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01.04.2021

Holy Heroes 2021

Die Waffe der Liebe

Holy Hero April: Katharina von Siena

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von Miriam Pawlak

Ich mag es, andere Leute zu flashen. Deshalb sage ich eins über mich vorab: Ich und meine Zwillingsschwester, wir sind die zweitjüngsten von 25 Kindern. Da kannst du nicht mithalten, oder?

In meiner Familie hatte ich eine Lieblingsschwester. Als sie verstarb, war ich 15 Jahre alt. Damals hatte meine Mutter natürlich schon längst den perfekten Heiratspartner für mich ausgesucht, aber den wollte ich nicht. Ich wollte überhaupt nicht heiraten. Dieses ganze Vorgefertigte und geregelte Getue fand ich sowieso schon immer blöd. Wieso sollte ich nicht selbst entscheiden dürfen, wohin mein Weg führt? Du hast es im 21. Jahrhundert wahrscheinlich viel einfacher.


Jedenfalls habe ich mir aus Protest meine Haare abgeschnitten, sodass meine Mutter von ihrem Heirats-Traum für mich absehen musste. Ich konnte meinen Weg gehen – und trat dem dritten Orden des Heiligen Dominikus bei.

Freundschaft mit Jesus

Mit 19 habe ich so eine Art intime Freundschaft mit Jesus geschlossen, um nicht zu sagen, mich an ihn gebunden. Das symbolisiert mein übertrieben schöner Ring am Finger. Du kannst mich auch als geweihte Jungfrau bezeichnen, das ist nämlich der offizielle Ausdruck dafür. Mich verband seit meiner Christusvision, die ich mit sechs Jahren hatte, eine tiefgründige Liebe zu Christus. Ich habe schon früh ein Kloster gegründet. Dort bin ich aber fast nie gewesen.

Ich mischte mich viel lieber in politische, gesellschaftliche und theologische Themen ein und reiste viel. Ich versuchte, den Frieden in Europa sicherzustellen. Der wurde nämlich durch einen Konflikt zwischen dem päpstlichen Hof in Avignon und dem deutschen Kaiser gefährdet. Die Unruhe entstand grob gesagt, da der geistliche Stand langsam aber sicher auch in Frankreich, Italien und den anderen Ländern Europas seine Würde und Authentizität verlor. Dabei war der Kirchenstaat zu meiner Zeit die größte europäische Geldmacht – und viele wussten, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Katharina von Siena

Ich wollte das Ganze wieder ins rechte Licht rücken und reiste dafür mit Bischöfen zu den Obrigkeiten. Aber irgendwie scheinen die mich (vielleicht aufgrund meiner Naivität) nicht ganz ernst genommen zu haben.

Auch wenn sich mir viele Frauen und Männer angeschlossen haben, weil sie gemerkt haben, dass meine Gebete Kranke heilen, hatte ich oftmals zu wenig Rückendeckung von den richtig wichtigen Personen der Gesellschaft: Päpste und Kaiser. Ist es etwa unangebracht fünfmal „ich will“ in einem Brief an Autoritäten der Kirche zu schreiben? Oder Machthabern ins Gesicht zu sagen, dass sie ihres Amtes unwürdig sind?

Die Frau in der Politik

Zudem bin ich auch noch eine Frau. Von Gendergerechtigkeit oder Feminismus haben die Herren damals ja gar keinen blassen Schimmer gehabt. Also kämpfte ich zierliches Figürchen so gut ich konnte – und wenn es sein musste eben allein – um den ersehnten Frieden. Obwohl ich oft am kränkeln war, hatte ich trotzdem immer Energiereserven, durch die ich rastlos meine Wege gehen konnte. Ich entdeckte vor allem das Briefeschreiben für mich. Knapp 400 davon sind noch heute erhalten.

In Sachen Politik fühlte ich mich als Mediatorin, denn ich wollte unbedingt Versöhnung zwischen allen streitenden Parteien erlangen. Manche Erfolge kann ich mir Gott sei Dank zuschreiben. Trotzdem: Wenn mir etwas nicht gelang, dann habe ich Angst gehabt, Schuld am Versagen der Kirche zu haben. Freiwillig geißelte ich meinen Körper dafür und fastete andauernd. Am liebsten hätte ich das Martyrium in Jerusalem erlitten. Aber eins sage ich dir: Wenn du für Frieden du Gerechtigkeit kämpfst, dann tu es aus ganzem Herzen. Lass dich nicht beirren. Solange es um Gottes willen geschieht, kämpfe mit der Waffe der Liebe.

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