10.06.2026
LIFESTYLE

Die Jugend ausleben – aber wie?

Levinia Stark über die Suche nach Sinn, einen Glauben, der trägt und Partys, die sie um Mitternacht verlässt

von Tobias Schulte

Levinia Stark kennt diese Frage auf Partys: Wie, du trinkst keinen Alkohol? Manchmal kommen dann Sprüche. Manchmal nur ein Stirnrunzeln. Und manchmal dieser Satz: „Du lebst dein Leben ja gar nicht richtig aus.“

Doch was heißt es überhaupt, seine Jugend auszuleben?

Levinia ist 17 Jahre alt und wohnt in Lippstadt. Sie geht auf Partys, tanzt in der Karnevalszeit in der Tanzgarde, ist gern unterwegs mit Freundinnen und Freunden. Die Jugend ausleben heißt für sie erst einmal: Spaß haben. Neue Menschen kennenlernen. Sich etwas trauen. Aber auch der Glaube an Gott gehört dazu. Weil er sie erfüllt.

»Ich kriege auch schon den ein oder anderen komischen Blick. Oder Leute fragen mich: Findest du das nicht voll langweilig?«

Levinia Stark
darüber, dass sie keinen Alkohol trinkt

Levinia will ihre Jugend nicht verpassen. Sie will sie erleben. Aber sie merkt auch: Nicht alles, was anderen wichtig ist, fühlt sich für sie richtig an. Seitdem sie in der Fastenzeit 2025 festgestellt hat, dass es ihr gut tut, auf Alkohol zu verzichten, trinkt sie nicht mehr.

Sie fährt nicht mit ihren Freundinnen und Freunden nach Lloret de Mar in den Partyurlaub. Zum Vortrinken bringt sie sich eine Cola mit. Auf Geburtstagen ist sie gern dabei, aber oft nicht bis tief in die Nacht. Oft geht sie um Mitternacht nach Hause, damit sie sonntags in die Kirche kann.

„Manchmal fühle ich mich dann nicht so zugehörig“, sagt Levinia. „Ich kriege auch schon den ein oder anderen komischen Blick. Oder Leute fragen mich: Findest du das nicht voll langweilig?“

Was, wenn Verzicht kein Verlust ist?

„Ab und zu frage ich mich auch, ob ich etwas verpasse“, sagt Levinia. „Aber dann frage ich mich: Was verpasse ich denn wirklich? Das schon wieder einer in die Ecke kotzt?“

Levinia will nicht mitmachen, um dazuzugehören. Sie will herausfinden, was ihr wirklich guttut. Sie sagt: „Ich glaube, für viele andere geht’s in der Jugend darum, lange auf Partys zu bleiben, zu trinken und zu rauchen.“ Ihr geht es um etwas anderes. 

Sie sagt: „Es ist eine andere Art von Erfüllung, bis vier Uhr nachts Bacardi-Mischen zu trinken oder sonntags in den Gottesdienst zu gehen. Mich erfüllt halt Gott.“

Ein Glaube, der für sie persönlich wurde

»Durch die Gemeinschaft wurde mir bewusst: Gott begegnet uns nicht nur im Gebet, sondern auch durch die Menschen, die er uns ins Leben schickt.«

Levinia Stark

Dass Levinia sich von Gott erfüllt fühlt, war lange nicht so. Sie ist katholisch aufgewachsen, hatte aber keine enge Beziehung zu Gott. Das hat sich durch die Firmvorbereitung geändert.

Entscheidend war ein Alpha-Kurs, bei dem sie mit Freundinnen und Freunden über Gott und die großen Fragen des Lebens gesprochen hat.
Sie erzählt: „Im Alpha-Kurs habe ich gemerkt, dass Gott für mich durch die Gemeinschaft mit den anderen da war." Anfangs war es ungewohnt, so offen über meinen Glauben zu sprechen. 

Manchmal reagieren ja nicht alle positiv darauf. Doch dort hatte ich das Gefühl, dass Gott mir Menschen geschickt hat, mit denen ich meinen Glauben teilen kann. Alle wurden so angenommen, wie sie sind. Man konnte offen sprechen, ohne verurteilt zu werden.“

Besonders schön fand sie, dass in der Gruppe alle gut zugehört und sich gegenseitig ermutigt haben. Sie sagt: „Dabei habe ich gemerkt, dass Gott oft durch andere Menschen wirkt. Durch die Gemeinschaft wurde mir bewusst: Gott begegnet uns nicht nur im Gebet, sondern auch durch die Menschen, die er uns ins Leben schickt.“

Was ihr Glaube im Alltag verändert

An Gott zu glauben, heißt für Levinia vor allem zweierlei: Vertrauen und Motivation.

Vertrauen, weil der Glaube ihr Ruhe gibt. Sie glaubt, dass Gott bei ihr ist. Dass er einen Plan für sie hat, auch wenn nicht immer alles leicht ist. Dass sie mit ihm über alles sprechen kann.

Motivation, weil sie ihre Zeit sinnvoll nutzen möchte. Sie sagt: „Wenn ich morgens aufwache, denke ich mir: Okay, Gott hat mir einen neuen Tag gegeben, also möchte ich das Beste daraus machen. Wenn ich abends ins Bett gehe, finde ich es wichtig, dass ich etwas gemacht habe, was mich erfüllt und mich oder andere weitergebracht hat.“

Sie versucht, ihren Eltern zu helfen, wenn sie gestresst wirken. Sie hört einer guten Freundin zu, wenn es der schlecht geht. Sie gibt nach der Schule Nachhilfe.

Levinia erlebt: Wer anderen Gutes tut, für den wird auch das eigene Leben schöner.
Sie sagt: „Wenn ich zum Beispiel einen schlechten Tag in der Schule hatte und mir dann ein Nachhilfekind erzählt, dass es eine Eins in dem Test hatte, für den wir gelernt haben, dann denke ich: Okay, läuft bei mir.“

Wenn alles zu viel wird

Durch ihr Engagement erlebt Levinia aber auch eine andere Seite der Jugend, und die klingt nicht nach Spaß und Freiheit: die eigenen Grenzen.

Sie merkt immer wieder, dass ihr alles zu viel wird: Schule, Nachhilfe, Kirche, Tanzen, Sport, Fahrschule. Alles ist für sich genommen wichtig und sinnvoll. „Aber wenn ich zu viele Aufgaben auf einmal habe, dann fühle ich mich schnell überfordert“, sagt sie.

Dann wird sie reizbarer. Eckt schneller mit ihren Eltern an. Zum Beispiel, wenn es darum geht, dass sie auch noch im Haushalt etwas übernehmen soll oder wie lange sie am Wochenende unterwegs sein darf.

Auch das gehört für Levinia zum Erwachsenwerden: zu merken, wann sie eine Pause braucht. Zu lernen, dass Verantwortung nicht nur schön ist, sondern auch fordert. Und dass sie nicht alles gleichzeitig schaffen muss.

Was bedeutet es, die Jugend auszuleben? Vielleicht lautet Levinias Antwort: nicht alles mitmachen, was andere normal finden. Sondern herausfinden, was einen wirklich erfüllt.

Für sie gehören Partys dazu. Freundschaften. Tanzen. Lachen. Neue Leute kennenlernen. Aber auch Gott, Gottesdienst, in der Bibel lesen und Gespräche über den Glauben. Und manchmal die Entscheidung, schon um Mitternacht nach Hause zu gehen.

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