Fasten kann so unterschiedlich ausgelebt werden.
20.02.2019

Body + Soul

Detox mit Gott

Gemeinsam durch die Fastenzeit: Die #Fastenchallenge2019 mit dem Dekanat Unna und YOUPAX.

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von Christina Behrens

Frühjahrsputz für die Wohnung, Entgiftung für den Körper. Keine Frage, Fasten liegt im Trend. Rund 60% der Deutschen konnten sich im vorletzten Jahr vorstellen, die Fastenzeit für einen Teilzeit-Verzicht zu nutzen. Zwischen Saftkuren und Teilzeitfasten (Stichwort: Intermittent Fasting) ist das religiös motivierte Fasten jedoch der Exot unter den Gesundheitskuren. Doch was, wenn es dabei um viel mehr geht als körperliche Entlastung?

Mittlerweile gibt es Apps und Funktionen, mit denen man seine Auszeit gut planen kann.
Mittlerweile gibt es Apps und Funktionen, mit denen man seine Auszeit gut planen kann.

Am Aschermittwoch ist es endgültig vorbei. Das Kostüm wird wieder im Schrank verstaut, der Hoppeditz und seine Kumpane werden beerdigt und das Aschekreuz ziert die Stirn. Dann wird deutlich: Der Spaß ist nun vorüber und die Fastenzeit startet. Dass damit auch eine Zeit der Entbehrung und des Verzichts beginnt, beruht auf alter Tradition. Neben der Adventszeit, wo das kirchliche Fasten fast verschwunden ist, ist die vorösterliche Fastenzeit heute weitestgehend präsent.

Aber warum wird überhaupt gefastet? Das Phänomen gibt es in allen großen Weltreligionen. Das christliche Fasten orientiert sich an der Fastenzeit Jesu. Er fastete und betete damals 40 Tage in der Wüste. Im Mittelpunkt stand nicht das körperliche Entgiften, sondern Gott näher zu sein. Übertragen auf die heutige Zeit heißt ganz konkret: Zur Ruhe kommen statt tägliche Völlerei, Buße statt Hedonismus. Am Ende der Fastenzeit steht seit jeher das letzte Abendmahl, es wird der Kreuzigung und Auferstehung Jesu gedacht, das Osterfest wird gefeiert.

"Besondere Feste bedurften schon immer einer besonderen Vorbereitung im Christentum" weiß Tobias Hasselmeyer, geistlicher Beauftragter der Pfadfinder (DPSG) im Bistum Paderborn und Vikar in der Pfarrei St. Petri in Hüsten. Er fährt fort: "Traditionell wird auf Nahrung verzichtet, institutionell unterteilt in essbare und verbotene Speisen. Bier ist zum Beispiel erlaubt." Die Regel lautet: Liquida non frangunt ieunum – Flüssiges bricht das Fasten nicht. 

Heute ist das etwas anders, gefastet wird was gefällt. Alkohol, Smartphone, Plastik, Fleisch und Shopping sind nur einige beispielhafte Fastenthemen des 21. Jahrhunderts. Ist das dann noch glaubenskonform? Einen Widerspruch sieht Tobias Hasselmeyer darin nicht, seine Erklärung dazu ist einleuchtend: "Heute orientieren sich die Menschen nicht an diesen Regeln, sondern suchen danach, was für sie individuell passend ist. Nicht, weil es vielleicht zu schwer ist, sondern weil jeder seine eigene Herausforderung braucht."

Tobias Hasselmeyer
Diözesankurat der DPSG Paderborn und Vikar der Pfarrei St. Petri in Hüsten

"Es ist legitim, sinnvoll und fast weise das Fasten selbst zu gestalten. Ich würde aber immer fragen: Welches Ziel verfolge ich damit?"

Das Ziel unterscheidet das christliche Fasten vom anhaltenden Detox-Trend. "Was beides verbindet, ist der Wunsch nach Gesundheit und heilsamen Erfahrungen", erläutert Tobias Hasselmeyer "Das eine hat eine sehr körperliche Ausrichtung, bei uns in der Kirche liegt der Fokus jedoch auf der heilsamen Erfahrung für die Seele – das kann man aber nicht trennen, beides hängt natürlich zusammen." Für ihn steht die Frage nach der Motivation im Vordergrund: Ist es ein Schönheitsideal, was jemanden dazu bringt oder ist es spirituelle Motivation? Ein paar Kilo weniger auf der Waage bringen einen nämlich nicht zwingend näher zu Gott. 

"Wenn Fasten zum Ziel hat bewusster und wacher zu leben, gucken viele auch darauf: Was hält mich gefangen? Was benebelt mich? Was macht mich unfrei?"

DPSG-Diözesankurat Tobias Hasselmeyer startet seine Fastenzeit mit zwei Wochen Heilfasten.
DPSG-Diözesankurat Tobias Hasselmeyer startet seine Fastenzeit mit zwei Wochen Heilfasten.

Fasten ist nicht nur für hartgesottene Karnevalisten ein Kontrastprogramm, welches dazu anregt, die eigenen Lebensumstände zu hinterfragen. Den tieferen Sinn zu erkennen, den Gott unserem Leben gegeben hat und liebgewonnene Gewohnheiten vorübergehend aufzugeben, gehören dazu. Fasten heißt auch, eine Zeit bewusster zu gestalten, die Sinne zu schärfen und sich darin zu üben, sich selber besser in den Griff zu bekommen. Es ist so etwas wie eine Projektphase, um sich auszuprobieren und zu ändern. Für Christen ist dies auch die Zeit des Umkehrens und des Reflektierens: Wie stehe ich vor Gott? Wie stehe ich in dieser ganzen Konsumspirale? Welche Auswirkung hat meine Lebensweise auf meine Umwelt?

Wenn ich verzichte, schaffe ich Möglichkeiten, anderen etwas abzugeben.

Der Verzicht gehört dazu. Weniger Social Media, shopping und Essen, dafür mehr Klarheit und Wachheit – und auch Zeit. Wer sich bestimmter Dinge enthält, schafft Raum für Anderes. Ein klarer Gewinn auch für Tobias Hasselmeyer: "Fasten kann ja nicht nur bedeuten, auf etwas zu verzichten. Fasten kann auch bedeuten, bewusst etwas hinzuzunehmen oder etwas Bestimmtes zu tun. Wenn ich faste, gewinne ich Freiräume. Ich nutze die Zeit, um Gott bewusst näherzukommen und lese die Bibel." Übertragbar ist dies auch auf andere Fastenarten. So kann durch Shopping-Abstinenz gespartes Geld für andere Projekte oder hilfsbedürftige Menschen ausgegeben werden. Zeit, die am Smartphone gespart wird, kommt der Familie oder Freunden zugute. Die staufreie und autolose Bahnfahrt ermöglich das Lesen eines Buches. Das sind die Freiräume, die neue Möglichkeiten eröffnen. Im Hinterkopf schwingen da dann auch Tobias Worte mit: "Bin ich da vielleicht mehr auf der Spur, die Jesus mir gezeigt hat und ihm vielleicht auch näher als sonst?"

Good Time - discover you soul

Auch Tobias Hasselmeyer wird dieses Jahr wieder fasten. Das eigenes Fastenziel zu finden und die Zeit alleine durchzuhalten, kann jedoch eine große Herausforderung sein. Das Dekanat Unna begleitet junge Menschen in diesem Jahr durch die Fastenzeit: Ein Gottesdienst zur Wahl der ganz persönlichen Fastenchallenge wird der Auftakt am Aschermittwoch sein. Es gibt ein Austauschtreffen zur Halbzeit und ein gemeinsames Fastenbrechen, um das das Erlebte gemeinsam zu feiern. 

Auch online kannst du mitmachen: Anika (23), Lisa-Marie (17) und Maximilian (20) nehmen dich auf dem YOUPAX-Instagram-Kanal mit durch die Fastenzeit. Deine Challenge und Erlebnisse kannst du unter dem Hashtag #fastenchallenge2019 teilen und so mit anderen in Kontakt kommen – im Bistum und darüber hinaus. 40 Tage, ein Gott und deine ganz persönliche Challenge. 

Nimmst du die Herausforderung an?

Finde dein Fasten-Abenteuer

Kaffee oder Plastik? Dein Fastenabenteuer suchst du dir aus.
Kaffee oder Plastik? Dein Fastenabenteuer suchst du dir aus.

Tipp von Tobias Hasselmeyer:
Mache einen Termin mit dir selbst und reserviere dir einen halben Tag oder mehr zu Beginn der Fastenzeit. Fange bewusst an und gestalte deinen Verzicht schön. Fasten ist keine Leidenszeit sondern eine Chance, dich selber neu zu entdecken. So bekommt deine eigene Herausforderung einen Abenteuer-Charakter – das hilft dir, die Zeit mit Freude zu erleben.

Die #Fastenchallenger*innen

Anika: #shopping
Maximilian: #fleisch
Marina: #süßigkeiten
Anika fastet Online-Shopping

Anika (23) erwischt sich oft dabei, dass sie sich mal wieder was im Internet bestellt hat. Das soll sich nun für 40 Tage ändern: Sie möchte den großen Bestellriesen den Rücken kehren und auf das Einkaufen verzichten. Stattdessen nimmt Anika mehr Rücksicht auf die Nachhaltigkeit ihrer Lebensmittel. Ihr Motto lautet da "Bewusster Konsum statt Verzicht". Das gilt auch für das Fastenbrechen: Es gibt ein Paar neue Sommerschuhe – die braucht sie dann nämlich wirklich.

"Menschen fasten um sich selbst was zu beweisen."

Maximilian fastet Fleisch.

Für Maximilian (20) ist fasten nichts Neues. Schon seit drei Jahren nutzt er die Fastenzeit für sich. Aus einer Metzger-Familie stammend, ist es seine ganz persönliche Herausforderung, auf Fleisch zu verzichten. Für 40 Tage von drei Mahlzeiten mit Wurst und Co. auf null – mit Konzentration auf seinen Glauben als Grundlage. Darüber hinaus sieht er im Fasten eine gute Möglichkeit, mit den Menschen über Gott ins Gespräch zu kommen.

"Fasten erinnert mich an meinen eigenen Glauben."

Marina fastet Süßigkeiten

Marina (21) bezeichnet sich selbst als Naschkatze. Daher ist es nur logisch, dass sie schon seit Jahren immer wieder auf Süßigkeiten in der Fastenzeit verzichtet. Einmal hat sie auch Fleisch gefastet, aber ihr Klassiker ist und bleiben die kleinen, süßen Snacks. Ihr Ziel dabei: Zu merken, wie viel Raum Naschereien sonst im Alltag einnehmen. Für sie ist das Fasten so eine gute Vorbereitung auf das Osterfest. Am Ende der Fastenzeit lassen sich dann die lieb gewonnenen Zuckerbomben wieder ganz bewusst genießen.

"Aus körperlichem Fasten wird bewusster Glaube."

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