„Ich bin Christ“ – das steht in weißen Großbuchstaben auf dem schwarzen T-Shirt, das Promise heute trägt. Während er durch die Dortmunder Straßen geht, reagieren immer wieder Menschen darauf: mit einem Daumen hoch oder einer kurzen Bemerkung wie „finde ich gut“.
Die Reaktionen seien in der Regel positiv, erzählt er. Auch ein schiefer Blick oder eine dumme Bemerkung hielten ihn nicht davon ab, das T-Shirt zu tragen. „Die meisten trauen sich nicht, sowas zu tragen, weil es ihnen zu laut ist oder so. Aber warum soll ich einen so wichtigen Teil meines Lebens verstecken?“
»Warum soll ich einen so wichtigen Teil meines Lebens verstecken?«
Promise of the Lord
Musiker aus Dortmund
Der Dortmunder Musiker hat sich unter dem Namen „Promise of the Lord“ in der christlichen Musikszene einen Namen gemacht. Mittlerweile hat er 20 eigene Songs veröffentlicht und bei weiteren christlichen Liedern als Gastkünstler mitgewirkt. Im vergangenen Jahr trat er als Support-Act bei einem Konzert der O’Bros auf, in diesem Jahr spielte er seine erste eigene Tour.
Unter dem Titel „Ich bin Christ – aber nicht besser als du …“ machte Promise an drei Wochenenden sieben Tourstopps, unter anderem in Köln, Frankfurt, Hamburg und Leipzig. Der Titel fasst zusammen, welche Botschaft er mit seiner Musik vermitteln möchte.
»Christen haben einen entscheidenden Vorteil: Hoffnung.«
Promise of the Lord
Musiker aus Dortmund
Das „Ich bin Christ“ ist für ihn ein klares Bekenntnis: Gott hat seinen einzigen Sohn geschickt, um am Kreuz zu sterben und die Menschen damit zu retten. „Wer diese Botschaft wirklich ernstnimmt, muss laut sein“, sagt Promise.
Der Zusatz „aber nicht besser als du“ soll dagegen zeigen, dass auch Christen nicht perfekt sind, Fehler machen und ihre eigenen Probleme haben. „Das gibt es diesen Spruch“, sagt Promise, „der fasst das ganz gut zusammen: Christen sind nicht besser, aber besser dran. Denn sie haben einen entscheidenden Vorteil: Hoffnung.“
Dass Promise das heute sagt und ein solches T-Shirt trägt, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Sein Glaubensweg verlief nicht geradlinig. „Ich bin nicht der perfekte Christ – auch wenn meine Musik und meine Videos auf Social Media manchmal den Eindruck erwecken“, sagt er.
Seine Eltern stammen ursprünglich aus Nigeria, gehören einer freikirchlichen Gemeinde an und erzogen ihn und seine Schwester im christlichen Glauben. Gottesdienste und Gebete gehörten zum Alltag. In seiner Jugend verlor Promise diese Verbindung zu Gott jedoch ein Stück weit. Mädchen, Alkohol, Coolsein und Dazugehören waren ihm damals wichtiger.
In dieser Zeit fing er an, Musik zu machen. Wegen eines Mädchens wollte Promise als Schlagzeuger in einer Schülerband mitspielen. Doch ein Schulsozialarbeiter erkannte sein Potenzial und überredete ihn zu singen. „Da habe ich schon gemerkt, das liegt mir, da habe ich Spaß dran“, sagt Promise. Auch seine Mitschülerinnen und Mitschüler bestärkten ihn. Nach dem Schulabschluss machte er deshalb weiter.
Christlich waren seine ersten eigenen Songs nicht. „Meine Vorbilder waren amerikanische Rapper wie zum Beispiel Kendrick Lamar. Da ging es dann viel darum, wer der Krasseste ist.“ Doch die Musik und der Lebensstil, an dem er sich orientierte, machten ihn nicht glücklich. „Innerlich habe ich mich einfach nur leer gefühlt. Ich habe mich danach gesehnt, erfüllt und geliebt zu wissen, aber ich habe die Liebe in den falschen Dingen gesucht“, sagt Promise.
Es dauerte eine Weile, bis er erkannte, dass Gott diese Leere in ihm füllen kann. Mit der Rückkehr zum Glauben veränderte sich auch seine Musik – obwohl DJs und Produzenten, mit denen er damals zusammenarbeitete, ihm davon abrieten, Jesus zum Thema seiner Songs zu machen: „Mach doch lieber mehr Mainstream und lass Jesus raus“, so erzählt es Promise.
Er hat nicht darauf gehört. Er sagt: „Warum soll ich mich vom Geld leiten lassen? Warum kann ich mein Talent und meine Gabe nicht für Gott nutzen?“ Um unabhängig arbeiten zu können, legte sich Promise eigenes Equipment zu und nahm zu Hause erste Songskizzen auf. Für weitere Aufnahmen nutzte er kostenlose Studioangebote in Jugendeinrichtungen.
»Ich war lauwarm, doch jetzt brenne ich für dich.«
Promise of the Lord
in seinem Song "Ohne Dich"
Etwa 2019 begann Promise, christliche Songs auf Englisch zu veröffentlichen. Seit 2022 singt er auf Deutsch. „Ich habe einfach gemerkt, dass Deutsch zugänglicher ist.“ In den eher ruhigen und nachdenklichen Songs beschreibt er, wie Gott ihn geheilt hat, wie sehr ihn sein Glaube erfüllt und wie er sich das Himmelreich vorstellt.
Mit warmer, versöhnlicher Stimme singt er beispielsweise im Song „Himmelreich“: „Ich weiß ganz bald. Gibt’s kein schwarz und auch kein weiß. Kein Links, kein rechts, kein Feind. Denn am Ende sind wir alle gleich. Und tanzen zu zweit im Himmelreich.“
Im Song „Ohne dich“ heißt es: „Ich war lauwarm, doch jetzt brenne ich für dich. Muss mich nicht verstellen, du nimmst mich, wie ich bin. […] Ohne dich bin ich nichts.“
Musikalisch möchte sich Promise nicht auf ein Genre festlegen. Egal ob Indie, Rock oder Rap – er probiert alles aus. Wer sich auf seinen Social-Media-Kanälen umschaut, sieht, dass es bei seinen Konzerten sogar richtig abgeht. Entscheidend sei für ihn ohnehin die Wirkung seiner Musik.
„Musik gibt mir einen anderen Zugang zu den Menschen. Ich kann sie auf eine Weise berühren und mit Gott in Verbindung bringen, vielleicht sogar ganz anders als eine Predigt im Gottesdienst“, sagt Promise. Die Größe des Publikums sei für ihn dabei zweitrangig. Bei einem Auftritt habe eine Person eigentlich nur ihr Kind vorbeibringen wollen. Dabei habe die Musik sie jedoch selbst sichtlich ergriffen. Solche Momente seien für Promise Motivation genug. „Auch in einer kleinen Crowd habe ich Chance, genau die Person zu erreichen, die es gerade braucht. Musik ist für mich eine Art zu missionieren.“
Nun will Promise „Ich-bin-Christ“ zu einer eigenen Marke ausbauen. Unter diesem Namen soll künftig Merch verkauft werden. Mit den Einnahmen möchte er Veranstaltungen finanzieren, die auch weniger bekannten christlichen Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne bieten. Am Ende möchte Promise Menschen mit seiner Musik etwas vermitteln, das er selbst lange gesucht hat: ein Gefühl des Heimkommens.