Zwei, drei, fünf Euro oder mehr für ein Ciabatta-Brötchen ohne Belag? In Olsberg-Elleringhausen geben Menschen diese Beträge, wenn die Landjugend am Ende des Erntedankgottesdienstes ihre Minibrote verteilt. Dabei geht es nicht um den Preis des Gebäcks, sondern darum, was eine kleine Spende möglich macht. Mit dem Geld werden Projekte von Menschen in ländlichen Regionen weltweit unterstützt.
Luisa Henzel organisiert die Aktion Minibrot in ihrem Heimatdorf. Die 20-Jährige studiert Medizin in Marburg und engagiert sich in der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB). Gemeinsam mit ihren Freunden verteilt sie die Brötchen und sammelt Spenden. Das Geld unterstützt Projekte von Menschen in ländlichen Regionen weltweit.
Während viele andere KLJB-Ortsgruppen am Erntedanksonntag von Haus zu Haus ziehen, verbindet die Gruppe in Elleringhausen die Aktion am Samstag des Erntedankwochenendes mit einem Gottesdienst und einem Fest. Dafür stellen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf einem Bauernhof Bierbänke, Stühle für die Blasmusik und einen mobilen Altar auf. Strohbunde, Kürbisse und Maisstauden schmücken den Platz.
„Das Brötchen ist für mich ein Symbol fürs Teilen“, sagt Luisa. Es sei groß genug, um es gemeinsam zu essen. Aber es stehe noch für etwas anderes: „Wir teilen einen Teil unseres Wohlstands.“
Luisa erinnert das an die biblische Erzählung von der Brotvermehrung. Für sie steckt darin ein Gedanke, der auch ihr Engagement trägt: „Da ist eigentlich zu wenig da. Aber durch das Teilen werden alle versorgt.“ So können viele kleine Beiträge zusammen etwas Großes bewegen.
»Das Brötchen ist für mich ein Symbol fürs Teilen.«
Luisa Henzel
kommt aus Elleringhausen und studiert Medizin in Marburg
Über das gesamte Erzbistum Paderborn kommen bei der Aktion Minibrot nach Angaben der KLJB jährlich rund 30.000 Euro zusammen. Gut 90 Gruppen der KLJB aber auch andere Jugendverbände, Messdiener und Pfarrgemeinden machen mit. Die Geldspenden unterstützen Projekte, die etwa Bildung ermöglichen oder Menschen helfen, sich ein eigenes Einkommen aufzubauen.
Wohin das Geld fließt, entscheiden sechs gewählte KLJB-Mitglieder. Alle sechs Wochen trifft sich die Gruppe digital, um über Förderanträge zu beraten. Die Anträge kommen direkt von Menschen aus ländlichen Regionen weltweit.
Zum Beispiel aus Grundschulen im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh. Dort werden Minibibliotheken aufgebaut, durch die Kinder Zugang zu Lernmaterialien und Büchern für ihre Freizeit bekommen. Oder aus Sambia, wo Menschen Hühner bekommen und lernen, wie sie mit der Zucht ihren Lebensunterhalt verdienen können.
Bevor das Gremium eine Förderung zusagt, schaut sie genauer hin, sagt Mitglied Luis Lütkehellweg. Der 26-Jährige stammt aus Druffel bei Rietberg und studiert Theologie in der belgischen Stadt Löwen.
Er erklärt: „Wir entscheiden nicht direkt über einen Antrag, sondern stellen Rückfragen, machen Vorschläge und kommen mit den Menschen ins Gespräch, die ihre Ideen vor Ort umsetzen möchten.“
Diese Gespräche verändern auch Luis’ eigenen Blick. „Dadurch sehen wir, was die Probleme von Menschen in verschiedenen Teilen der Welt gerade sind. Das fordert mich heraus, neu auf die Welt zu schauen“, sagt er.
Für Luis hängt das eng mit seinem christlichen Glauben zusammen: Gott ist in Jesus Mensch geworden. Deshalb möchte er ihn auch heute im konkreten Leben entdecken – in Begegnungen und im Handeln von Menschen. Zugleich lässt sich Gott für ihn nie vollständig begreifen. Ihn zu suchen bedeutet deshalb auch, offen für neue Erfahrungen zu bleiben, zum Beispiel dazu, wie Glaube gelebt wird.
„Viele der Projekte, die wir fördern, werden von Menschen in einem christlichen Kontext durchgeführt“, sagt Luis. „Sie werden durch ihren Glauben angetrieben, das Leben bei sich vor Ort besser zu machen.“
Es geht also nicht nur darum, Geld weiterzugeben. Luis möchte verstehen, wie andere Menschen leben, welche Schwierigkeiten sie bewältigen und welche Ideen sie entwickeln.
Dass ausgerechnet Brot im Mittelpunkt der Aktion steht, passt für Luis dazu. „Brot ist ein Grundnahrungsmittel. Es kann mich daran erinnern, dass nicht überall Menschen genügend Grundnahrungsmittel haben und mich herausfordern, an diese Menschen zu denken.“
Die gesamte Aktion will über das Spendensammeln hinaus Menschen in heimischen Dörfern und Städten daran erinnern, wie das Leben in anderen Teilen der Welt aussieht. Und sie will dafür sensibilisieren, dass Menschen Verantwortung füreinander tragen.
In Elleringhausen geschieht das im Gottesdienst. Bevor Luisa und die anderen Landjugendlichen die Minibrote verteilen, stellen sie einige der unterstützten Projekte vor. So wird deutlich, was aus den Spenden werden kann: Bücher zum Lernen oder eine Möglichkeit, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.
Auch Luisa wird dabei immer wieder bewusst, wie unterschiedlich die Lebensbedingungen weltweit sind. Sie erlebt zugleich, dass viele Menschen im Dorf bereit sind, etwas beizutragen. Und sie selbst teilt mit ihren Freunden nicht nur die Brötchen aus: In der Aktion stecken auch ihre Zeit und ihr Engagement.
»Brot ist ein Grundnahrungsmittel. Es kann mich daran erinnern, dass nicht überall Menschen genügend Grundnahrungsmittel haben und mich herausfordern, an diese Menschen zu denken.«
Luis Lütkehellweg
aus Druffel, studiert Theologie in Löwen (Belgien)
Die Aktion verbindet Menschen über Ländergrenzen hinweg – und stärkt zugleich die Gemeinschaft vor der eigenen Haustür. Nach dem Gottesdienst bleiben die Gäste bei einem Getränk zusammen. Kinder flitzen mit ihren Brötchentüten über den Hof, die Blasmusik spielt.
Wer noch Lust auf Party hat, bleibt abends zu „Rock im Stroh“. Eine Rockband tritt in der Scheune auf, es wird getanzt und gesungen. Auch das Leben wird mehr, wenn man es miteinander teilt.
Du möchtest etwas beitragen? Die KLJB im Erzbistum Paderborn nimmt das ganze Jahr über Spenden für die Aktion Minibrot entgegen. Das Spendenkonto und weitere Informationen findest du auf der Aktionsseite der KLJB.