„Ich wurde in die Chorfamilie hineingeboren“, sagt Magdalena. Sie klingt dankbar, fast ein wenig stolz. Die 19-Jährige ist heute Jugendchorsprecherin der Ägidiuschöre Wiedenbrück. Für sie ist der Chor weit mehr als gemeinsames Singen. Er ist ein Ort der Verbundenheit – über Generationen hinweg. Und ein Raum, in dem sie sich sicher fühlt. Ein „Save Space“.
Wenn morgens der Wecker klingelt und ein langer Tag vor ihr liegt, fällt das Aufstehen nicht immer leicht. Doch an den Abenden, an denen Chorprobe ist, trägt Magdalena diese Aussicht durch den Tag. „Das motiviert mich“, sagt sie.
Derzeit absolviert sie den praktischen Teil ihrer Ausbildung zur Erzieherin. In einer Wohngruppe begleitet sie Kinder und Jugendliche zwischen neun und siebzehn Jahren – viele mit schwierigen Lebensgeschichten.
„Jede Situation ist anders“, erzählt Magdalena. „Man muss sich auf jede und jeden neu einlassen und gemeinsam nach Lösungen für ganz verschiedene Alltagssituationen suchen.“
Manchmal geht es auch einfach darum, Freude zu ermöglichen. Leichtigkeit. Genau das verbindet ihre Arbeit mit dem Singen im Chor.
Seit ihrem fünften Lebensjahr ist Magdalena Teil der Ägidiuschöre Wiedenbrück. Was diesen Chor für sie besonders macht, ist die Gemeinschaft – mit Gleichaltrigen, aber auch weit darüber hinaus. „Wir nennen uns Chorfamilie“, erklärt sie. „Von fünf bis achtzig Jahren ist alles dabei. Und jeder kennt jeden.“
Der Chor ist an die katholische Kirchengemeinde angeschlossen, gestaltet Gottesdienste und singt Lieder mit christlicher Botschaft. „Aber grundsätzlich kann jede und jeder mitmachen“, betont Magdalena. „Wichtig ist uns die offene, herzliche Haltung. Die prägt unseren Umgang miteinander.“
Besonders intensiv erlebt Magdalena die Gemeinschaft auf Chorfreizeiten, bei Festivals des Deutschen Chorverbandes PUERI CANTORES und bei gemeinsamen Aktionen. Als Jugendchorsprecherin trägt sie dabei Verantwortung für Planung und Gestaltung.
„Natürlich wird auf Chorfreizeiten viel geprobt“, erzählt sie. „Aber das Spaßprogramm darf nicht fehlen. Das schweißt zusammen – auch wenn die Tage anstrengend und die Nächte kurz sind.“
Bei den Freizeiten kommt abends nach dem Aufräumen oft der gemütliche Teil: Singen ohne Noten, mit Klavierbegleitung, Gitarre oder a cappella. Spontan, aus dem Bauch heraus. „In solchen Momenten spüre ich besonders, wie Musik verbindet und Herzen öffnet“, sagt Magdalena.
Sie erinnert sich an Nächte am Lagerfeuer, an Lieder bis tief in die Dunkelheit – und an Gespräche, die unter die Haut gehen. „Manchmal haben wir uns dabei wirklich die Seele ausgeschüttet“, erzählt sie. „Und am Ende saßen wir alle mit Tränen in den Augen ums Feuer.“
Für Magdalena sind es genau diese Erfahrungen, die sie dankbar machen. „Im Chor weiß ich: Ich darf sein, wie ich bin. Ich werde angenommen. Für mich ist der Chor ein Save Space.“
Natürlich kennt auch Magdalena Enttäuschung, Traurigkeit und schlechte Tage. In solchen Momenten hilft ihr die Musik. Manchmal ein melancholisches Lied, um Gefühle zuzulassen. Manchmal etwas Fröhliches, das neue Leichtigkeit schenkt.
Schmunzelnd sagt sie: „Für mich ist Singen ein bisschen wie Therapie. Wenn ich schlecht gelaunt bin, höre ich Musik – und es geht mir besser.“
Diese Kraft der Musik nutzen die Ägidiuschöre auch, um anderen Menschen Freude zu bringen. Bei Auftritten im Altenheim erlebt Magdalena immer wieder, wie die Seniorinnen und Senioren für einen Moment ihre Sorgen vergessen. Sie lassen sich mitreißen – von den Liedern und von der Begeisterung der Kinder und Jugendlichen.
Im Februar beteiligen sich die Kinder- und Jugendchöre St. Ägidius am Gebetsnetzwerk des Papstes. Im Mittelpunkt stehen Kinder mit unheilbaren Krankheiten und ihre Familien. Neben medizinischer Betreuung brauchen sie vor allem Hoffnung und Kraft.
Dafür beten und singen Magdalena und ihre Chorfamilie. Für sie ist das ein weiterer Ausdruck dessen, was der Chor für sie bedeutet: Gemeinschaft, die trägt – und Musik, die Hoffnung schenkt.