser Leben schafft, gilt natürlich nicht nur für den Mars, sondern vor allem für unseren eigenen Planeten, der immerhin zu 71 Prozent mit Wasser bedeckt ist. Wir Menschen benötigen Wasser zum Trinken, zum Kochen und zu hygienischen Zwecken. Ohne Wasser gibt es keine Landwirtschaft, da zum Anbau von Nutzpflanzen und zur Versorgung von Tieren Wasser nötig ist. „Sauberes Wasser bedeutet Leben“, so wirbt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) für eine Spendenaktion für sauberes Wasser in sogenannten Entwicklungsregionen.

Auch in der Industrie lägen ohne Wasser viele Branchen lahm. Maschinen werden zum Beispiel mit Wasser gekühlt und gereinigt. Laut Umweltbundesamt benötigte allein das verarbeitende Gewerbe (Chemie-, Metall-, Nahrungsmittel- und Getränke- und Papierindustrie) 2016 4,5 Milliarden Kubikmeter Wasser. Eine enorme und unvorstellbare Menge.

Aber auch als Energielieferant ist Wasser mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Früher trieben Flüsse und Bäche Wassermühlen an, mit denen Getreide und Holz verarbeitet wurden. Heute wird mithilfe von Wasser Strom produziert. Schon 2011 machte die Stromerzeugung mithilfe von Wasserkraft 16 Prozent der weltweiten Stromversorgung aus. Der Anteil dürfte in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen sein. Allein in Deutschland gibt es knapp 7.600 Wasserkraftwerke, die meisten sind in Süddeutschland.

Das physikalische Grundprinzip der Nutzung der Wasserkraft ist die Umwandlung der Bewegungsenergie (Strömung) sowie der potenziellen Energie, zum Beispiel durch die Höhendifferenz an Aufstauungen in nutzbare Energie. Turbinen wandeln die Wasserkraft an Talsperren oder in Flüssen dann in Energie um. In unseren heimischen Gewässern schlummert ein unglaubliches Potential, das bisher laut Umweltbundesamt zu ungefähr 80% ausgeschöpft wird. Dass die Installation der nötigen Technik allerdings auch größere Eingriffe in die Natur mit sich bringt, sollte nicht vergessen werden.

Wasser benötigen wir in allen Bereichen unseres Lebens.
Wasser als Energiequelle

Was gefährdet Wasser?

Wasserknappheit. Wenn ich diesen Begriff höre, dann schießen mir Bilder von dürren Wüsten in den Kopf. Von ausgetrockneten Brunnen, vor denen lange Schlangen von Menschen warten – meist irgendwo in Afrika. Da denke ich nicht an trockene Wälder im Sauerland oder die Vertiefung der Grundwasserbrunnen in meiner Heimatstadt.

Dass die Wasserknappheit auch für uns in Deutschland langsam aber sicher zum Problem wird, steht längst fest. Die trockenen Sommer seit 2018 hatten dahingehend enorme Folgen: So wurden gerade in Kommunen in (Ost-) Westfalen in den vergangenen zwei Jahren Trinkwasserknappheit gemeldet. Die Bürger wurden aktiv dazu aufgefordert Wasser zu sparen – Rasensprengen und Poolsauffüllen verboten. Wie kommt es zu diesen erschreckenden Entwicklungen?

Ausgedorrte Landschaften - bald auch in Deutschland?
Microplastik ist eine Gefahr für die Umwelt.

Zum einen liegt es an den geringen oder für Deutschland höchstens durchschnittlichen Regenfällen – nicht nur im Sommer, sondern über das ganze Jahr verteilt. Das wiederum sorgt dafür, dass die Grundwasserreserven nicht aufgefüllt werden können. Das Grundwasser ist hierzulande mit 70 Prozent unsere wichtigste Trinkwasserquelle. Die Folge: Grundwasserbrunnen müssen tiefer gebohrt werden oder versiegen total.

Eine Region, in der der Wassermangel besonders gut sichtbar wird, ist das Sauerland. Wie Gemeindevertreter der Gemeinde Kirchhundem dem WDR-Format Quarks berichteten, sei dort der Rückgang des Grundwassers direkt spürbar und in den kommunalen Brunnen beobachtbar.

In den Wäldern des Sauerlands dürfte jedem, der dort in den vergangenen Jahren unterwegs war, die vielen trockenen Bäume aufgefallen sein. Das Waldsterben gerade der südwestfälischen Fichten resultiert zum einen aus dem vermehrten Aufkommen der Borkenkäfer, die die Bäume wortwörtlich zerfressen. Zum anderen liegt es an der Trockenheit der vergangenen Jahre. Das wiederum führt zu sommerlichen Waldbrandgefahren und zu Holzknappheit, die auch das Baugewerbe vor Probleme stellt. Und wer im Bio-Unterricht aufgepasst hat, dürfte wissen, was das Absterben gerade größerer Waldgebiete für die Entwicklung der Klimakrise bedeutet.

Gefährlich für unsere Wasserversorgung selbst ist zum Beispiel auch das hohe Mikroplastikaufkommen in unseren Haushalten. Mikroplastik ist zum Beispiel in Shampoos, Duschgels oder Waschmitteln enthalten oder wird beim Waschen aus Kleidungsstücken gespült. Mikroplastik lässt sich auch mithilfe modernster Filter schlecht aussortieren. Dadurch gefährdet es die Wasserversorgung und das Leben von Wasserlebewesen in Flüssen und Meeren.

Was hilft beim Wassersparen?

Schon mein Physiklehrer hat gesagt, wir sollten die Waschmaschine nicht nur für eine Jeans anstellen. Das war ihm offenbar ein großes Anliegen, der Hinweis kam nämlich jede Woche. Da hat er natürlich Recht: Weniger Waschen spart Wasser. Genauso hilft es, beim Zähneputzen den Wasserhahn zuzudrehen und zu duschen statt zu baden.

Gleichermaßen hilfreich kann es sein, beim Gießen im Garten einmal genau hinzuschauen – wie wäre es zum Beispiel mit einer guten alten Regentonne, die zur Wasserversorgung beiträgt? Sinnvoll ist es ferner lokal und saisonal einzukaufen, da gerade der Gütertransport per Schiff oder Lastwagen massive Auswirkungen auf die Wasserverschmutzung hat.

Einen großen Einfluss auf die Wasserverschmutzung hat auch die Modeindustrie: Zum einen über das anfallende Mikroplastik und zum anderen aufgrund der enormen Wassermengen, die zur Produktion der Kleidung notwendig sind. Allein für ein T-Shirt sind das 2500 Liter, die Werte für eine Jeans liegen bei durchschnittlich 8000 Liter.

Welche weiteren Auswirkungen gerade die fast fashion-Industrie auf Wasser und Umwelt hat, beschreibt YOUPAX-Autorin Laura. Der Artikel zeigt ferner Ansatzpunkte für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Mode und erklärt, was jede und jeder dazu beitragen kann.

Wassersparen ist wichtig - auch im Privaten

Natürlich kann die Verantwortung für mehr Wasserschutz nicht allein auf die Bürgerinnen und Bürger verlagert werden. Deshalb veröffentlichte das Bundesumweltministerium im Juni die Nationale Wasserstrategie, die sich mit Fragen der gerechten und nachhaltigen Nutzung und Verteilung beschäftigt. Wie knapp und wertvoll Wasser ist, daran erinnert mich persönlich jetzt immer der Blick auf den Dortmund-Ems-Kanal, der vor meiner Haustür fließt.

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