05.05.2026
Portrait

Warum Emma bleibt, wenn andere gehen

Als Pfadfinderleiterin und Messdienerin schenkt Emma Kindern Gemeinschaft, die sie selbst geprägt hat, und übernimmt Verantwortung für die Zukunft.

von Louisa Sobota

„Werdet wie die Kinder“, sagt Jesus. Emma Buschulte weiß, was Erwachsene von Kindern lernen können: Leichtigkeit, Offenheit und die Fähigkeit, nicht alles zu ernst zu nehmen. Die 17-Jährige macht zurzeit ihr Fachabitur und arbeitet in der Kita. 

Auch in ihrer Freizeit verbringt sie viel Zeit mit Kindern und Jugendlichen. Als Pfadfinderleiterin und Messdienerin gibt sie weiter, was sie selbst geprägt hat: eine unbeschwerte Zeit in Gemeinschaft und das Gefühl, dazuzugehören. Gleichzeitig übernimmt sie Verantwortung für etwas, das nicht selbstverständlich weiterbesteht: lebendige Jugendarbeit.

Vom Gruppenkind zur Leiterin

Bei den Pfadfindern in Welver hat Emma ihr zweites Zuhause gefunden. Seitdem sie sechs Jahre alt ist, geht sie zu den Gruppenstunden und fährt ins Zeltlager. Für Emma gehörte das, wie für viele andere damals selbstverständlich zur Kindheit. Heute wird das seltener. An vielen Orten lässt das ehrenamtliche Engagement nach. Das spürt auch Emma. Mit den Jahren haben immer mehr Freundinnen und Freunde von ihr die Gruppen verlassen.

Emma trifft eine Entscheidung: Statt auch zu gehen, möchte sie sich selbst als Leiterin engagieren. Verantwortung übernehmen. Dazu gehört vor allem, sich Gedanken für die Gruppenstunden zu machen. Sie sucht Spiele raus, bereitet alles vor, um gemeinsam zu kochen oder Steckstühle zu bauen.

Sie übt mit den Kindern auch klassische Pfadfinderfertigkeiten: Karten lesen, mit dem Kompass umgehen, Feuer machen. Für all das gibt es Abzeichen, die auf die Kluften genäht werden können. Am schönsten findet sie die Abende am Lagerfeuer auf den Zeltlagerfahrten. Da spürt sie die Gemeinschaft besonders stark. Sie erinnert sich gerne daran, wie schön es als Kind war, ein Teil davon zu sein. Dieses Gefühl möchte sie heute Kindern auch ermöglichen.

Neben den Pfadfindern engagiert sich Emma als Messdienerleiterin und im Technik-Team von St. Maria Welver. Eine eher kleine Kirche, aber technisch gut ausgestattet. Kameras und Mikrofone ermöglichen alle zwei Wochen einen Livestream der Messe.

Glaube, der verbindet

Ihren Glauben kann Emma am besten beim Messedienen ausleben. Eine neue Perspektive auf den Glauben eröffnet sich ihr, als ihre Mutter Religionspädagogik studiert. Emma begleitet ihre Mutter bei einigen Veranstaltungen und trifft auf andere engagierte junge Menschen. Sie merkt: Sie ist nicht allein mit ihrem Glauben. Ein besonderer Moment ist für sie die Kommunionswallfahrt 2024 nach Paderborn. Dort darf sie dienen, gemeinsam mit dem Erzbischof die Messe feiern. Es motiviert sie, den Glauben in so großer Gemeinschaft zu erleben.

Zuhören und da sein

Neben ihrem Engagement macht Emma ihr Fachabitur und arbeitet in einem Kindergarten. Nach der Schule möchte sie ihren Weg zur Erzieherin weitergehen. Von den Kindern hat sie bereits viel gelernt. Vor allem, Dinge nicht immer zu ernst zu nehmen. Mehr Leichtigkeit und Freundlichkeit im Alltag wünscht sie sich.

Eine Situation aus der Kita hat sich bei ihr besonders eingeprägt. Bei einer Feueralarmübung gerät ein Kind in Panik. Es lässt sich kaum beruhigen und erzählt schließlich von seiner großen Angst vor Feuer, die sogar in Träumen vorkommt. Emma nimmt sich Zeit, hört zu. Das Kind kann sich beruhigen.

„Er kam an diesem Tag immer wieder zu mir und hat sich bedankt, dass ich da war.“

Ihr Engagement hat Emma selbstbewusster und offener gemacht. Für die Zukunft wünscht sie sich, den Pfadfinderstandort weiter auszubauen und auch das Engagement bei den Messdienern wieder zu stärken. Oft fehlt neben Schule, Arbeit und anderen Verpflichtungen einfach die Zeit in den Gruppen. Doch Emma ist überzeugt: Wenn Angebote lebendig bleiben sollen, braucht es Menschen, die sich einbringen. Damit auch die nächste Generation so eine Zeit erleben kann.

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