18.09.2026
MITEINANDER

Einsamkeit – was dagegen helfen kann

Warum man sich einsam fühlt, welche Rolle Social Media, Zugehörigkeit und Freundschaften spielen – und was Cedric geholfen hat.

von Johanna Dyck

Warum bin ich nicht zur Party eingeladen?! Es ist Samstagmorgen. Cedric sitzt zuhause am Esstisch, scrollt auf Instagram durch die Storys seiner Freunde und sieht, dass sie sich gestern Abend getroffen haben - ohne ihn.

Sich ausgeschlossen zu fühlen, ist eine Facette von Einsamkeit. Im Ganzen betrachtet, reicht das Gefühl aber noch viel weiter. Betroffene schildern, sich nicht zugehörig oder nicht gesehen zu fühlen und vermissen tiefere Bindungen.

Erfahrungen mit Einsamkeit wie Cedric (19) aus Schloß Holte-Stukenbrock machen viele Jugendliche in Deutschland. Manche erleben auch länger anhaltende Phasen der Einsamkeit. Laut Statistischem Bundesamt 2022 gab jede sechste Person zwischen zehn und siebzehn Jahren an, sich einsam zu fühlen. In der „Trendstudie Jugend in Deutschland 2025“ bezeichneten 21 Prozent der 14- bis 29-Jährigen Einsamkeit als wahrgenommene psychische Belastung.

Gefühl des Anders-Seins und Nicht-Dazugehören

Bei Cedric kam das Gefühl von Einsamkeit vor allem auf, wenn er viel online war. Zu viel. Er fragte sich: “Unternehmen andere öfter coole Dinge als ich? Haben sie mehr Spaß?” Oder eben: “Warum wurde ich nicht eingeladen? Gehöre ich nicht dazu?”

Wenn Cedric auf Social Media scrollte, kam er nicht drum herum, sich zu vergleichen. Das führte dazu, dass er zunehmend seinen eigenen Wert und seine Zugehörigkeit hinterfragte.

Hinter diesen Gefühlen stecken Bedürfnisse wie Zugehörigkeit, Nähe und Wertschätzung. Dass Cedric das sucht, zeigt sich am Beispiel der Party, zu der er nicht eingeladen war.
Bei anderen Menschen zeigt sich das auf andere Weise. Zum Beispiel, wenn man sich stark an eine Freundesgruppe anpasst, deren Kleidung, Sprache oder Interessen übernimmt. Man will akzeptiert werden, sich zugehörig fühlen.

Raus aus dem Vergleichen

Für Cedric wurden der Vergleichsdruck und die negativen Gefühle irgendwann so groß, dass er die Entscheidung traf, sich aus der digitalen Welt herauszuziehen. Seitdem nimmt er sich bewusster Zeit für Freunde und connected lieber durch analoge Unternehmungen.

Heute sagt er: “Man muss sich online nicht beweisen und zeigen, wie viel Spaß man hat, obwohl man eigentlich zu Hause sitzt und gar nicht weiß, was man machen soll. Dadurch entsteht eine Art Doppelleben!”

Außerdem beobachtete der 19-Jährige: “Wenn man mit Leuten ins Gespräch kommt, merkt man: Ey denen geht es nicht so gut, die haben nicht immer so viel Spaß, sondern manchmal schlechte oder langweilige Tage”. Auch mit seinen Freunden hat er sich darüber ausgetauscht. Sie kamen zur Erkenntnis: "Es ist nicht wichtig, wie man sich online präsentiert, weil es nicht die reale Welt ist.”

Einsam am Anfang des Auslandsjahrs

Heute geht es Cedric mehr um das von ihm sogenannte “wirkliche Leben”. Doch auch darin erlebt er Momente von Einsamkeit.

Besonders hat ihn der Start in sein Auslandsjahr in Argentinien herausgefordert. Cedric hat dort elf Monate eine christliche Gemeinde in diversen Bereichen unterstützt. Er unterrichtete Kinder in Englisch, arbeitete auf der gemeindeeigenen Farm mit und besuchte regelmäßig Bewohner eines Altersheims.

Am Anfang waren Vorfreude und Aufregung groß. Dann nahmen Langeweile und Einsamkeit zu. “Als ich ein bisschen länger da war, hat man auf einmal gemerkt: Oh, die Familie fehlt einem dann doch”, sagt Cedric. Und: „Manchmal habe ich mich auf jeden Fall allein und ein bisschen einsam gefühlt”.

Alleinsein ist nicht gleich einsam

Alleinsein und sich einsam fühlen ist jedoch nicht dasselbe. Das Kompetenznetz Einsamkeit unterscheidet es so: Während Einsamkeit eher ein subjektives Gefühl spiegele, sei das Alleinsein “ein objektiv sichtbarer Zustand”. Beide könnten zusammen auftreten, seien jedoch nicht automatisch miteinander verbunden.

Allein wurde Cedric in Argentinien nicht gelassen. Damit löste sich auch das Gefühl von Einsamkeit auf. Unterstützung fand er in der Gemeinde und durch den “richtig guten Anschluss” an die Pastorenfamilie, für die er gearbeitet hat.

Rückblickend sagt er: „Ich habe in Argentinien voll so ein neues Zuhause gefunden.”
Die Basis für die ihm so wichtige Gemeinschaft bildete aus seiner Sicht der Glaube an Gott. Dieser verband ihn über die Sprachbarriere hinweg. Und auch bis nach Deutschland half es ihm, dass er wusste, dass Familie und Freunde für ihn beten – und er für sie.

Faktoren, die Einsamkeit begünstigen

Cedrics Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Einsamkeit aussehen und sich anfühlen kann. Eine von vielen. Um zu lernen, damit umzugehen, hilft, zu verstehen, was Einsamkeit in dieser Lebensphase begünstigt. Zum Beispiel, dass die Jugend als Umbruchs- und Entwicklungsphase gilt. Denn: Eine hohe mentale Belastung in Kombination mit Stress und Zeitdruck kann Einsamkeitsgefühle bei Jugendlichen verstärken, wie das Deutsche Jugendinstitut zeigt.

 Demnach fühlen sich unter den 12- bis 17-Jährigen diejenigen signifikant häufiger einsam, die stark oder sehr stark das Gefühl haben, sich mit dem Erwachsenwerden beeilen zu müssen, als Gleichaltrige, die weniger Stress und Zeitdruck empfinden.

 Die Forschenden fanden zudem weitere Faktoren, die mit Einsamkeit zusammenhängen.
Besonders einsam fühlen sich demnach junge Menschen, die zuvor schon diskriminiert, gemobbt oder ausgeschlossen wurden. Jugendliche aus der LSBTIQ*-Community und mit Behinderung sind überdurchschnittlich davon betroffen.

 Darüber hinaus spielen Freunde eine entscheidende Rolle. Wer weniger als zwei gute Freundschaften führt, fühlt sich öfter einsam. Mit mindestens zwei guten Freunden nimmt dieses Gefühl wiederum ab.

Was gegen Einsamkeit helfen kann

Die WHO-Kommission für soziale Verbundenheit empfiehlt gegen Einsamkeit unter anderem:

  • sich zu engagieren. Das kann zum Beispiel in Sportvereinen, Jugendgruppen, der Gemeinde, oder anderen Hobbygruppen sein.
  • in Konversationen präsent zu sein: Es sei wichtig sich nicht durchs Handy ablenken zu lassen, damit zum Beispiel tiefere Gespräche möglich sind
  • über die eigene Einsamkeit zu sprechen: Die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und sich professionelle Hilfe zu suchen.

»Macht den ersten Schritt! Häufig erwarten wir, dass andere auf uns zukommen. Oft muss man aber selbst den ersten Schritt wagen, auf Menschen zugehen und in Freundschaften investieren.«

Cedrics Tipp

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