Auf eine Limo mit ...
31.07.2016

Auf eine Limo mit ...

... Laura Küstermeier

Erfrischung gefällig? Dieser Sommer ist spritzig. Denn wir geben einen aus. In den Sommerwochen trifft JUPA junge Menschen aus dem Erzbistum, die etwas zu erzählen haben. Der Treffpunkt wechselt, aber es gibt immer einen Drink dazu. Diese Woche: Auf eine Limo mit... Laura Küstermeier.


Von Marie Eickhoff

Die Einfahrt ist eng. Sie ist so eng, dass das Auto beim Einfahren fast die Hecke berührt. Laura Küstermeier hält die Haustür auf. Barfuß läuft sie durch den Eingang, mit Shorts und einem Haarknoten auf dem Kopf. "Ich brauche nicht so viel Schnickschnack." Das sagt sie über sich selbst. Dabei war sie ein Jahr lang Lehrerin für "Expressive arts" in Afrika. "Ich kann kreativ." Doch wenn es geht ist sie lieber pragmatisch und praktisch. Geredet wird am Küchentisch. Laura hat den Blick in den Garten und schüttet die Fassbrause ins Glas.

Ein Prosit der Gemütlichkeit: Marie Eickhoff von JUPA trifft Laura Küstermeier.

Bad Sassendorf ist ein Kurort. In der Umgebung wird er gern "Rentnerstaat" genannt, weil hier so viele alte Menschen wohnen. Laura fühlt sich seit 21 Jahren wohl hier. Denn hier lebt ihre Familie und hier ist ihre Gemeinde. Aber nach dem Abi hat sie sich in ein anderes Land verliebt. "Ich habe mein Herz in Malawi verloren." Malawi ist ein kleiner Staat in Südostafrika. Laura hat dort für ein Jahr bei Franziskanerinnen gewohnt. Als "Missionarin auf Zeit" hat sie dort gelebt und gearbeitet. Gemerkt hat sie in der Zeit, dass die Afrikaner wesentlich intensiver glauben und ihren Glauben stärker zeigen. So hat es sich zumindest für sie angefühlt.

"Da ist es aufgefallen, wenn jemand am Sonntag nicht in der Kirche war", erzählt Laura von ihren Beobachtungen in Afrika. "Ostern war der Wahnsinn. Da haben alle so krass gefeiert. Irgendwann standen sie in der Kirche auf den Bänken." Ihr Blick wandert immer weiter weg, je mehr sie aus Afrika erzählt. Auch im Alltag hat sie dort das Gottvertrauen der Menschen gespürt. "Bei jeder Minibusfahrt war Gott dabei." In den einfachen Minibussen habe oft ein Psalm als Aufkleber gehangen. Wenn Laura mit den Ordensfrauen unterwegs war, sei sogar im Bus gebetet worden. "Das war mir manchmal schon etwas viel." Denn Laura zweifelt zwischendurch. Ihr fällt es schwer, immer zu glauben, dass alles von Gott gewollt sei.
Trotzdem glaubt sie. "Wenn ich Sachen nicht verstehe, versuche ich eine Antwort zu finden. Das ist dann wie eine Auseinandersetzung mit mir und dann bin ich im Gespräch mit Gott." Sie guckt aus dem Fenster. "Manchmal bilde ich mir ein, dass er alles verstehen muss."

Die Gottesdienste in Malawi hat sie genossen. Eine halbe Stunde dauerte die Predigt dort meistens und die Sprache der Priester konnte Laura nicht verstehen. Aber das war nicht schlimm. "Im Gottesdienst konnte ich für mich sein." Das war besonders und hat die 21-Jährige fasziniert. Dann war sie ganz bei sich und hat zu Gott gebetet. Ob es diese Momente auch in ihrem deutschen Alltag gibt? "Die gibt es glaube ich nicht... nein."

Aquaball ist ein Mannschaftssport im Wasser. Laura ist mit den "Soester Haien" amtierende Deutsche Meisterin im Aquaball.

In diesem Haus wohnen Laura, ihr kleiner Bruder, ihre Eltern und ein Hund. Ihr großer Bruder ist ausgezogen und Laura wohnt innerhalb der Woche meistens in Münster. Da studiert sie Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule und fühlt sich sehr wohl. Trotzdem kommt sie regelmäßig zurück. Besonders gern zum Aquaball-Training. Das ist einmal pro Woche. Aquaball ist Lauras Leidenschaft. Seit neun Jahren macht sie diesen Wassersport und ist mit ihrer Mannschaft, den "Soester Haien", schon zum achten Mal deutsche Meisterin geworden. "Mir ist es nicht wichtig, die Beste zu sein. Das ist nie mein Ziel." Aber Laura ist zielstrebig und eine Kämpferin. "Das Wasser ist mein Element", sagt sie und lächelt. Sie liebt, dass im Wasser alle die gleichen Chancen haben, egal ob sie zum Beispiel übergewichtig sind oder nur ein Bein haben. Im Wasser fühlt sich Laura frei. Und: "Ich glaube, es ist Gott, der mich dazu bringt, dass ich es kann." Dafür ist sie dankbar.

Am Küchenschrank hängen gelbe Beutel mit schwarzen Mustern. Sie sehen sehr afrikanisch aus. Laura ist die einzige Afrika-Begeisterte in ihrer Familie. "Ich bin ein Zuhause-Mensch", sagt sie von sich. Zugleich hat sie Fernweh. Deshalb verdient sie Geld, um wieder reisen zu gehen. Dass ihre Brüder da anders ticken und sich Sorgen um sie machen, weiß sie. Trotzdem treibt ihre Sensucht sie an. "Das ist vielleicht egoistisch, doch da kann und will ich keine Rücksicht nehmen." Laura hat ein Lebensziel: Sie möchte alle 54 Länder Afrikas bereisen. In das erste hat sie sich schon verliebt.

Laura Küstermeier aus Bad Sassendorf.

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