Ein Zeichen der Solidarität
15.06.2013

Ein Zeichen der Solidarität

So schlimm hätten sie es sich nicht vorgestellt. Meret Linn und Sabrina Koinzer stehen in Gummistiefel und mit dreckverschmierten Armen auf dem Hof von Vitopia, einem kleinen Begegnungszentrum an der Elbe im Magdeburger Stadtteil Herrenkrug. „Es ist schon ziemlich viel Wasser.“ Die 15- und 16-jährigen Mädchen aus Lennestadt im Erzbistum Paderborn haben sich spontan in ihrer Schule gemeldet, im Rahmen der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Hochwasserregion mitzuhelfen. „Wenn so etwas passiert, hätte doch jeder gerne Hilfe und viele Helfer“, meinen die beiden.

Ihr Religionslehrer Andreas Stein hat im Maria-Königin-Gymnasium in Lennestadt dazu aufgerufen, zur 72-Stunden-Aktion auch eine Gruppe ins Flutgebiet zu entsenden. 27 Schüler von der zehnten Klasse aufwärts haben sich gemeldet und sind mit ihm am Donnerstag in Richtung Magdeburg aufgebrochen. Die Gruppe ist im Musikraum einer Schule untergebracht. „Ich freue mich, dass so viele Schülerinnen und Schüler bereit waren, mitzukommen. Selbst ehemalige Schüler sind dabei“, meint Stein. Gruppen aus Mainz, Paderborn und Köln Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken aus Paderborn, Monsignore Georg Austen, zeigte sich bei seinem Besuch in Magdeburg beeindruckt von den katholischen Jugendgruppen aus ganz Deutschland. Mehr als 500 Jugendliche sind dem Aufruf des BDKJ gefolgt. Dank der finanziellen Unterstützung durch das Bonifatiuswerk wurde das Engagement im Rahmen der 72-Stunden-Aktion erst möglich. „Wir freuen uns über das großartige Zeichen der Solidarität und das besondere Beispiel gelebter Nächstenliebe gegenüber den Menschen hier in den Hochwassergebieten.“ Er bedankte sich bei den Verantwortlichen des BDKJ im Bistum Magdeburg, die den Hilfseinsatz spontan und selbstlos organisierten.

„Wir sind hier in der Diaspora nur ein kleines Team“, sagte Nikola Deschauer, Jugendbildungsreferentin im Bistum Magdeburg, „und das Hochwasser und seine Auswirkungen waren schwer prognostizierbar.“ So seien, meint Deschauer, die Einsatzorte für die Hilfsgruppen nur sehr kurzfristig planbar gewesen. „Die meisten Gruppen sind in Delitzsch, Wittenberg, Dessau und Magdeburg aktiv.“

Jonas Schuler watet durch das Wasser der Elbe, das im Hof von Vitopia kniehoch steht, und hilft beim entrümpeln, der geschädigten Gebäude. Gemeinsam ist der 14-Jährige heute Morgen mit der Gruppe der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) aus Dittelsheim-Heßloch im Bistum Mainz eingetroffen. „Es ist ganz cool, den Menschen hier zu helfen“, ist er überzeugt. Mitten in der Nacht erreichte Bärbel Günter über Facebook der Aufruf des BDKJ, im Rahmen der 72-Stunden-Aktion ins Hochwassergebiet zu fahren. Sofort kontaktierte die 20-Jährige ihre Freundinnen und Freunde von der KLJB. „Um acht Uhr früh war alles klar, nur ich konnte noch niemand in Magdeburg erreichen.“ Insgesamt sind zehn Jugendliche zwischen 13 und 26 Jahren dem Aufruf von Bärbel Günter gefolgt.

Auch Sarah Gillenkirch erreichte der Aufruf des BDKJ über Facebook. Die 25jährige Kölnerin wollte sofort helfen, erzählt die Theologiestudentin. Ihr fehlte jedoch eine Gruppe. Nach einer Anfrage in Magdeburg schloss sie sich der Jugend aus Rösrath an. Von dort machten sich 35 Jugendliche von KLJB, Kolping und Messdienern auf nach Magdeburg und nahmen Gillenkirch mit. Nun fährt sie eine Schuppkarre nach der anderen durch das Wasser und entrümpelt die überflutete Scheune des „Anders-Leben-Projektes“ Vitopia. „Wir helfen spontan und packen über all dort mit an, wo wir gebraucht werden“, so die Theologiestudentin. Solidarisches Zeichen für die Diaspora Monsignore Austen sieht im Einsatz der katholischen Jugendlichen eine besondere Ermutigung für die Katholiken vor Ort, die in Sachsen-Anhalt in der Diaspora leben. „Weniger als fünf Prozent der Bevölkerung sind hier in der Region katholisch.“ Besonders jungen Menschen fehle oftmals die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen, die aus demselben Glauben heraus handeln. „Die 72-Stunden-Aktion und die Solidarität in der Fluthilfe können in dieser Lebenssituation Neues entstehen lassen und die Jugendlichen hier in der Diaspora im Glauben stärken“, hofft Monsignore Austen. Dem pflichtet Lisi Meier, Bundesvorsitzende des BDKJ bei. Sie besuchte mit dem Generalsekretär das Fluthilfeprojekt in Magdeburg: „Die vielen Gruppen aus ganz Deutschland zeigen mit der Solidaritätsaktion den katholischen Jugendlichen hier in der Diaspora: ihr seit nicht allein. Im BDKJ sind wir ganz, ganz viele. Ihr glaubt nicht allein“.

Meret und Sabrina bleiben bis Sonntag in Magdeburg. „Dann endet die 72-Stunden-Aktion und wir müssen zurück“, bedauern dies die beiden ein wenig. Denn sie wissen, wenn das Wasser abgelaufen ist, treten die Folgen der Zerstörung durch das Hochwasser so richtig zu Tage. „Dann darf die Hilfe der Menschen nicht aufhören.“ Monsignore Austen sieht dies genauso. „Auch viele Einrichtungen der Kirche werden betroffen sein, Kindergärten, Kirchen, Gemeindehäuser.“ Das Bonifatiuswerk habe eine Soforthilfe von 100.000 Euro bereitgestellt. Die reiche sicher bei weitem nicht. „Wir sammeln weiter Spenden, um den Menschen und der Kirche hier vor Ort auch dann noch helfen zu können, wenn das Hochwasser aus den Medien längst verschwunden ist. Die kleine und finanzschwache Diaspora-Kirche in Ostdeutschland braucht die Solidarität aller Katholiken in Deutschland“, betont der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes zum Abschluss seines Besuchs in Magdeburg.

Um die Not nach der Hochwasserflut zu lindern, bittet der BDKJ gemeinsam mit dem Bonifatiuswerk um Spenden:

Bonifatiuswerk der deutschen KatholikenSpenden-Stichwort: FluthilfeKonto 10 000 100BLZ 472 603 07Bank für Kirche und Caritas

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