In der Fußgängerzone steht der goldene Container mit der Aufschrift "Gott kommt nach Herne".
08.12.2017

Exklusiv

#goldcontainer

Initiative „Gott kommt nach Herne“ gestartet

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Von Tobias Schulte

Ein eiskalter Wind zieht durch die Fußgängerzone von Herne. Neben einem Modegeschäft spielt ein älterer Herr Ziehharmonika. Passanten laufen mit Einkaufstüten vorbei und halten an den Buden des Weihnachtsmarkts an, um Pilze zu essen und Glühwein zu trinken.

Ein blau-weißer Lkw fährt mit brummendem Motorengeräusch bis in die Fußgängerzone. Auf der Ladefläche hat er einen großen, goldenen Container. „Gott kommt nach Herne“ steht darauf in Großbuchstaben. Das ist die Botschaft, die die Pfarrei St. Dionysius Herne in der Adventszeit verbreiten will.

Dominik Mutschler, ein junger Gemeindereferent in Diensten des Erzbistums Paderborn, dirigiert den Lkw-Fahrer, der mit seinem Brummi gerade so zwischen die Häuser passt. Die Passanten müssen sich an dem Lkw samt Container vorbeiquetschen. Einige bleiben stehen, lesen den Schriftzug „Gott kommt nach Herne“ und machen ein Foto. „Die Weihnachtszeit ist unser Thema als Kirche, wo wir viel zu bieten haben. Wir haben das Selbstbewusstsein, dass Gott an Weihnachten für alle Menschen kommt. Das wollen wir zeigen– möglichst sichtbar, möglichst herausfordernd“, erklärt der 29-Järhige.

Dominik Mutschler freut sich über den Start der Initiative.
Dominik Mutschler freut sich über den Start der Initiative.

»Die Adventszeit ist eine heilige Zeit, aber eben nicht nur in der Kirche.«

Rebecca Goeke
Referentin für Jugend und Familie im Dekanat Emschertal

Er hat das Projekt gemeinsam mit Rebecca Goeke (29) und Dirk Lankowski (30), beide sind Mitarbeiter in der Jugendarbeit des Erzbistums, ins Leben gerufen. Die Werbeagentur K+G aus Münster hat das Team dabei kreativ unterstützt, den Container gestaltet. Um die Aufmerksamkeit auf den Container zu ziehen, hat der Lkw zunächst an vier markanten Punkten in Herne Stopp gemacht. Dann ging es für Fahrer Niclas Vogt von einer Hamburger Spedition mit dem Lkw in die Fußgängerzone, wo er den Container zwischen Straßenlaternen mit Tannenbäumen, Geschäften und Buden des Weihnachtsmarkts herunterlässt.

Der mattgoldene Container scheint optisch irgendwie zwischen die blinkenden Schaufenster der Herner Fußgängerzone zu passen. Andererseits hebt er sich durch die kantige, sperrige Art vom Rest der Einkaufsstraße ab. „Die Adventszeit ist nicht dazu da, um zu shoppen und Geschäft zu mache – es geht ums Gefühl: Die Freude der Menschen in den Augen, Stille zu genießen und sich wohlzufühlen. Die Adventszeit ist eine heilige Zeit, aber eben nicht nur in der Kirche. Denn Gott ist nicht nur in der Kirche“, sagt Rebecca Goeke.

Herne ist nicht überall schön. Der Container soll mit seinem Aussehen und seiner Botschaft auch provozieren.
Herne ist nicht überall schön. Der Container soll mit seinem Aussehen und seiner Botschaft auch provozieren.
Der Goldcontainer auf dem Weg durch Herne, hier vorm LWL-Museum.
Der Goldcontainer auf dem Weg durch Herne, hier vorm LWL-Museum.

Neugierige können QR-Code scannen

Das bestätigt auch Passantin Sophie, die gerade mit ihrem Hund Gassi geht. „Weihnachten ist für mich das Fest der Liebe und des Friedens“, sagt die 25-Jährige aus Gelsenkirchen. Das mit dem Container zu verbinden, fällt ihr aber noch nicht so leicht: „Die Farbe gefällt mir, doch der Container wirkt ziemlich massiv. Ich denke mal, die Aufschrift hat etwas mit Weihnachten zu tun, denn durch Jesu Geburt kommt Gott ja auf diese Welt. Das ist eine schöne Botschaft.“

Sophie geht auf Dominik Mutschler zu und fragt ihn, was in dem Container drin ist. „Das Geheimnis lüften wir erst an Heiligabend. Dann feiern wir einen öffentlichen Gottesdienst vor und in dem Container.“ Bis dahin soll der Container, der bei einem Transport von China nach Hamburg genutzt wurde, hauptsächlich durch sich selbst wirken. Er soll die Passanten stören, Fragen in ihnen aufwerfen und sie sich mit Weihnachten auseinandersetzen lassen. Wer neugierig wird, kann den QR-Code auf der Fassade einscannen, um auf die Homepage des Projekts zu gelangen.

»Wir sind alle von Christus berührt – manche brauchen dafür vielleicht nur eine Übersetzungshilfe.«

Dominik Mutschler

Der Container wird in der Fußgängerzone abgeladen.
Der Container wird in der Fußgängerzone abgeladen.

„Wir sind gespannt, wie die Leute in der Adventszeit reagieren. So ein Container mit der Botschaft kann für Begeisterung, aber auch für große Kontroverse und Unmut sorgen. Gerade in Herne, wo die Kirche kaum noch öffentlich vertreten ist“, sagt Dominik Mutschler gespannt. Einer der vielen Muslime, die in Herne leben, ist Ozan. Er bleibt verwundert vorm Container stehen. „Der Container hat mich zum Nachdenken gebracht, was die mit der Aufschrift meinen“, sagt der 18-Jährige. Ihn beeindruckt das Projekt, er will seinen Kumpeln in der Schule von dem Container erzählen. „Mich als Muslim stört die Aktion nicht. Jeder hat seine eigene Religion und seinen eigenen Glauben.“

Der Container soll nicht nur für sich selbst sprechen – die Mitarbeiter der Pfarrei St. Dionysius Herne werden jeden Mittwoch und Samstag vor Ort sein. „Wir gehen auf die Leute zu, haben für sie eine Kerze oder einen Nikolaus in der Hand und sind offen für Gespräche“, erklärt Rebecca Goeke. Der große Unterschied gegenüber anderen Ständen auf dem Weihnachtsmarkt sei, dass sie nichts verkaufen wollen. Ganz im Gegenteil. Sie haben ein Geschenk für die Menschen: „Das Weihnachtsfest – und damit die Menschwerdung Gottes – ist das größte Geschenk, das Gott uns machen konnte. Wir haben einen Gott an unserer Seite, der mit uns geht und in der Geburt zeigt: Ich bin einer von euch“, sagt Goeke. Diese Botschaft gelte für den Kirchgänger genauso wie für den Obdachlosen, der beim Weihnachtsmarkt in der Ecke sitzt.

„Gott kommt nach Herne“ ist ein Projekt, das bewusst provoziert. Die Pfarrei begibt sich in ein ganz neues Umfeld. „Ich bin froh, dass wir die Erfahrung machen können, einfach raus auf die Straße zu gehen. Ich sehe die Zukunft der Kirche nicht hinter den Kirchtüren, sondern bei den Menschen. Wir sind alle von Christus berührt – manche brauchen dafür vielleicht nur eine Übersetzungshilfe“, sagt Dominik Mutschler. Jeder ist dabei eingeladen, die Botschaft weiterzutragen, gerne auch mit den Hashtags "#goldcontainer" und #gottkommtnachherne.

Mehr Informationen: www.gott-kommt-nach-herne.de

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