Julia von Refocus
06.04.2026
GEBETSNETZWERK DES PAPSTES

Geschwindigkeit, Stille, lebendige Hoffnung

Julia glaubt: ihre Energie und Grundfreude am Leben kommen von Gott – auch, wenn das Leben wehtut

von Laura Reuter

Wenn Julia über die Piste fährt, fühlt sie sich frei. Das Snowboard unter den Füßen, den kalten Fahrtwind im Gesicht. „Ich liebe die Geschwindigkeit, die Weite, dieses Glitzern im Schnee“, sagt die 25-Jährige. Sie spürt eine positive Energie.

Energie zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben – im Sport, in der Musik, im Glauben. Sie sagt: „Ich denke, diese Kraft kommt von Gott. Natürlich bin ich nicht immer fröhlich. Aber da ist eine tiefe Freude in mir, die mir niemand nehmen kann.“

Hoffnung, die trägt

Spricht Julia über ihre irische Heimat, leuchten ihre Augen. Dort wurde sie geboren, dort verbrachte sie ihre Kindheit. Sie liebt die Landschaft, die Mentalität der Menschen. „Die Iren sind fröhlich, herzlich, hilfsbereit – und das wirkt nie aufgesetzt.“ Bis heute kehrt sie jedes Jahr nach Irland zurück. Ihr Vater ist Ire, ihre Mutter Deutsche.

Als Julia zwölf Jahre alt war, starb ihre Mutter. Eine Erfahrung, die ihr Leben geprägt hat. „Die Zeit der Trauer war schwer“, erinnert sie sich leise. Halt fand sie besonders bei ihrem Vater. „Ich glaube, meine Energie und diese Grundfreude habe ich auch von ihm. Das ist kein oberflächlicher Optimismus. Es ist eine Hoffnung, die trägt – auch dann, wenn es weh tut.“

Lobpreis mit Herz und Haltung

Für fast jede Lebenslage kennt Julia das passende Lobpreislied. Sie spielt Geige, singt und musiziert am liebsten gemeinsam mit ihrer Schwester. Aktuell hört sie besonders gern „Goodbye Yesterday“ von Elevation Rhythm. „Das Lied ist fetzig und bestärkend. Es geht darum, Altes loszulassen und den Moment im Licht Gottes zu leben. Das gibt mir richtig Power.“

Am Lobpreis liebt Julia, dass sie keine langen Worte suchen muss. „Ich kann mich einfach mit der Musik nach Gott ausstrecken.“ Besonders in der Gemeinschaft erlebt sie das als stärkend. „Dann drehen sich meine Gedanken nicht mehr nur um mich selbst, sondern richten sich nach oben – auf Gott, den wir gemeinsam preisen.“

Und doch braucht sie auch die Stille. „Allein mit Gott in der Stille zu sein, ist nicht immer leicht“, sagt sie nachdenklich. „Aber genau da wächst meine Beziehung zu ihm in die Tiefe. Da lerne ich, seinen Weg zu gehen – manchmal sichtbar für andere, manchmal nur in meinem Inneren.“

»Allein mit Gott in der Stille zu sein, ist nicht immer leicht. Aber genau da wächst meine Beziehung zu ihm in die Tiefe.«

Julia von Refocus

Den Fokus neu ausrichten

Diese Mischung aus Gemeinschaft und Stille findet Julia auch bei Refocus, einer Gemeinschaft junger Christinnen und Christen, die ihren Blick bewusst immer wieder neu auf Jesus richten wollen. Entstanden ist Refocus 2021 rund um das erste Fest der Jugend zu Pfingsten in Paderborn-Elsen.

„Inmitten all der Diskussionen und Krisen rund um Kirche wollten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren“, erklärt Julia. „Auf Jesus. Und darauf, Gebet und Gemeinschaft nach seinem Vorbild zu leben.“ Die jährlichen Pfingstfeste spiegeln das wider: Anbetung, Workshops, Party, feierliche Gottesdienste – Raum für Begegnung mit Gott und miteinander.

Abend der Barmherzigkeit beim Fest der Jugend 2025 in Paderborn-Elsen.

Glaube ist keine Privatsache

»Menschen in der Fußgängerzone anzusprechen und mit ihnen über den Glauben ins Gespräch zu kommen, war weit außerhalb meiner Komfortzone.«

Julia

Auch die Jüngerschaftsschule Follow Me, die aktuell zum zweiten Mal stattfindet, gehört zu Refocus. Julia war in der ersten Staffel dabei.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Wochenende zur Evangelisation auf der Straße. „Menschen in der Fußgängerzone anzusprechen und mit ihnen über den Glauben ins Gespräch zu kommen, war weit außerhalb meiner Komfortzone“, sagt sie und lacht. 

Doch sie hat etwas Entscheidendes mitgenommen: Glaube ist nicht reine Privatsache. Sie sagt: „Am Ende der Jüngerschaftsschule wurden wir – wie es in der Bibel heißt – in die Welt gesendet. Diesen Auftrag zu leben, kann ganz unterschiedlich aussehen. Aber ich darf meinen Glauben zeigen und muss ihn nicht verstecken. Follow Me hat mich darin bestärkt.“

Heute spricht Julia manchmal Obdachlose auf der Straße an. Sie schenkt ihnen Zeit, ein offenes Ohr, ein freundliches Wort – und manchmal einen warmen Kaffee. Sie erinnert sich an einen Mann, der ihr seine schwere Lebensgeschichte anvertraute. „Ich habe ihm gesagt, dass er nicht allein ist. Und er hat mir erzählt, dass er auch an Jesus glaubt.“ Für Julia war das ein Moment tiefer Verbundenheit.

Als Hebamme ins Leben begleiten

Im Februar hat Julia ihr Studium zur Hebamme abgeschlossen. Ein Beruf, der Nähe, Verantwortung und Sensibilität verlangt. „Ich darf dabei sein, wenn Eltern ihr Kind zum ersten Mal in den Arm nehmen. Diese Momente werden sie nie vergessen“, sagt sie. Auch Menschen ohne religiösen Hintergrund würden dann oft staunen und von einem Wunder sprechen.

Doch nicht immer verläuft alles wie erhofft. Julia begleitet auch Familien in großen Sorgen, bei Komplikationen, Krankheit oder Tod. „Da helfen oft keine Worte“, sagt sie. Trotzdem versucht sie, einfach da zu sein. Auch hier schöpft sie Kraft aus ihrem Glauben. „Ich bete oft still für die Betroffenen.“ Besonders bewegt hat sie die Begegnung mit einem toten Baby. „Ich sollte mich darum kümmern und habe es noch gesegnet.“

Füreinander da sein im Gebet

Gemeinsam mit Refocus betet Julia im April im Anliegen des Papstes für Priester in Krisen. „Jeder Mensch kennt schwere Zeiten“, sagt sie. „Manchmal versteht man später, wofür sie gut waren. Manchmal aber auch nicht.“

Priester erlebt sie als Menschen mit großer Verantwortung. „Viele tragen unglaublich viel – gerade in Zeiten des Priestermangels.“ Manchmal sitzt sie in der Messe und spürt, wie erschöpft ein Priester wirkt. „Das tut mir leid. Dann bete ich, dass er neue Kraft und neue Leidenschaft für seinen Dienst empfängt.“

Für Julia ist klar: „Wir Gläubigen brauchen die Priester. Sie spenden uns die Sakramente und haben ihr Leben auch für uns Gott geschenkt. Wir können sie im Gebet stärken.“

So, sagt sie, trägt einer den anderen – durch gute Zeiten und durch schwere.

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