Wir geben Facebook weit mehr Daten, als wir vielleicht denken.
30.04.2019

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Datenschutz im Internet

Was wissen Facebook und Google – und wie kann ich mich schützen?

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von Till Kupitz

Wer kennt es nicht: Du scrollst deine Facebook-Timeline entlang und schon wird dir die Werbung für ein Produkt angezeigt, das du erst vor wenigen Minuten auf Amazon angesehen hast. Richtig unheimlich wird es dann, wenn eine Supermarktkette weiß, dass ein Mädchen schwanger ist, noch bevor es ihr eigener Vater weiß. Genau das ist in den USA vor einigen Jahren schon passiert – dank Analyse des Kaufverhaltens. Datenschutz? Fehlanzeige. Dabei wird das Thema immer sensibler und umfangreicher, habe ich das Gefühl. Also will ich herausfinden: Was wissen Facebook, Google und Co. eigentlich alles von mir und über mich?

Facebook, Instagram, WhatsApp, Google – bei den großen Internet-Playern habe ich schon seit vielen Jahren ein Konto. Für die "Datenkraken" bin ich wahrscheinlich, wie so viele junge Leute, ein gefundenes Fressen. Wo ich wann mit wem war: Heute schreibe ich sowas nicht mehr ins Internet – früher schon. Weiß Facebook das noch? Um das zu überprüfen, fordere ich alle Daten an, die Facebook von mir gesammelt und gespeichert hat. Das geht schnell über die Einstellungen, wo ich unter dem Reiter "Deine Facebook-Informationen" die Option "Herunterladen" finde. Auch für euer Google-Konto gibt es diese Möglichkeit hier.

Ordner über Ordner - Facebook schickt mir meine Daten.
Ordner über Ordner - Facebook schickt mir meine Daten.
Viele Anwendungen auf unserem Smartphone wollen unsere Daten.

Nach einigen Minuten kann ich meine Facebook-Daten herunterladen und versinke gleich in den vielen Ordnern, die mir da zugeschickt worden sind. Ich sehe hunderte Kommentare aus den letzten neun Jahren, an die ich mich gar nicht mehr erinnere. Mir wird mein gesamter Suchverlauf in Facebook angezeigt – ich wundere mich, nach welchen Personen ich 2012 oder 2014 gesucht habe.

Facebook zeigt mir die Mail-Adressen aller Personen meiner Freundesliste an, oftmals auch mit den Handynummern, die ich selbst gar nicht besitze. Ich sehe auch haargenau, wann ich mich wo mit welchem Gerät auf Facebook eingeloggt habe. Facebook gibt mir auch die Infos, für welche Werbetreibenden ich wahrscheinlich sehr interessant bin und welche mir gezielt angezeigte Werbung ich bereits angeklickt habe.

200 Megabyte Daten – damit kann man fast 25 Minuten auf einer CD mit Musik füllen – von Facebook klingen schon nach viel? Google schickt mir fast 3 Gigabyte Daten von mir und über mich. In Sachen Datenschutz habe ich offenbar komplett versagt. Oder geht das heutzutage gar nicht mehr anders?

Eine Nachricht = viele Informationen

Bastian Bringenberg ist Experte für Datenschutz.

"Eigentlich wissen die nicht viel mehr als das, was du denen auch gibst", erzählt mir Bastian Bringenberg aus Bochum. Er betreibt die Web-Agentur Pottkinder und hat sich damit auch auf Datensicherheit spezialisiert. "Meist gibst du den Konzernen aber viel mehr, als du denkst", erklärt er weiter.

So könne beispielsweise gemessen werden, in welchem WLAN man sich einloggt und daraus genaue Aufenthaltsorte analysiert werden. Mit jeder Nachricht geben wir viele Metainformationen preis: Wo bin ich gerade? Mit wem schreibe ich? Zu welchen Uhrzeiten schreibe ich? Solche Infos seien teilweise genauso brisant wie die verschickte Nachricht selbst und damit "extrem nützlich, wenn du jemanden zurückverfolgen möchtest".

»Wenn ein Dienst nichts kostet, bist du die Ware.«

Bastian Bringenberg
Datenschutz-Experte

"Die Unternehmen wissen, wo du hinguckst, an welchen Anzeigen du hängen bleibst beim Scrollen durch Facebook, zum Beispiel. Das erkennen Algorithmen und speichern es also Info über dich. So werden ähnliche Anzeigen später viel mehr promotet und dir als personalisierte Werbung angezeigt. Die wissen: Das ist etwas, das dich interessiert. Bei einer einzelnen Person mag das völlig unerheblich sein. Bei Millionen von Menschen kann man gewisse Dinge aber sehr gut kombinieren und ganze Zielgruppen ziemlich genau definieren“, sagt Bastian. Die großen "Feinde" seien übrigens längst nicht mehr nur Facebook und Google: "Jeder Dienst, der für uns kostenlos ist, will in vielen Fällen unsere Daten haben. Da gilt der Spruch: Wenn es nichts kostet, bist du die Ware."

Große Konzerne kennen uns zu gut in den meisten Fällen.

Ist das so schlimm? Mir werden direkt Dinge angezeigt, die ich auch wirklich kaufen möchte. Gibt man dafür nicht gerne seine Daten her? "Wenn jemand dich versucht zu manipulieren, damit du bestimmte Dinge kaufst, dann ist das für mich etwas absolut Negatives", gibt Daten-Experte Bastian zu bedenken. "Jemand ist dann schnell in der Situation: 'Gegenstand X wollte ich eigentlich nie haben, doch weil er mir gerade angezeigt wird, kaufe ich ihn.’ Macht man das ein paar Mal, kann dafür im Monat schnell einiges an Geld draufgehen."

Wenn man sich der Manipulation bewusst und willensstark genug sei, damit umzugehen, sei es kein großes Problem, so Bastian. Wir Bürger würden jedoch immer gläserner: "Facebook und Google sind nicht unsere Freunde. Es sind Systeme, die unsere Daten benutzen, um Geld zu verdienen." Personalisierte Werbung ist das eine, Wahlmanipulation das andere. Durch gezieltes Ausspielen von Inhalten im Internet wäre auch das theoretisch möglich. Denn was die Unternehmen am Ende alles mit unseren Daten machen, würden wir laut Bastian nie sicher erfahren.

Datenschutz? Nicht, wenn's was kostet

Damit beispielsweise Facebook nicht so viele Daten über uns sammeln kann, könnte statt App der Browser genutzt werden. Dann erlauben wir den Unternehmen nicht gleich, all unsere Daten abzugreifen, erklärt Bastian. Außerdem lohnt es sich bei Anwendungen, genau hinzuschauen, worauf diese Zugriff in unserem Smartphone haben möchten (siehe Infobox unten). Braucht eine App, mit der man eigentlich nur Fotos bearbeiten will, gleich auch Zugriff auf unser Kontaktbuch? Eher nicht.

Viele Jugendliche und junge Erwachsene sind sich der Gefahren bewusst, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Zwei von drei Jugendlichen finden, dass die Datenverarbeitung von Online-Diensten kritisch anzusehen ist. 75 Prozent wollen nicht, dass ihre Daten an Dritte weitergegeben werden.

Das Problem: Geld. Nicht einmal jeder Fünfte ist bereit, auch nur fünf Euro für einen Dienst auszugeben, der deine Daten nicht speichert oder für Werbezwecke verkauft/nutzt.

Die informationelle Selbstbestimmung geht uns verloren, ganz klar. Wir werden wahrscheinlich nicht aufhören, Facebook, Google, Instagram und Co. zu nutzen, obwohl wir uns damit in gewisser Weise selbst verkaufen und vieles preisgeben, was eigentlich privat ist. 

Am Ende ist eines ganz wichtig: Wir können Dienste wie WhatsApp zwar weiterhin nutzen, müssen uns aber der Risiken bewusster werden. Wir müssen überlegen: Welche Informationen gebe ich bewusst wann wohin? Zweimal überlegen, bevor wir senden oder hochladen. Dazu reicht es schon, ein paar Tipps zu beachten. Denn unsere Daten sollen und müssen uns gehören.

Im Internet hinterlassen wir viele Spuren - sind wir uns dessen bewusst?
Google, die Datenkrake

Wie schütze ich meine Daten im Internet? 5 Tipps von Daten-Experte Bastian Bringenberg

1. Schau dir an, welche Daten deine Anwendungen wollen
Braucht eine Anwendung, in der du Fotos bearbeitest, wirklich Zugriff auf deine Mails? Es gibt Anwendungen, die sich per se mehr Zugriffsrechte sichern als sie eigentlich bräuchten, um dich im Hintergrund auszulesen. Hinterfrage deine Apps dahingehend.

2. Verwende den Browser
Unternehmen wollen, dass du ihre Apps nutzt, deshalb laufen diese oft auch flüssiger als die Webversion über den Browser. Aber: Viele Social-Media-Apps wollen gleich auch Zugriff auf dein ganzes Kontaktbuch. Die Verknüpfung mit Freunden mag erstmal cool sein, ist datenschutztechnisch aber im grauen, wenn nicht sogar schon im schwarzen Bereich. Du gibst die Telefonnummern und Namen deiner Kontakte ungefragt an einen Drittdienstleister weiter. Mit dem Browser passiert das nicht.

3. Überlege, was du mit wem teilst
Du hast ein peinliches Foto gemacht, das eigentlich nur deine besten Freunde sehen sollen. Muss man das wirklich über WhatsApp verschicken oder reicht es, wenn du es Freunden auf deinem Handy zeigst? Sei dir bewusst: Packst du ein Foto ins Internet, egal ob du es im sozialen Netzwerk hochlädst oder via Messenger augenscheinlich privat verschickst, wird es archiviert. Ein Bild, das du eigentlich loswerden willst, geht dann nicht mehr weg. Das Internet vergisst nichts und speichert alles. 

4. Falsche Informationen streuen
Was manchmal ganz gut sein kann: Bewusst Dinge im Internet anklicken, die man gar nicht haben will. Dadurch kann der Algorithmus durcheinandergebracht werden, weil du plötzlich nicht mehr perfekt in eine Zielgruppe passt.

5. Nicht nur Google und Facebook sind Datenkraken
Klar, die großen Unternehmen sind immer präsent. Da ist oft direkt klar: Hier gebe ich Daten her, um den Dienst zu nutzen. Doch auch kleinere Unternehmen, die etwas kostenlos anbieten, verwenden oftmals deine Daten. Sei dir dessen bewusst und verhalte dich dahingehend vorsichtiger.

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