Fremden Menschen den Weg zu Jesus zeigen?!
Fremden Menschen den Weg zu Jesus zeigen?!
19.07.2022

Faszination

Einladen

Bei Nightfever Kirche offen und einladend erleben

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von Laura Reuter

Wir sind gekommen, um IHN anzubeten (Mt 2,2) – das war das Motto des Weltjugendtags in Köln im Jahr 2005. Etwa eine Million junge Christinnen und Christen aus aller Welt feierten hier ihren Glauben. Sie konnten sehen und spüren, dass Kirche jung und lebendig ist. Aus dieser Erfahrung heraus entstand die Initiative Nightfever, die sich von Bonn aus inzwischen in mehr als 27 Länder ausgebreitet hat.

Junge Menschen gestalten Gebetsabende, bei denen Jesus im Mittelpunkt steht, und laden Menschen von der Straße ein, in der offenen Kirche vorbeizukommen. Für viele Leute eine Gelegenheit, Kirche und Gott ganz neu kennenzulernen. Einige besondere Elemente von Nightfever und persönliche Erfahrungen von jungen Menschen wollen wir in dieser Reihe vorstellen.

Jemanden missionieren zu wollen, scheint in unserer heutigen Gesellschaft fehl am Platz. Wenn ich mein Gegenüber nicht sagen, denken, glauben lasse, was sie oder er will, gelte ich als übergriffig und intolerant. Aber: Jesus selbst gibt uns den Auftrag, missionarisch zu leben. Das Gute, was wir selbst erfahren haben, mit anderen zu teilen. Und das scheint mir sehr wohl mit Toleranz vereinbar.

Bei Nightfever laden wir während der musikalisch gestalteten Anbetungszeit Leute auf der Straße in die Kirche ein. Immer zu zweit gehen wir durch die Altstadt. Nicht, um zu überreden oder zu diskutieren. Sondern um einzuladen.

Passanten einladen

Anfangs fiel es mir nicht leicht, Fremde anzusprechen und ihnen von Nightfever zu erzählen. Manchen kann man ansehen, dass sie andere Pläne für den Abend habe, als in eine Kirche zu gehen. Trotzdem spreche ich inzwischen jede und jeden an. Versuche nicht auf den ersten Blick zu urteilen.

Die wenigsten Leute rechnen damit, auf der Straße ein Teelicht geschenkt zu bekommen. Das baut eine erste Brücke und macht neugierig. Ich erzähle von der besonderen Atmosphäre bei Nightfever und von der Livemusik. Ich lade ein, in der Kirche einen Moment zur Ruhe zu kommen. Immer wieder spüre ich, dass sich Menschen genau danach sehnen. Auch die, die eigentlich nichts mit Kirche zu tun haben. Manche stellen Fragen. Sind verwundert, dass junge Leute mit Begeisterung in die katholische Kirche einladen. Manche lehnen das Teelicht ab oder stecken es wortlos in die Tasche.

Offene Kirche

"Ich bin willkommen!"

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Von Emily Klingspor

Es ist Freitagabend, ich stehe hier im nassen Wetter. Frust steigt in mir auf, schließlich war ich mit zwei Freunden für den verabredet. Erst als ich am Treffpunkt war, erreichte mich die Absage. Sofort frage ich mich, was ich nun stattdessen mache. Mein Bus kommt doch erst in 90 Minuten… Genervt entscheide ich mich, etwas durch die Altstadt zu schlendern.

Nach ein paar Metern sehe ich zwei junge Leute, die mich freundlich anlächeln.
Beide tragen einen schwarzen Kapuzenpulli mit roter Flamme drauf. Was soll diese Flamme bedeuten?

Eine Person hat einen Pappkarton mit einigen Teelichtern im Arm, die andere trägt einige Flyer bei sich. Ich habe gerade echt keinen Bock zu reden. Was wollen die überhaupt? Mein Gang wird schneller, bloß weg hier!

Irgendwie voll komisch, aber plötzlich möchte ich wissen, was es mit den Kerzen und Flammen auf sich hat. Ich drehe um und gehe auf sie zu. Die beiden erzählen mir von Nightfever, erklären was es ist, wann es gegründet wurde und was man da überhaupt macht. Die beiden haben Neugierde in mir geweckt. Ich kann alles fragen, was mir einfällt und bekomme Antworten.

Nach einem sehr netten Gespräch, bei dem ich das Gefühl haben durfte, dass die beiden richtig für dieses Nightfever brennen, gibt mir die eine Person eine Kerze in die Hand und lädt mich ein, diese in der Kirche zu entzünden. Ich verabschiede mich und überlege, ob ich das echt machen soll. Ich meine, Zeit habe ich ja sowieso und warm ist es in der Kirche bestimmt auch. Aber andererseits glaube ich wirklich nicht an Gott und war bestimmt seit meiner Erstkommunion nicht mehr in einer Kirche. Ich weiß doch gar nicht, was man da machen muss, bestimmt blamiere ich mich.

Ich gehe eine Straße weiter. Dort sehe ich die Kirche. Von außen sieht sie echt großartig aus, vor dem Eingang stehen viele Teelichter. Zudem weht eine Fahne mit dem Nightfever-Logo.

Irgendwie lädt mich diese Atmosphäre ein, also gehe ich die Straße runter zur Kirche. Hier sehe ich zwei weitere junge Leute, die mich sehr herzlich begrüßen. Sie sagen: „Schön, dass Du da bist“.

Wow, die sind ziemlich nett. Ich gehe in die Kirche. Alles ist dunkel, vorne auf den Stufen zum Altarraum stehen sehr viele brennende Teelichter. Ich stelle zwei weitere hinzu. Nun hocke ich also hier und denke an ein paar Leute, die mir nahestehen. Auf einmal registriere ich auch die ruhige, aber wunderschöne Musik, die eine Band spielt.

Nach einer Weile verlasse ich die Kirche. Am Ausgang gibt mir jemand einen Flyer mit den nächsten Nightfever-Terminen. Er verabschiedet mich mit den Worten: „Schön, dass Du da warst“. Ich gehe zurück zur Bushaltestelle – und merke, dass ich den beiden Leuten aus der Fußgängerzone ziemlich dankbar bin.

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