Über die Porträt-Reihe
12 junge Gebetsgemeinschaften und Glaubensinitiativen aus dem Erzbistum Paderborn schließen sich im Jahr 2026 dem Weltweiten Gebetsnetzwerk des Papstes an. Sie beten für die Anliegen, die der Heilige Vater monatlich in den Fokus rückt. Hier stellen wir die jungen Menschen des Gebetsnetzwerks vor.
Im Januar: Alina von Germeten von Nightfever Siegen. Ihr Gebetsanliegen: Für das Gebet mit dem Wort Gottes.
Viele bunte VW-Bullis stehen und hängen überall in Alinas Wohnung. Als kleine Figuren im Regal, als Bilder an der Wand, als Postkarten am Kühlschrank. Sie erzählen von guter Laune, Fernweh und der Lust auf Abenteuer.
Zwischen all den bunten Bullis fällt in ihrer Wohnung ein ganz anderes Deko-Accessoire ins Auge. Ein Bilderrahmen mit dem Bibelvers:
»Sei mutig und stark! Fürchte dich also nicht und hab keine Angst; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wo du unterwegs bist.«
Josua 1,9
Es ist Alinas Lieblingsbibelvers. Vor allem in Momenten, in denen sie sich schwach fühlt.
Sie sagt: „Diese Zusage, dass Gott immer da ist, ist wie ein Anker für mich“. Wenn alles leicht läuft und es viele Gründe für Dankbarkeit gibt, fällt es nicht schwer, Gottes Nähe zu spüren. Doch gerade in herausfordernden Zeiten helfen Alina Bibelverse wie dieser, sich an Gottes Versprechen zu erinnern – und nicht den Mut zu verlieren.
Zwischen der Arbeit im Büro, Freizeit mit den Freunden und ihrem Engagement in der Gemeinde prägt das Gebet Alinas Alltag. Sie spricht mit Jesus wie mit einem Freund, bringt ihm ihre Gedanken, Fragen und Gefühle.
Dafür setzt sie sich gerne in eine stille Kirche. „Da bin ich nicht abgelenkt“, erklärt sie. „Da ist klar: Diese Zeit ist jetzt für Jesus reserviert. Ich muss nichts verstecken und mich nicht verstellen.“
Verschiedene Veranstaltungen und geistliche Angebote haben Alinas Glauben über die Jahre vertieft. Gemeinsam Lobpreis machen, Erfahrungen teilen, füreinander beten – all das gibt ihr Kraft. „Ich fühle mich dann als Teil einer großen Familie“, sagt sie. Und: „Wenn Menschen mir sagen, dass sie für mich beten, ist das wie ein Netz, das sie spannen, um mich aufzufangen. Ich weiß dann: Ich bin nicht allein.“
Umgekehrt betet sie selbst gern für andere. Gerade angesichts von Leid und Sorgen auf der Welt und in ihrem Umfeld fühlt sie sich manchmal hilflos. „Ich würde dann gerne mehr tun“, sagt sie ehrlich. „Aber wenn meine Möglichkeiten begrenzt sind, bleibt mir immer das Gebet – und das Vertrauen, dass Gott hört und weiß, was das Beste ist.“
Diese Erfahrung von Gebetsgemeinschaft macht Alina auch im Nightfever-Team in Siegen, das sie seit gut einem Jahr leitet. Nightfever ist eine Initiative junger Christinnen und Christen, die einen Raum schaffen wollen, in dem die Liebe und Barmherzigkeit Jesu erfahrbar werden.
Jeder Nightfever-Abend beginnt mit der Heiligen Messe. Danach bleibt die Kirche für mehrere Stunden geöffnet – mit eucharistischer Anbetung, Musik und Kerzenlicht. Passantinnen und Passanten aus der Altstadt werden eingeladen oder bleiben neugierig stehen, angelockt von Live-Musik und der besonderen Atmosphäre. „Die kerzenbeleuchtete Kirche berührt viele Menschen“, sagt Alina. „Sie kommen zur Ruhe, begegnen sich selbst – und vielleicht auch Gott.“
Aus einem kleinen Körbchen können alle bei Nightfever Bibelverse ziehen. Alina hat dabei schon oft erlebt, dass der Vers genau in ihre aktuelle Lebenssituation hineinspricht. Über 500 verschiedene Verse befinden sich in dem Körbchen. „Man könnte denken, die ausgewählten Verse passen irgendwie immer“, meint Alina schmunzelnd. „Aber manchmal staune ich einfach, wie sehr Gott um meine Situation zu wissen scheint – und kann nur danken.“
Oft behält sie den gezogenen Zettel bei sich: als Ermutigung, als Erinnerung oder um nach und nach zu entdecken, was der Vers ihr sagen will. „Nicht jede Bibelstelle verstehe ich sofort“, gibt sie zu. „Aber das ist auch nicht der Anspruch. Manchmal steckt in einem einzigen Vers unglaublich viel. Und ich entdecke immer wieder Neues.“
Bei Nightfever steht für das Team Jesus selbst im Mittelpunkt, gegenwärtig in dem gewandelten Stück Brot in der Monstranz auf dem Altar. Junge und alte Menschen knien davor nieder und beten Jesus an. Für manche Gäste ist das ein ungewohnter Anblick, der Fragen aufwirft. Andere werden tiefer berührt, als sie es erwartet hätten. Es gibt Raum für Gespräche mit jungen Teamern, für seelsorgliche Begegnungen, für das Sakrament der Versöhnung – oder einfach zum Dasein.
„Viele Menschen, die sonst nie in die Kirche gehen, zünden trotzdem eine Kerze an“, beobachtet Alina. „Dieses Zeichen versteht jeder. Ich zünde ein Licht an für jemanden, der mir am Herzen liegt. Als Dank oder als Bitte. Vielleicht für etwas, für das mir die Worte fehlen.“
Auch Musik spielt in Alinas Glaubensleben eine wichtige Rolle. Mit ihrer Gitarre und ihrem Gesang wird die Musik für sie selbst und für andere zum Gebet. Bei Nightfever baut sie mit Lobpreisliedern für die Menschen Brücken zu Jesus. Viele der Lieder basieren auf biblischen Texten. „Wenn ich Bibelverse singe oder in Liedern höre, dann gehen sie tiefer“, erzählt Alina. „Ich verinnerliche sie. Und dann passiert es, dass mir im Alltag plötzlich der passende Vers als Ohrwurm in den Sinn kommt.“ Für Alina ist das ein Zeichen dafür, dass Gottes Wort lebendig ist – und mitgeht. Überall, wo sie unterwegs ist.