„Mich begeistert es, die Glaubensgeschichten anderer Menschen zu hören. Gott geht mit jedem einen einzigartigen Weg“, sagt Maria Carla – und man merkt ihr dieses Staunen an. Die 20-Jährige empfindet es als großes Geschenk, in einer gläubigen Familie aufgewachsen zu sein. Besonders ihr Opa hat sie geprägt. Maria fasziniert es, dass er trotz seiner Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg und einer Krebserkrankung am Glauben festhielt.
Maria erinnert sich: „Er hat uns vorgelebt, wie viel Kraft in der Beziehung zu Jesus steckt. Das wollte ich auch erleben.“
Maria arbeitet als Erzieherin in einem katholischen Internat und begleitet Kinder zwischen neun und vierzehn Jahren durch ihren Alltag: Wecken am Morgen, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltung, Zubettgehen am Abend. „Ein bisschen wie ein Mama-Ersatz“, sagt sie schmunzelnd.
Maria macht ihre Arbeit mit ganzem Herzen. Das katholische Profil ihres Arbeitsplatzes ist ihr wichtig. „Natürlich lebt man seinen Glauben in jeder Begegnung“, sagt sie. „Aber ich hätte mir nicht vorstellen können, irgendwo zu arbeiten, wo ich meinen Glauben nicht aktiv einbringen kann.“
So geht sie mit den Kindern in die Messe, begleitet das gemeinsame Rosenkranzgebet und versucht, christliche Werte im Miteinander spürbar zu machen. Gleichzeitig ist der Alltag nicht immer leicht. „Nicht alle Kinder wachsen behütet auf“, erzählt Maria. „Manche bringen schwierige Verhaltensweisen mit. Dann ist es unsere Aufgabe, liebevoll Grenzen zu setzen. Das ist manchmal herausfordernd.“
Einen Ausgleich zu dieser Verantwortung findet Maria im Sport. Schon seit ihrem vierten Lebensjahr spielt sie Tennis. „Es tut mir gut, mich auszupowern“, sagt sie. „Ich kann abschalten und auch mal Frust rauslassen.“ Eine Zeit lang spielte sie leistungsorientiert, heute stehen Gesundheit, Fitness und Freude im Vordergrund. „Es motiviert mich, besser zu werden und zu gewinnen“, sagt sie. „Aber das darf nicht alles sein.“
Seit einigen Monaten tanzt Maria außerdem Ballett. „Ich wollte mich einer neuen sportlichen Herausforderung stellen“, erzählt sie – und lacht: „Außerdem habe ich nicht viel Rhythmusgefühl. Das lerne ich dann hoffentlich gleich mit.“
Wenn sie vom Ballett spricht, geht es um Körpergefühl, Kraft und Eleganz. Das Dehnen und den Körper bewusst wahrzunehmen tut ihr gut. „Ich sehe es auch als Christin als meine Aufgabe, mich um meine Gesundheit zu kümmern“, sagt Maria. „Mein Körper ist mir geschenkt. Ich merke, wie körperliches Wohlbefinden und innere Stärke zusammengehören.“
Seit 2023 ist Maria Teil der charismatischen Jugendinitiative MC Best in Detmold. Der Name steht für „mit Christen beten, essen, singen, treffen“ – und beschreibt genau, worum es geht.
Zu Beginn wurde Maria von einer Bekannten mitgenommen und sofort herzlich aufgenommen, erinnert sie sich. Besonders schätzt sie die Atmosphäre: echte Willkommenskultur, ehrliches Interesse am Gegenüber und gelebte Gemeinschaft. „In dieser Gruppe fühle ich mich wohl und geborgen“, sagt Maria. „Wegen der Menschen – aber besonders, weil ich weiß: Hier finde ich Jesus. Das ist der schönste Punkt für mich.“
Fragt man ihre Freundinnen, was sie an Maria schätzen, sagen sie: dass sie gut zuhören kann. „Sie schenkt ihrem Gegenüber ihre volle Aufmerksamkeit“, sagen sie. „Auch wenn sie selbst im Stress ist, ist sie wirklich da.“
Maria hat diese Erfahrung selbst gemacht: „Manche Menschen lassen sich nicht mit Worten von der Botschaft des Evangeliums überzeugen. Aber sie spüren, was diese Botschaft mit meinem Leben und meinem Umgang mit anderen macht.“ Für sie ist Zuhören eine Form gelebten Glaubens.
Im Monat März beteiligt sich Maria mit MC Best am Gebetsnetzwerk des Papstes. Sie betet für Abrüstung und Frieden. Das Anliegen ist ihr persönlich wichtig. In ihrer Gemeinde hat sie Menschen kennengelernt, die Kirchenasyl suchen – etwa aus Nigeria oder dem Südsudan.
Sie erzählt von einem Koch, den sie persönlich kennt. Wäre er in seinem Heimatland geblieben, hätte er wegen seines Glaubens um sein Leben fürchten müssen. In Deutschland konnte er sich ein neues Leben aufbauen. „Solche Begegnungen zeigen, was Krieg, Gewalt und Verfolgung wirklich bedeuten“, sagt Maria.
Manchmal fühlt sie sich angesichts dieser Ungerechtigkeiten hilflos. Doch Aufgeben ist für sie keine Option. „Was wir tun können? Wir müssen auf Missstände aufmerksam machen. Viele wissen zum Beispiel nicht um das Ausmaß der Christenverfolgung. Wir können spenden – und vor allem: beten“, sagt sie. Für Maria ist das Gebet kein Rückzug aus der Welt, sondern eine Kraftquelle, um ihr offen und hoffnungsvoll zu begegnen.