Bernd Schulte spricht 2018 auf einem Parteitag der Jungen Union.
Bernd Schulte spricht 2018 auf einem Parteitag der Jungen Union.
22.03.2019

Politik

"Glauben ist per se politisch"

Ein Antrieb für Bernd Schultes (33) politisches Engagement ist sein Glaube

test
von Tobias Schulte

Am Anfang der politischen Karriere von Dr. Bernd Schulte stehen seine Qualitäten als Ausrichter von Feten. Gerade hat er drei Partys seines Abiturjahrgangs am Gymnasium der Benediktiner in Meschede organisiert. Es kamen jeweils 1000 Leute. Die Kasse des Jahrgangs sprudelte.

Da kommt ein Kumpel auf ihn zu. Die Fete der Jungen Union (JU) Remblinghausen, der Häschenball, läuft nicht mehr. Bernd Schulte und sein Kumpel legen die Veranstaltung neu auf. Die Party wird ein Erfolg. Bernd Schulte wird Mitglied der JU. Heute ist er Bezirksvorsitzender der Jungen Union Südwestfalen. Sein Vorgänger: Paul Ziemiak, Generalsekretär der CDU Deutschlands.

»Der katholische Glaube ist für mich enorm wichtig – und per se politisch. Denn dem Christentum ist es immanent, dass man sich auch für die Dinge einsetzt, die das eigene Umfeld und nicht nur einen selbst betreffen.«

Dr. Bernd Schulte (33)
Vorsitzender der Jungen Union Südwestfalen

Bernd Schulte

Wer sich über Bernd Schulte im Internet informiert, wird zunächst in die Irre geleitet. Das Bild des 33-jährigen Sauerländers wird neben dem Wikipedia-Eintrag des ehemaligen Landtagsabgeordneten Bernd Schulte angezeigt. Der Namensvetter ist 36 Jahre älter und saß vor 19 Jahren im Landtag. Der Google-Algorithmus spielt das Bild falsch aus.

Doch auch der jüngere Bernd Schulte hätte genug Ämter für einen Wikipedia-Eintrag aufzuweisen: Bezirksvorsitzender der Jungen Union (JU) Südwestfalen. Mitglied im Landesvorstand der CDU Nordrhein-Westfalen – als einer der Jüngsten. Abgeordneter im Kreistag des Hochsauerlandkreises (HSK) – als einer der Jüngsten. Bis vor Kurzem saß Bernd Schulte im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dem Parlament der katholischen Laien – als einer der Jüngsten.

Bernd Schulte sagt über sich: „Politisch bin ich nicht durch irgendetwas geworden, politisch war ich schon immer.“ Und: „Mir war es schon immer wichtig, in meinem Umfeld viel zu gestalten, statt andere über mich und meine Lebensumstände bestimmen zu lassen.“ Am Gymnasium der Benediktiner in Meschede wird er Stufensprecher. Er sitzt in der Schülervertretung. Und er organisiert die Partys seines Abiturjahrgangs, die ihn zur JU Remblinghausen bringen.

»Mir war es schon immer wichtig, in meinem Umfeld viel zu gestalten, statt andere über mich und meine Lebensumstände bestimmen zu lassen.«

Dr. Bernd Schulte

Vorgänger und Nachfolger: Paul Ziemiak (links) und Bernd Schulte.
Vorgänger und Nachfolger: Paul Ziemiak (links) und Bernd Schulte.

Nachdem der Häschenball gut lief, wird Bernd Schulte in den Vorstand der jungen Christdemokraten gewählt. Mit seinen JU-Kollegen fragt er sich: Was ist wichtig für die jungen Leute in Remblinghausen? Sie starten eine Unterschriftenkampagne für schnelles Internet. „Wir sind von Haustür zu Haustür gelaufen und haben der Telekom und dem Landrat Dampf gemacht“, sagt Schulte. Als eines der ersten Dörfer im HSK bekommt Remblinghausen schnelles Internet. „Da habe ich gemerkt: Wenn du dich anstrengst und zeigst, dass wir viele sind, dann kannst du was umsetzen.“

Und wer etwas umsetzt, der knüpft Kontakte und steigt auf. 2012 wählen die Mitglieder der JU Südwestfalen Bernd Schulte zum Bezirksvorsitzenden. 2014 wird er das jüngste Mitglied im CDU-Landesvorstand. Statt „was können wir Gutes für das Dorf machen?“, lautet die Frage: „Was können wir für die jungen Menschen in Südwestfalen machen?“

Seine Antwort: Die Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze schaffen, Straßen, Schienen, Glasfaser und schnelles Mobilfunknetz ausbauen und Ereignisse veranstalten, damit auch vor Ort was los ist. Der ländliche Raum dürfe nicht ausbluten, sagt Bernd Schulte. Nicht davon abgekoppelt werden, was in den Städten passiert.

Glaube und Politik

Sein politischer Einsatz ist für Bernd Schulte auch Ausdruck seines Glaubens. Seit seiner Kindheit ist er in seiner katholischen Heimatgemeinde aktiv. Er war beim Weltjugendtag 2002 in Toronto und hat zum Weltjugendtag 2005 in seiner Heimat ein Jugendfestival für die internationalen Gäste organisiert. Er sagt: „Der katholische Glaube ist für mich enorm wichtig – und per se politisch. Denn dem Christentum ist es immanent, dass man sich auch für die Dinge einsetzt, die das eigene Umfeld und nicht nur einen selbst betreffen.“

Für das Jura-Studium zieht er von Remblinghausen nach Münster. Er tritt in eine katholische Studentenverbindung ein, im fünften Semester wird er in den Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände gewählt. 2009 wird er Bundesvorsitzender und vertritt 10.000 katholische Studenten in Gesprächen mit Bischöfen, Politikern und Wirtschaftsvertretern. Auch den Papst hat er 2010 Persönlich getroffen. Als Vertreter des Verbands wird er mit 26 Jahren in das ZdK gewählt.

Bernd Schulte mit dem Europaabgeordneten Dr. Peter Liese (links) und Manfred Weber, Spitzenkandidat der EVP für die Europawahl.
Bernd Schulte mit dem Europaabgeordneten Dr. Peter Liese (links) und Manfred Weber, Spitzenkandidat der EVP für die Europawahl.

„Ich bin schon jemand, der Gas geben will“, sagt Bernd Schulte. In seinem Studienfach Jura schreibt er seine Dissertation und arbeitet danach in einer Anwaltskanzlei. Noch bevor er 30 wird, bewirbt er sich bei der Stadt Hemer als Erster Beigeordneter und Kämmerer. „So eine Chance erhält man eigentlich noch nicht mit 29“, sagt Bernd Schulte. „Das waren besondere Umstände.“ Sein Vorgänger verstarb plötzlich, wodurch die Verwaltung keinen Nachfolger parat hatte. Schulte setzte sich gegen 30 Mitbewerber durch. In Hemer hat er sich besonders für einen real ausgeglichenen Haushalt eingesetzt, dass die Stadt Hemer nicht mehr Geld ausgibt als einnimmt. Bei den Kommunen in NRW ist das eher die Ausnahme als die Regel. Er stößt die Digitalisierung der Verwaltung an und entwickelt junge Leute in Führungspositionen.

Bei der Europawahl kommt es auf die Jugend an

Auf die jungen Menschen kommt es auch gerade bei der anstehenden Europawahl am 26. Mai an. „Geht wählen“, appelliert Bernd Schulte. „Und wählt nicht die, die Europa schwächen oder ganz kaputtmachen wollen.“ Er sieht eine Gefahr darin, dass wir das aufs Spiel setzen, was wir als selbstverständlich ansehen – was aber nicht selbstverständlich ist: Frieden. Offene Grenzen. Den Euro als einheitliche Währung. Dass das Handyladekabel auch in Spanien passt und man keine Roaming-Gebühren mehr bezahlt.
Was die CDU von den anderen Parteien unterscheidet, erklärt Bernd Schulte so: „Mit unserem christlichen Profil stellen den Menschen mit seinen Stärken und Schwächen in den Mittelpunkt und machen anhand dessen Politik. Und nicht aus einer Ideologie heraus.“ Er erklärt das so: „Für uns ist Umweltschutz wichtig. Aber wir wollen keine Fahrverbote, wenn sie den Menschen mehr schaden als nutzen.“ Auch der Bauer vom Land, der sich vielleicht keinen neuen Diesel leisten könne, solle weiter nach Dortmund fahren können, um dort seine Produkte zu verkaufen.

Ausrichtung der CDU zur Europawahl
„Ein Europa, das Zukunft hat, löst nicht jedes Thema auf europäischer Ebene", sagt Bernd Schulte. „Eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik ist wichtig. Wir sind jedoch nicht so weit, dass es einen europäischen Mindestlohn oder Arbeitslosenversicherung geben kann. Die Themen, die im Bund, Land oder in der Kommune entschieden werden können, sollen dort entschieden werden.“

Beruflich wechselt Schulte Anfang 2019 nach dreieinhalb Jahren in Hemer in die Staatskanzlei des Landes in Düsseldorf. Statt Entscheider zu sein, gestaltet er die Pläne der Landesregierung in tagesaktuellen und langfristigen Fragen mit. Dennoch lässt ihn das Sauerland nicht los: Er wohnt bei seiner Frau und seinen zwei Kindern in Remblinghausen und hat in Düsseldorf eine kleine Studentenbude. „Mir ist es wichtig, dass ich auch weiter regelmäßig meine Kinder in die Kita bringen kann. Außerdem kann man die Autofahrt vom Sauerland nach Düsseldorf gut nutzen, um zu telefonieren. Für die politische Arbeit ist das ja nicht ganz unwichtig“, sagt er schmunzelnd.

Mal kämpft er mit der örtlichen CDU darum, dass der Kindergarten in Remblinghausen eine dritte Gruppe bekommt. Als Kreistagsmitglied spricht er mit betroffenen Eltern, dem Landrat, dem Bürgermeister und dem Jugendamt. Mal spricht er ab, wie sich die JU im Europawahlkampf einsetzt. Gerade steht eine Veranstaltung mit der neuen CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer im Hochsauerlandkreis an, bei der die JU mitmischt . Der Häschenball ist kein dringendes Gesprächsthema mehr. Den organisiert jetzt die jüngere Generation der JU.

Mix