01.12.2020

Politik

Ein Klimaplan für Deutschland 

Aktivistinnen schreiben ein Gesetzespaket.

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Von Laura Grotenrath

Der Klimawandel schreitet voran – auch in Zeiten der Pandemie. Es braucht einen gesamtgesellschaftlichen Wandel und damit das gelingen kann eine Politik, die neue Gesetze zu Gunsten von mehr Klimaschutz erlässt. Die große Frage lautet: Wie kann Deutschland die Erderwärmung entsprechend der Pariser Klimaziele auf 1,5 Grad begrenzen?

Antworten auf diese Frage will die Initiative German Zero liefern. Ihr geht es explizit nicht darum, was ich als einzelne Person tun kann. German Zero will Lösungen entwickeln, die einen gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel hin zum Schutz des Klimas bewirken. Eva-Maria McCormack arbeitet in der Geschäftsführung von German Zero im Ressort Klimakommunikation und stellt im Gespräch mit YOUPAX die großen Ziele des gemeinnützigen Vereins vor. 

Die Klimakrise betrifft uns alle

Eva-Maria (r.) bei einer Klimademo in Berlin
Eva-Maria (r.) bei einer Klimademo in Berlin

German Zero erarbeitet einen Gesetzentwurf, mit dem Deutschland bis 2035 klimaneutral werden kann. Damit soll die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden, unter anderem mithilfe einer höheren CO2-Steuer. Die Strategie des Vereins: Bis 2022 soll der im kommenden Jahr gewählte nächste Bundestag mithilfe des entwickelten Gesetzespakets Klimaschutz im Grundgesetz verankern. „Wir verstehen uns als Teil der Klimabewegung“, erklärt Eva-Maria, und damit gerade nicht als (partei)politischer Akteur.

„Das Gesetzespaket entsteht in einem transparenten und kollaborativen Prozess“, erklärt Eva-Maria McCormack. Das bedeutet konkret: Expertinnen und Experten, Interessenvertreter, Bürgerinnen und Bürger können sich gleichermaßen einbringen. Aktuell recherchieren mehrere Dutzend haupt- und ehrenamtlich aktive Menschen in Fachgesprächen und Publikationen konkrete Maßnahmen für den Klimaplan. Gleichzeitig organisieren sie Netzwerktreffen, Fachgespräche mit Expertinnen und werben durch Medienkampagnen für ihr Anliegen. Anfang 2021 soll eine digitale Beteiligungsplattform online gehen, über die sich jede und jeder weiter einbringen kann. Darüber hinaus, ergänzt Eva-Maria, unterstützte German Zero parallel dazu derzeit rund 20 Bürgerinitiativen in ganz Deutschland, die sich auf lokaler und kommunaler Ebene für Klimaneutralität bis 2035 einsetzen.

Kräfte bündeln für den Klimaschutz

Erneuerbare Energien können einen Beitrag zum Erreichen des 1,5 Grad-Ziels leisten.
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Rad fahren ist gut fürs Klima.
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Lies auf YOUPAX mehr über das Thema Klimaschutz:

- Klimagerechtigkeit

- Klimafreundlich Leben

- Klimafreundliche Ernährung

- Klimakiller Mode 

Aber Stopp: Ist die Arbeit an Gesetzen nicht Aufgabe der (Partei-)Politik? Klar, aber nicht nur. German Zero versteht sich als Initiative, die die inhaltliche politische Arbeit tut, die die Politik in den vergangenen 30 Jahren offensichtlich nicht zu genüge getan hat. In dieser Deutlichkeit würde das Eva-Maria McCormack das aber nicht ausdrücken. Stattdessen sagt sie: „German Zero ist als gemeinnütziger Verein bewusst überparteilich. Wir wissen, dass es eine Partei allein nicht schaffen kann. Es braucht die gesamte Bevölkerung.“ Darum spreche die NGO Menschen aus allen Parteien und Bevölkerungsschichten an. Denn: „Die Klimakrise betrifft uns alle.“

»Die gute Nachricht ist: Die Klimakrise ist lösbar.«

Eva-Marie McCormack
Geschäftsführung von German Zero im Ressort Klimakommunikation

German Zero hat sich im November 2019 als Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Aktivisten gegründet. Die Initiative dafür ergriffen hatten die beiden Unternehmer und erfahrenen Aktivisten Heinrich Strößenreuther und Claas Helmke. Seitdem verfolgen mittlerweile 20 hauptamtliche Mitarbeitende, mehr als 200 Ehrenamtliche und mehr als 9.000 Unterstützerinnen und Unterstützer ein gemeinsames Ziel: Bis zur Bundestagswahl 2021 soll ein Gesetzespaket für den Klimaplan stehen. Inhalt dieses Plans werden unter anderem konkrete Maßnahmen für verschiedene Wirtschaftssektoren wie Energie, Verkehr, Industrie, Gebäude, Wärme, Landwirtschaft und Ernährung sein.

2021 soll zur "Klimawahl" werden

„Die gute Nachricht ist: Die Klimakrise ist lösbar“, sagt Eva-Maria: „Wir haben alles Wissen, alle Tools und technische Innovation, die wir dafür brauchen. Diese Instrumente müssen nur mit Hilfe des politischen Willens umgesetzt werden.“ Genau dafür entwickle German Zero aktuell das Gesetzespaket.

Gleichzeitig sei es wichtig, Kräfte mit anderen Umwelt- und Klimagruppen zu bündeln, denn alle bringen andere, wichtige Anteile mit: „Fridays for Future mobilisiert unglaublich viele Menschen. Etablierte Umweltorganisationen wie der BUND, WWF oder die deutsche Umwelthilfe haben über Jahrzehnte den Weg bereitet. Am Ende kommt es darauf an, dass wir das wir mit vereinten Kräften der Politik zeigen: Es muss jetzt etwas geschehen, denn die Klimakrise schreitet voran.“

Deutschland ist ein treibender Motor der EU. Deutschland ist die viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Wenn es um Klimaschutz geht, schauen viele auf Deutschland, weiß auch McCormack von German Zero. „Wir können ein Vorbild sein und zeigen, dass es geht. 99% der Wissenschaft ist sich einig, dass wir die Erderwärmung durch eine Begrenzung der CO2-Emissionen stoppen können.“

„Die nächste Wahl ist eine Klimawahl“, ist sich Eva-Maria McCormack sicher. Im Kontext der Bundestagswahl im Herbst 2021 könne die Klimabewegung effektiv politischen Druck aufbauen. Wenn die Politik verstehe, dass die Bevölkerung sich Klimaneutralität wünscht und das auch bei der Koalitionsbildung eine Rolle spiele, berge das ein großes Potenzial.

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