„Wünschen Sie Cookies zum Googlehupf?“
18.03.2021

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„Wünschen Sie Cookies zum Googlehupf?“

Warum uns Datenschutz viel mehr auf den Keks gehen sollte

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von Jakob Krueger

Der 13. März 2020 dürfte vielen noch in denkwürdiger Erinnerung bleiben. Er war der Auftakt des ersten Corona-Lockdowns. Während der folgenden Wochen und Monate schlichen sich viele ungewohnte und ungewöhnliche Beschäftigungen ein. Klopapier bunkern, Bananenbrot backen, dicke Bücher lesen oder Masken nähen.

Meine ungewohnte Beschäftigung war, angeregt durch den Kauf des Fairphone 3, das Thema Datenschutz – und ich war überrascht. Während ich noch ein paar Jahre zuvor dachte: „was für ein langweiliges Thema“, hatte ich nun das Gefühl, aktiv etwas verändern zu können und anhand der zahlreichen neuen Apps auf dem Homescreen nahm ich diese Veränderung auch wahr.

Diese schöne Erfahrung möchte ich weitergeben. Deswegen erfährst du in diesem Artikel, wie Google Daten über uns sammelt. Ob du etwas zu verbergen hast. Und welche Folgen mangelnder Datenschutz in unserer Gesellschaft, aber auch im per-sönlichen Leben haben kann. Bereit?

Los geht’s:

Google - der Drogenjunkie

Das IT-Sicherheits- und Hacking-Portal „Kuketz-Blog“ hat Google mit einem Drogen-Junkie verglichen: Wir Nutzenden befriedigen durch den Gebrauch von Google-Diensten die Sucht des Unternehmens tagtäglich mit Millionen von Daten.
Der damalige CEO von Google, Eric Schmidt, sagte 2010 auf dem Washington Ideas Forum:
Eric Schmidt, Vorstandsvorsitzender von Google Inc. auf der Pressekonferenz des e-G8-Forums während des 37. G8-Gipfels in Deauville, Frankreich.

„Mit Ihrer Erlaubnis geben Sie uns mehr Informationen über Sie und Ihre Freunde. Wir wissen, wo Sie sind. Wir können mehr oder weniger wissen, worüber Sie nachdenken“

Eric Schmidt
langjähriger CEO von Google

– das fasst die ganze Problematik eigentlich perfekt zusammen.

Die Macht der Metadaten

Bei vielen Daten, die erhoben werden, handelt es sich um Metadaten. Das sind Daten, die nicht in der Kommunikation selbst, sondern über diese anfallen. Beispielsweise die Nummern, mit denen du auf WhatsApp interagierst, wann und wo du dies tust, wem du eine E-Mail schreibst, der Betreff von E-Mails, dein Profilbild und vieles mehr.

Forschende der renommierten Stanford University haben untersucht, was sie allein durch Metadaten über die Testpersonen herausfinden können. Das Ergebnis: Ge-schlechtskrankheiten, außereheliche Affären, Waffenbesitz und Drogenhandel.

Ein anderes Beispiel: Der SPIEGEL hat in Kooperation mit anderen europäischen Zeitschriften nachweisen können, dass der Giftgasanschlag auf den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny auf den russischen Geheimdienst zurückzuführen ist und wer die Täter waren – die Kerninformationen hierfür waren Metadaten. In diesem Artikel zeigt die Plattform für digitale Freiheitsrechte netzpolitik.org in einem sehr alltagsnahen Experiment die Macht von Metadaten auf.

„Ich habe doch gar nichts zu verbergen...“

Jetzt denkst du vielleicht: Was ist so wichtig an Datenschutz, wenn ich doch gar nichts zu verbergen habe? Auch ich habe das schon oft gedacht – meine Meinung durch die Auseinandersetzung mit dem Thema jedoch geändert.

Denn dieser Ansatz ist falsch: Jede und Jeder hat etwas zu verbergen. Der Whistleblower und Datenschützer Edward Snowden zieht hier den sehr treffenden Vergleich zur Meinungsfreiheit:

Edward Snowden hat 2013 die NSA-Affäre aufgedeckt

„Zu argumentieren, dass Sie keine Privatsphäre brauchen, weil Sie nichts zu verbergen haben, ist so, als würden Sie sagen, dass Sie keine Meinungsfreiheit brauchen, weil Sie nichts zu sagen haben“.

Edward Snowden
ist Datenschützer und Whistleblower. Mit seinen Leaks löste er 2013 die NSA-Affäre aus, bei der bekannt wurde, wie der amerikanische und britische Geheimdienst massiv Telefonate und auch das Internet verdachtsunabhänig überwacht Seitdem lebt er im russischen Exil.

Viel konkreter beschreibt es Mike Kuketz 2017 in seinem Blog: Wer nichts zu verbergen hat, brauche kein Bankgeheimnis, kein Anwaltsgeheimnis, kein Briefgeheimnis, kein Wahlgeheimnis, kein Beichtgeheimnis, keine ärztliche Schweigepflicht. „Und wer dann immer noch meint, er hätte ‚nichts zu verbergen‘, den fragt ihr einfach mal nach seinem Smartphone, ob ihr darin mal ein paar Minuten herumstöbern dürft“.

Es ist übrigens nicht so, dass fehlender Datenschutz keine Auswirkungen auf unser Leben hätte – ganz im Gegenteil! Die Wirtschaftsauskunftei Schufa sammelt bei-spielsweise Daten über dich, um Aussagen über deine Kreditfähigkeit treffen zu können. Dazu werden alle Daten ihrer Mitgliedsunternehmen (unter anderem Amazon, eBay, PayPal, Saturn, die Telekom und die meisten deutschen Banken) verwendet und auch andere eingekauft, z.B. von Facebook oder Google. Ob du einen Kredit, ein Girokonto oder einen Handyvertrag bekommst, ist von den gesammelten Daten über dich abhängig. Wenn du wissen willst, was bei der Schufa alles so schieflaufen kann, empfehle ich dir dieses Video von Jan Böhmermann im Neo Magazin Royale.

Doch auch in sozialer, kultureller, ökonomischer und gesellschaftlicher Hinsicht sind die Auswirkungen mangelnden Datenschutzes kaum absehbar. Fest steht, dass dies gerade für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft gefährlich ist. Anlasslose (Vorrats-)Datenspeicherung, ob von Unternehmen oder Regierungen, bedroht unsere Demokratie. Anhand der unglaublichen Datenmengen könnten zum Beispiel Wahlen beeinflusst werden.

Was kann ich tun?

Diese Frage habe ich mir gestellt, im Frühjahr des vergangenen Jahres. Und je tiefer ich in die Materie einsteige, desto mehr Optionen bieten sich mir. Viele dieser Optionen werde ich dir in den weiteren Artikeln dieser Serie vorstellen. Nun soll es erst einmal darum gehen, wie Google Daten sammelt.

Das Prinzip lautet: Nutzendenprofile. Dort werden alle Daten über dich aus den verschiedenen Google-Diensten gespeichert.

Google kann deine Suchanfragen auf dich zurückführen. Über dein Android-Smartphone weiß Google durch GPS, WLAN oder Mobilfunkmasten deinen Standort, außerdem deine Kontakte, Termine, installierte Apps und wie oft du sie nutzt, deine Telefonnummer, die Seriennummer deines Geräts, die E-Mail-Adresse deines Google-Kontos, deine IP-Adresse, deine Werbe-ID und vieles mehr.

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie das funktionieren kann. Hier kommt ein kleines Beispiel: Mit Deiner Werbe-ID tauchst Du in einer App auf, die auch Deine IP-Adresse abgreift. Wenn Du nun also mit derselben IP-Adresse etwas bei Google suchst, kann Google es Dir eindeutig zuordnen. Leichter ist es natürlich, wenn Du bei Google angemeldet bist – und dieser Zwischenschritt gar nicht nötig ist. Ein weiterer Faktor sind „Tracker“, also Module, die zu Analysezwecken in Apps verbaut werden. Die meist genutzten Tracker sind jedoch von Google und Facebook und analysieren nicht nur, sondern leiten Unmengen von Daten an ihre Hersteller weiter. Auch Cookies sind übrigens Tracker.

Das Geschäftsmodell von Google ist es, Werbung zu personalisieren und zu schalten. In den meisten Fällen lässt sich Werbung, auf die du im Internet triffst, auf Google zurückführen. Das ist auch der Grund für diesen unstillbaren Datenhunger, denn er ist Teil des Geschäftsmodells. Da in jeder Werbung Tracking-Module integriert sind, fördert die Werbung selbst ebenfalls den Datenstrom zu Google. Und auch in seeeehr vielen Apps im Google Play Store sind Tracker verbaut.

Nur meine Daten?

Bei all dem geht es lange nicht mehr darum, nur Deine eigenen Daten zu schützen, sondern auch die Deiner Kontakte, Deiner Freundinnen und Freunde sowie Deiner Familie. Zwei Beispiele:

Wenn Gmail Dein E-Mail-Anbieter ist, solltest Du Dir z.B. bewusst sein, dass Google Deine E-Mails automatisiert mitliest. Gmail-User haben dem noch zugestimmt, doch bei Kontakt mit Nutzenden anderer Anbieter werden auch deren Mails mitgelesen – ohne ihre Zustimmung.

Wenn Du die („Adoptiv“)Tochter von Facebook, WhatsApp, nutzt, verstößt Du sogar gegen geltendes Datenschutzrecht! Denn durch das Hochladen Deines Adressbuchs werden die Telefonnummern, Namen und vieles mehr an Facebook ge-schickt – ohne, dass Du Deine Kontakte um Erlaubnis gefragt hast.

WhatsApp

Das Gute ist: Gemeinsam können wir etwas dagegen tun! Was und wie, erfährst du im nächsten Artikel von mir.

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