Diese Zwölftklässler der Schule der Brede betreuen den Ecostore zusammen mit ihren Lehrern Boris Hartmann (1.v.l.) und Anne Katrin Frischemeier (2.v.r.)
20.02.2020

Perspektive

Das eigene, grüne Unternehmen

An den Schulen der Brede steht Nachhaltigkeit im Fokus

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von Till Kupitz

Plastikfrei einkaufen in einem Unverpacktladen. Öfters mal auf Fleisch verzichten und regional produzierte Lebensmittel essen. Klamotten aus dem Second-Hand-Geschäft wählen. Und und und.


Nachhaltigkeit kann heutzutage viele Gesichter haben. Einen ganz besonderen Weg gehen Viktoria Böker, Arzum Kahya und Elisabeth Dohmann gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern an den Schulen der Brede in Brakel im Kreis Höxter: Sie betreiben einen kleinen Umweltladen direkt in der Schule - und der ist sogar Unterrichtsinhalt.

Das Logo der eigenen Pullover, hier vor dem Aufdrucken.

Den Laden gibt es schon einige Jahre an den Brede-Schulen. Stifte, Hefte, Kaffeebecher und neuerdings sogar selbstbedruckte Pullover – hier finden Schüler alles, was sie so brauchen. Seit Ende 2018 ist der Ecostore komplett in Schülerhand. Unterstützt von der Vereinigten Volksbank rief man eine Schülergenossenschaft ins Leben und ist seitdem voll professionell aufgestellt. Die jungen Erwachsenen führen das Geschäft in Eigenregie, wie ein richtiges Unternehmen.

"Wir sind quasi ein selbstorganisierter kleiner Laden mit Produkten, die wir eigenständig einkaufen, teilweise selbst bedrucken und weiterverkaufen", beschreibt es Viktoria. Oft wird darüber gesprochen, dass der Jugend mehr Verantwortung geschenkt werden soll. Hier wird es gemacht.

Ecostore auf dem Stundenplan

Auf dem Weg zum Abitur mit Schwerpunkt Wirtschaft können Zwölftklässler zu Beginn des Schuljahres nun wählen: Business English – oder eben die Mitarbeit im sogenannten "Ecostore“. Für Viktoria, Arzum und Elisabeth stand schnell fest: Anderthalb Schulstunden pro Woche soll der Umweltladen ihr Thema sein. "Anfangs dachte ich, dass das auch eine ganz entspannte Sache wird", erklärt Elisabeth. Ihr Blick sagt aber, dass es ganz anders kam. "Im Ecostore gibt es immer irgendwas zu tun", ergänzt die 18-jährige Arzum.

Elisabeth (von links), Viktoria und Arzum im Ecostore

In Teams aufgeteilt kümmern sich die Schülerinnen und Schüler um Vertrieb, Buchhaltung, Produktion, Marketing und Einkauf. Überall lauern immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen. Sind Farben rechtzeitig bestellt, Lieferscheine ordnungsgemäß kontrolliert und alle Rechnungen bezahlt? Tauchen Probleme auf, werden die im Unterricht zusammen mit Lehrer Boris Hartmann und Lehrerin Anne Katrin Frischemeier besprochen. Sie betreuen die Schülergenossenschaft und versuchen gemeinsam mit den Schülern, neue Ideen für den Ecostore zu entwickeln. Insgesamt 18 junge Erwachsene kümmern sich in diesem Schuljahr um das Geschäft.

In katholischer Trägerschaft

Die Bündelschule "Schulen der Brede" in Brakel ist eine kirchliche Privatschule in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn. Sie vereint Gymnasium, Realschule und Berufskolleg unter einem Dach.

Insgesamt sind 21 Schulen in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn. Dort arbeiten etwa 890 Lehrerinnen und Lehrer und betreuen circa 12 000 Schülerinnen und Schüler.

Neben der Vermittlung von Wissen liegt der Fokus vor allem auch auf der Entwicklung der Persönlichkeit auf der Basis der christlichen Werte.

Schwarz auf schwarz - dieser Druck kommt bei den Schülern gut an.

Bei jungen Leuten wie Viktoria, Arzum und Elisabeth kommt das sichtlich gut an. Sie haben noch viele Ideen, wie zum Beispiel das Entwerfen eigener Abschlusspullover, die sie umsetzen wollen. „Es ist cool, durch den Ecostore in ein kleines Unternehmen reinzuschnuppern und alles direkt anzuwenden, was man gerade gelernt hat“, sagt Viktoria. Was für sie und alle anderen ganz wichtig ist: nachhaltig sein.

Auch kleine Dinge können was bewirken

Wer mit den jungen Menschen aus dem Umweltladen der Brede-Schulen redet, merkt, dass Nachhaltigkeit ein bestimmendes Thema ist. Elisabeth beispielsweise versucht auch privat, wenn möglich immer Plastikmüll zu vermeiden. Viktoria baut mit ihrer Familie viel Gemüse selbst an. Die Schülerinnen sind ein gutes Beispiel dafür, dass junge Leute heutzutage nicht nur „einfach so“ auf die Straße gehen und für eine bessere Klimapolitik demonstrieren. Sie leben privat – und hier an der Schule – bereits das vor, was die Köpfe aller Menschen vordringen soll. „Uns macht das hier viel Spaß“, sagt Viktoria. "Wir wollen Verantwortungen übernehmen und mit gutem Beispiel vorangehen. Das ist wichtig."

Die fertigen Klamotten zum Verkauf

Die meisten Produkte des Umweltladens würden von lokalen Zulieferern bestellt, erklärt Anne Katrin Frischemeier. So spare man erstens Transportkosten und zweitens unnötigen Verpackungsmüll. Denn die Schüler holen die Waren selbst ab und bestellen auch immer nur so viel, wie eben benötigt wird. Einmal am Tag, in der großen Pause, hat der Ecostore für alle Schüler der Brede-Schulen geöffnet. Auf wenigen Quadratmetern ballen sich hier bedruckte Pullover und Schulmaterialien. Mit einer eigenen Presse kann das eigene Logo schnell auf die Klamotten gedruckt werden. Etwa zehn bis 15 Pullover werden im Monat verkauft, sagt Arzum.

Auch der Gewinn aus dem Geschäft wird zuletzt nachhaltig eingesetzt: Mit dem Geld soll ein Insektenhotel finanziert werden. Wenn alle über Nachhaltigkeit sprechen, können am Ende auch kleine Projekte wie der Ecostore einen Unterschied machen und Vorbild sein.

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