„Das Leben ist ein Geschenk.“ Für Christian ist das keine Floskel. Wenn der 34-Jährige von seiner Frau und seinen beiden kleinen Söhnen erzählt, spürt man schnell, wie viel Dankbarkeit ihn prägt. Vielleicht gerade deshalb, weil er weiß, dass sich das Leben nicht vollständig planen und kontrollieren lässt.
Als Ehemann und Vater erlebt Christian jeden Tag neu, wie kostbar menschliches Leben ist. Noch bevor er morgens an Kaffee denken kann, sind seine beiden Söhne meist wach. Während der eine noch sein Brot quer über den Tisch schiebt, sucht der andere schon seinen Turnbeutel.
Zwischen Frühstück, Anziehen und dem Weg zur Arbeit bleibt Christian wenig Zeit für sich selbst. Oder ein längeres Gebet. Seine Kinder brauchen Aufmerksamkeit und Zuwendung. Wenn einer trotzig auf dem Boden sitzt. Wenn nachts um drei Fieber kommt. Wenn einer zum zwanzigsten Mal "Papa!" ruft.
Christian sagt: „Das kostet Kraft, aber wir machen es gern, weil wir unsere Kinder lieben.“
»„Da wurde mir noch einmal bewusst, dass das Leben jederzeit vorbei sein kann. Manchmal planen wir das Leben, als hätten wir es selbst in der Hand.«
Christian Kowalewski
über den plötzlichen Tod eines Freunds der Familie
Immer wieder richtet Christian seinen Blick mitten im Alltag auf Gott – manchmal nur für einen kurzen Augenblick oder ein stilles Stoßgebet. Wenn eines der Kinder krank ist, die Grenzen austestet oder die Stimmung zu Hause hochkocht, schenkt ihm das Ruhe und Gelassenheit: „Ich muss nicht alles allein schaffen. Ich muss und kann nicht alles kontrollieren.“
Diese Haltung prägt auch seinen Umgang mit anderen Menschen. Für Christian ist jeder Mensch wertvoll, weil jeder Mensch von Gott gewollt und geliebt ist. Diese Überzeugung möchte er auch seinen Kindern weitergeben.
„Ich möchte, dass sie keine Unterschiede machen und jedem Menschen höflich begegnen“, sagt er. Respekt beginnt für ihn oft bei kleinen Gesten: einer aufgehaltenen Tür, einer freundlichen Antwort oder der Bereitschaft, jemandem zu helfen.
Herausfordernd werde es dort, wo ihm selbst kein Respekt entgegengebracht wird. „Aber genau dann kann ich einen Unterschied machen“, sagt er. „Vielleicht bringt das den anderen zum Nachdenken.“
Christian ist Teil des Gebetskreises Effata Herford, die sich dem Weltweiten Gebetsnetzwerk des Papstes anschließen und im Juli 2026 für den Respekt des menschlichen Lebens beten.
Dieser Blick auf Gott und die Menschen hat sich bei Christian entwickelt. In seiner evangelischen Familie spielte Kirche zunächst keine große Rolle. Dann haben ihn als Jugendlicher Freunde eingeladen, mit ihnen den Rosenkranz zu beten.
„Das fand ich am Anfang seltsam“, erinnert er sich und lacht. „Ich hatte überhaupt keine Ahnung vom Rosenkranz und fand es eintönig, dass das eine Gebet so oft wiederholt wird.“
Beeindruckt hat ihn jedoch die Gemeinschaft. Er wurde herzlich aufgenommen und eingeladen wiederzukommen, erzählt Christian. „Und die Leute dort schienen zu lieben, was sie da tun. Das hat mich irritiert und fasziniert.“
Aus einzelnen Besuchen wurde mehr. Christian fand Anschluss bei den Messdienern und lernte die katholische Kirche näher kennen. Besonders die Eucharistie faszinierte ihn.
„Mir wurde plötzlich klar, dass das, was auf dem Altar geschieht, wirklich eine Verwandlung ist. Brot und Wein werden zu Leib und Blut Christi. Ich konnte und wollte Amen dazu sagen.“ Schließlich entschied er sich, katholisch zu werden.
Wie zerbrechlich das Leben sein kann, wurde Christian im vergangenen Jahr besonders deutlich. Ein Freund der Familie, den er seit seiner Kindheit kannte, starb nach kurzer Krankheit.
„Da wurde mir noch einmal bewusst, dass das Leben jederzeit vorbei sein kann“, erzählt er. Der Verlust hat ihn nachdenklich gemacht. „Manchmal planen wir das Leben, als hätten wir es selbst in der Hand. Als wüssten wir, was das Beste ist.“
Gerade in solchen Momenten hält er sich an eine Bitte aus dem Vaterunser: „Dein Wille geschehe.“ Diese Worte begleiten ihn nicht nur in schweren Zeiten, sondern auch im Alltag als Familienvater und im Beruf.
„Ich versuche hinzuhören, was Gottes Wille ist. Ich versuche ihn zu tun. Und ich versuche in dem, was geschieht, Gottes Wirken zu entdecken.“
Für Christian bedeutet das nicht, auf alle Fragen eine Antwort zu haben. Es bedeutet vielmehr, darauf zu vertrauen, dass sein Leben und das Leben der Menschen, die ihm anvertraut sind, letztlich in Gottes Hand liegen. Er sagt: „Vertrauen heißt auch loslassen“. Und: „Ich weiß: Auch wenn ich falle, Gott fängt mich auf.“