Der Schriftzug zeigt es - Paderborn und Le Mans sind in Freundschaft verbunden.
Der Schriftzug zeigt es - Paderborn und Le Mans sind in Freundschaft verbunden.
24.07.2020

Miteinander

Die älteste Partnerschaft Europas

Libori verbindet Paderborn und Le Mans, Deutschland und Frankreich. Ein Auftrag, diese Freund-schaft weiterzuleben

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von Alexandra Pöhler

Eigentlich würde jetzt in Paderborn absoluter Ausnahmezustand herrschen – denn Ende Juli feiert die Stadt das weit bekannte Libori-Fest. Dieses Jahr muss Paderborns fünfte Jahreszeit – ebenso wie viele andere Feste – aufgrund der Corona-Pandemie leider ausfallen. Das schmerzt viele Paderborner und Libori-Fans. Libori ist das, was andere Volksfeste in anderen Regionen sind: die Zeit und der Ort im Jahr, Menschen zu treffen, die man sonst das gesamte Jahr über nicht sieht. Viele Weggezogene kommen für diese Zeit wieder in die Heimat. Hinterhöfe und Gassen verwandeln sich in Oasen zum Verweilen und Plaudern.

LiboriTV
Obwohl Libori nicht so gefeiert werden kann, wie üblich – es fällt doch nicht aus. Besonders die Gottesdienste werden, natürlich mit einigen Einschränkungen, gefeiert. So eröffnet die Pontifikal-vesper am Samstag, 25. Juli, ab 15 Uhr die Libori-Woche. Von Samstag bis Dienstag, 28. Juli, überträgt das Erzbistum Paderborn die Gottesdienste live – und sendet im Anschluss das Pro-gramm LiboriTV. Alle Infos findest du hier.

Et in terra pax

Dass Libori ausgerechnet in diesem Jahr mehr oder weniger ausfällt, ist besonders vor dem histo-rischen Hintergrund schade, dass der 2. Weltkrieg vor 75 Jahren beendet wurde. Das Libori-Motto im Jahr 2020 „et in terra pax“ - „Und Friede auf Erden“ verdeutlicht dieses historische Jubiläum. Das Friedensmotto ist besonders passend, da Libori normalerweise Begegnungsstätte internatio-naler Freundschaften und Städtepartnerschaften ist. Besonders die Freundschaft zwischen Frank-reich und Deutschland hat ihre Wurzeln in Paderborn.

Die französiche Stadt Le Mans ist seit 1967 offizielle Partnerstadt von Paderborn – 2017 feierten die Städte an Libori also ihre 50-jährige Freundschaft. Der Autor, ehemalige Schulleiter, Forscher und Mitglied der St. Liborius-Fraternität, Gereon Fritz aus Brilon gilt als Held der Städtepartner-schaft zwischen Le Mans und Paderborn. 1977 veröffentlichte er bereits ein Werk, in dem er die Geschichte der Städtepartnerschaft erläutert.

Zum 50-jährigen Jubiläum veröffentlichte er gemein-sam mit dem Rotary Club Paderborn das Werk „Confraternitas Caritatis Perpetua“ zu Deutsch „Liebesbund ewiger Freundschaft“, in dem er die Geschichte der Freundschaft beider Städte auf-gearbeitet hat. Dort heißt es: „Wenn auch die Städtepartnerschaft selbst erst fünfzig Jahre alt wird, so darf mit Recht gesagt werden, dass sie erwachsen ist aus der „confraternitas caritatis perpetua“ des Jahres 836, da die Gebeine des hl. Liborius von der Sarthe an die Pader übertragen wurden, und es sich somit um die älteste Partnerschaft in Europa handelt.“ (Fritz 2017: 6).

Nach dem 2. Weltkrieg wurden in den 1950er Jahren die kirchlichen Kontakte zwischen Geistli-chen beider Städte durch gegenseitige Besuche beim Juliansfest in Le Mans und beim Libori-Fest in Paderborn intensiviert (vgl. Fritz 2017: 77). In den 1950er Jahren kam es zu den ersten Begeg-nungen zwischen französischen und deutschen Jugendlichen: „1953 fuhren 25 Dekanatsjugend-führer des Erzbstums Paderborn nach Le Mans und nahmen Kontakt mit ihren dortigen Partnern auf. Seit dieser Zeit fand in wenigstens zweijährigem Turnus ein reger, aber auch spontan durch-geführter Jugendaustausch statt. Zahlreiche Gemeinden des Erzbistums folgten und führten Be-gegnungen mit den katholischen Jugendorganisationen der Diözese Le Mans und verschiedenen Gemeindegruppen der Sarthe durch.“ (Fritz 2017: 77f.)

Deutsch-französische Begegnung beim Fest im Jahr 2018.
Deutsch-französische Begegnung beim Fest im Jahr 2018.

Sprachliche Barrieren? Heute nicht mehr!

Auch wenn aufgrund der allgemeinen Einschränkungen durch Corona in diesem Jahr nicht alles so stattfinden kann wie geplant, ist die internationale Jugenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland auch heute noch von großer Bedeutung. Besonders durch die Deutsch-Französische Sankt Liborius-Fraternität werden regelmäßige Besuche zwischen den Städten organisiert.

Anfang dieses Jahres – bevor es zu Einschränkungen durch Corona kam – konnte die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg des Diözesanverbandes Paderborn (DSPG) mit einem Pfadfinder-Expeditionsteam und ihrem Diözesankuraten Tobias Hasselmeyer die deutsch-französische Freundschaft zwischen Le Mans und Paderborn feiern. „Eigentlich hätte es zum Libori-Fest einen Gegenbesuch der Jugendgruppe der Liborius-Fraternität geben sollen, aber da wird – wenn überhaupt - nur eine kleine Abordnung kommen können. Das ist natürlich sehr schade, da wir gerade erst dabei waren, die bestehende Städtepartnerschaft und Freundschaft auch für die Pfadfindergruppen zu nutzen, um auch hier eine Verbindung zu schaffen“, erzählt Tobias Hasselmeyer.

Tobias Hasselmeyer, Diözesankurat der Pfadfinder.
Tobias Hasselmeyer, Diözesankurat der Pfadfinder.

Für den Priester sind internationale Freundschaften und Ausflüge in andere Länder von großem Wert für junge Menschen: „Es gibt Klischees über andere Länder – in England schmeckt das Es-sen nicht, die Franzosen sind etepetete. Durch einen Austausch kann man diese Klischees für sich überprüfen und eigene Eindrücke sammeln. Was früher vielleicht durch sprachliche Barrieren schwierig war, ist heute leichter: Kinder wachsen schon früh mit Englisch auf, durch das Internet schwinden Grenzen. Aber dennoch haben Reisen einen Abenteuer-Charakter. Das fördert Kinder und Jugendliche. Sie können ihre eigenen Erfahrungen sammeln und an dem Unbekannten wachsen“, erklärt der Vikar, der sich weiter für eine Verbindung zwischen Pfadfindern in Le Mans und dem Erzbistum Paderborn einsetzen will.

Hoffnung auf 2021

Selbst wenn in diesem Jahr alles distanzierter und einfach „anders“ ist, können wir auch daraus etwas für die Zukunft mitnehmen – Wertschätzung. Wertschätzung für schöne Momente, die man gemeinsam mit geliebten Menschen verbringt, Momente, in denen man gemeinsam lacht, weint und Feste feiert. Solche Momente gab es mit Sicherheit reichlich auf Festen wie Libori.

Wir können uns also auf die Zeit nach Corona freuen, wenn die Zeiten von „Abstand halten“ vorbei sind. Bis dahin müssen wir Freundschaften nun mal anders und etwas distanziert pflegen. Das ist in einem digitalen Zeitalter auch gut möglich.

Wir können nur hoffen, dass das Jahr 2021 und auch das Libori-Fest im nächsten Jahr unter dem Zeichen der Wiedersehensfreude steht und dass wir dann Momente, die wir in diesem Jahr nicht erleben, mehr wertschätzen.

Mix