Patrick Höckelmann im Irish Pub "Auld Triangle" in Paderborn.
16.03.2018

Exklusiv

"Gemeinschaft ist das A und O"

Porträt zum St. Patricks Day

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von Tobias Schulte

Irische Musik, Guinness, grüne Klamotten und Kleeblätter – der St. Patricks Day steht für Paraden, Partys und ausgelassene Stimmung. Auch bei uns sind an dem irischen Feiertag alle Pubs voll. Doch eigentlich wird dabei der Heilige Patrick gefeiert, der den Glauben nach Irland gebracht hat. Youpax stellt euch anlässlich des St. Patricks Days einen Patrick vor, der sich bei uns für den Glauben einsetzt: Patrick Höckelmann.

Das Kleeblatt ist Symobl für die Dreifaltigkeit Gottes.
Das Kleeblatt ist Symobl für die Dreifaltigkeit Gottes.
Grünes Bier gibt es zum St. Patricks Day.
Grünes Bier gibt es zum St. Patricks Day.

Pfadfinder seit den Wölflingen

Treffpunkt: Irish Pub „Auld Triangle“ in Paderborn. Patrick kommt mit dem Fahrrad, wir bestellen zwei Guinness: „Ich bin 30 Jahre, wohne in Paderborn, arbeite als Bauingenieur und bin im Vorstand der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg im Erzbistum Paderborn“, stellt sich Patrick vor.

Dass Patrick Pfadfinder wird, wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. „Meine Eltern haben sich bei den Pfadfindern kennengelernt“, sagt er und grinst. Patrick ist in der zweiten Schulklasse in die Wölflinge seines Heimatstamms Schloss Neuhaus eingetreten, hat später den Stamm geleitet und sich für den Posten des Diözesanvorsitzenden beworben, als der Vorgänger aufhörte. „Ich möchte sichern, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene das erleben können, was ich erleben konnte“, sagt Patrick.

Damit meint er die Aktionen, Fahrten übers Wochenende und Ferienlager der Pfadfinder. „Dort erlebt man als Pfadfinder eine starke Gemeinschaft. Draußen kann man vieles ausprobieren, neue Dinge wagen und einen anderen Zugang zum Glauben finden.“

Als Patrick einen Schluck von seinem Guinness trinkt, fällt ein silberner Ring an seiner linken Hand auf. „Ich bin verheiratet“, sagt er mit Druck in der Stimme. Mit seiner Frau geht er regelmäßig in die Kirche auf der Lieth in Paderborn. „Gemeinschaft ist das A und O“, antwortet Patrick auf die Frage, warum er das macht.

»Die katholische Kirche lebt von ihrer Vielfalt. Alle Jugendverbände bieten ein zweites Zuhause, wo man sich entwickeln kann. Freunde finden. Glauben und Gemeinschaft erleben.«

Patrick Höckelmann
 Diözesanvorsitzender Deutsche Pfadfindergemeinschaft Sankt Georg

Glaubensmomente seien bei den Pfadfindern zwar seltener als in der Gemeinde, dafür aber deutlich intensiver. Staccatohaft fängt er an zu beschreiben: „Gottesdienst draußen auf der Wiese. Ruhe. Weit weg vom Alltag. Raum, sich Gedanken zu machen. Das war immer intensiv und spannend. Denn auch bei denen, die sagen, dass sie mit Gott nichts zu tun haben, merkt man, dass es sie bereichert.“

Patrick Höckelmann erzählt bei einem Guinness über sich.
Patrick Höckelmann erzählt bei einem Guinness über sich.

In ruhigen Momenten spürt Patrick am stärksten, dass er an Gott glaubt. Er fragt sich: „Wer bin ich? Was will ich? Was mache ich hier?“ Aber auch er zweifelt. „Es gibt genug Dinge, die mit meiner Vorstellung von einer idealen Welt nicht zusammenpassen. Der Syrienkrieg oder die Ausbeutung von Menschen zum Beispiel. Ich frage mich, warum das passiert.“ Eine direkte Antwort kennt er nicht. „Gott wird es jedenfalls nicht verhindern, weil er gerade keinen Bock drauf hat.“

Patrick Höckelmann wirkt mit seinem breiten Grinsen, dem etwas jugendlichen Gesicht und dem Haarschnitt, der früher mal „Justin-Bieber-Look“ hieß, nicht wie ein typischer erster Vorsitzender, der mit lauter Stimme sagt, wo es langgeht. „Das stimmt, ich bin niemand, der auf den Tisch haut“, stimmt Patrick zu. „Mein Ziel ist es, dass das Team funktioniert.“

Dazu gehört auch, dass die Pfadfinder mit den Kirchengemeinden vor Ort, die Stämme untereinander und mit anderen katholischen Jugendverbänden zusammenarbeiten. Da kann man auch mal aneinander ecken, solange man sich auf das Gemeinsame besinnt. „Die katholische Kirche lebt von ihrer Vielfalt. Alle Jugendverbände bieten ein zweites Zuhause, wo man sich entwickeln kann. Freunde finden. Glauben und Gemeinschaft erleben“, sagt Patrick und betont: „Obwohl das manchmal anders wahrgenommen wird: Pfadfinder und Kirche gehören zusammen.“

Als Patrick gefragt wird, wie viel Zeit für das Ehrenamt draufgeht, fängt er an, die Termine dieser Woche aufzuzählen: „Vorgestern war ich nach der Arbeit zu einem Treffen mit dem NRW-Vorstand in Essen, gestern haben wir uns vom Vorstand und der Stufenleitung in Dortmund getroffen, Sonntag fahre ich nach Eggerode im Harz. 20 Stunden in der Woche sind da ganz schnell voll“, sagt Patrick.

Ein Ehrenamt quasi als Halbtagsjob. Zu viel Belastung? „Das Ehrenamt ist Ausdruck meines Glaubens. Und in einer Gemeinschaft ist jeder gefordert, etwas einzubringen, wenn er kann. Und ich habe das Gefühl, dass ich gerade kann."

Prost! Youpax-Reporter Tobias Schulte und Patrick Höckelmann stoßen an.

Das geht auch, weil er sowohl für die Pfadfinder als auch seinen Beruf von Zuhause aus arbeiten kann. Als Bauingenieur rechnet Patrick zum Beispiel aus, was sich bei einem Bau mehr lohnt: Abreißen und neu bauen oder sanieren? Außerdem prüft er, ob die Häuser gut genug gedämmt sind, damit nicht zu viel Wärme verloren geht. Beide Jobs gefallen ihm, wenn Patrick auch zugeben muss: „Für meinen Beruf werde ich bezahlt, für mein Vorstandsamt lebe ich.“

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