Ramona beim Workcamp
22.11.2017


Perspektive

EinBlick #1: Workcamps

In der Rubrik "EinBlick" berichten junge Menschen davon, was sie bewegt. 

Ramona Linder (27) lernt die Welt durch entwicklungspolitische Bildungsarbeit kennen

Von Laura Konieczny

„Ich leite in meiner Freizeit Workcamps der Kolping Jugendgemeinschaftsdienste (JGD). Diese Art zu Reisen ist für mich die greifbarste Art entwicklungspolitischer Bildungsarbeit. Man reist in einer Gruppe Gleichgesinnter für vier Wochen in ein Land und lernt dessen Kultur durch den gemeinsamen Alltag mit den Menschen vor Ort kennen. Gemeinsam arbeitet man an einem sozialen oder ökologischen Projekt und hat dabei Spaß.

»Ich bin nicht nur gereist. Ich bin mit offenen Augen und Ohren und offenem Mund durch die Welt gegangen.«

RAMONA (27)
darüber, wie die Erfahrung der Workcamps sie verändert haben

Meine Auslandsaufenthalte haben mein Leben geprägt. Ich bin nicht nur gereist. Ich bin mit offenen Augen und Ohren und offenem Mund durch die Welt gegangen. Ich habe Momente erlebt, die mich bereichert haben, von denen ich täglich zehre, habe Geschichten gehört, die mein Handeln beeinflussen, habe Situationen durchlebt, die mich haben wachsen lassen, habe Dinge gesehen, an denen ich verzweifelt bin, habe meine Komfortzone verlassen, um mir selbst mein Weltbild zu schmieden. Natürlich waren es vor allem die persönlichen Begegnungen, die mir gelehrt haben, wofür ich stehe und warum.

»Ich bin zur Weltbürgerin geworden - und mir über mein Privileg bewusst.«


Und ich hoffe, dass auch ich auf diesem Weg für Menschen ein Impuls war, um zu begreifen, was wir überkommen müssen, vor welchen Herausforderungen wir stehen und dass wir alle ein Stückchen mit bauen können an der Welt von morgen.  Ich bin zur Weltenbürgerin geworden und bin mir bewusst über das Privileg, über das ich verfüge. Noch ernster nehme ich meinen Auftrag, denn ich weiß, dass nur wenige Menschen das Glück haben, solche Erfahrungen zu machen, wie ich sie machen durfte. Mittlerweile arbeite ich als Referentin für Ehrenamt und Entwicklungszusammenarbeit beim Kolpingwerk Diözesanverband Paderborn.

Ramona beim Workcamp
Ramona beim Workcamp

Nach dem Abitur habe ich an einem Workcamp der Kolping JGD in Tlaxcalancingo, Mexiko teilgenommen und mit einheimischen Studierenden und Kindern zusammengearbeitet. Danach wollte ich selbst Teil dieses motivierten und motivierenden Teams sein. In den vergangenen Jahren habe ich in vielen verschiedenen Projekten mitgewirkt, unter anderem in einem Kindergarten in Lima, Peru, bei Renovierungsarbeiten einer Kirche und in einer Suppenküche in Los Angeles, USA, und mit einem Freiwilligendienst zwischen Bachelor- und Masterstudium in einem Costa-Ricanischen Dorf. Weil Begegnung keine Einbahnstraße ist, habe ich außerdem zwei Mal die Internationalen Jugendwochen geleitet, an denen jährlich deutsche Jugendliche aus den Partnerländern teilnehmen.

»Diese besondere Gruppenerfahrung bietet keine andere Form des Reisens.«


Jedes Workcamp ist anders, wie auch wir Menschen alle anders sind in unseren Erwartungen, Visionen und Handlungen. Genau das macht es für mich aus: Die Unterschiedlichkeit der Beteiligten, das Annehmen von Herausforderungen, das Arbeiten am Wir-Gefühl, die Überwindung von Kommunikationsschwierigkeiten,  Frust oder persönlichen Differenzen. Die Erfahrung als (internationale) Gruppe etwas zu erreichen, die prägenden, emotionalen Momente, die inhaltlich tiefe Auseinandersetzung mit Gastland, Aufgaben, Erwartungshaltungen, kulturellem, sozialem, politischem Kontext und nicht zuletzt mit sich selbst kann für mich keine andere Form des Reisens bieten.“

Mix

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