Rockmusiker aus Davids Tempel
18.09.2014

Rockmusiker aus Davids Tempel

JUPA-SOUNDCHECK: Jeiel

Jeiel aus Düsseldorf machen melodischen Indierock, der einen mit auf eine phantastische Reise nimmt. Starke Gesang, geistreiche Texte. Bald erscheint Jeiels Debüt-Album.

Da standen sie zusammen in ihrem ersten Proberaum und es war gar kein Platz. Ein alter Tank füllte stattdessen den Raum. Also packten die jungen Musiker an: Sie sägten den Tank mit einer Flex auseinander und brachten ihn auf den Schrottplatz. Anschließend legten sie einen zweiten Boden in den Raum und isolierten die Wände mit Eierschachteln. Endlich konnte es losgehen. Doch die Isolierung war nicht gut genug. Die Gäste aus dem darüber liegenden Chinarestaurant beschwerten sich in einer Tour. Aus dem ersten Bandraum wurde es langfristig nichts, aber aus der Band Jeiel dafür umso mehr.

Jeiel – das sind Philipp als Sänger und Gitarrist, Dominik an der Gitarre und als Hintergrundsänger, Micha am Schlagzeug und Victor am Bass – alle um die Mitte 20. Drei der vier kommen aus Düsseldorf und lernten sich schon als Kinder im Jesus Haus kennen – Victor, der aus aus Brasilien kommt, ist seit fünf Jahren in Düsseldorf und das neueste Bandmitglied.

Jeiel machen klassischen, melodischen Indierock. Sie haben etwas von Red Hot Chilli Peppers und einen Hauch Tocotronic. Die ausgereifte, kräftige Stimme von Philipp Dahlmann passt zu den sanften E-Gitarren und dem bemerkenswert einfühlsamen Schlagzeug. Für ihre relativ junge Bandkarriere, und dafür, dass alle Bandmitglieder nebenbei arbeiten oder studieren, haben sie einen sehr eingängigen, und einzigartigen Stil gefunden, der einen insbesondere mit seiner ausgeklügelten Dramaturgie ergreift.

Der Musik hört man es an - Jeiel genießen ihr Bandleben in vollen Zügen. „Die Zeit unter Jungs ist großartig, weil wir alle supergute Freunde sind“, sagt Philipp, „es ist immer schön, gemeinsam unterwegs zu sein.“

In ihren Songs geht es meistens um Glauben, etwa im Lied Better Place, das sich in abstrakten Zeilen um Scheitern und um Flucht dreht. Dort singen sie: „So what do you believe in? In hope in love in faith? Or do you think your life is meaningless?“

Stolz ist der Sänger Philipp auch auf ein ganz neues Lied: Learn to love again. Die Jungs sind gerade dabei, es aufzunehmen. „Die Idee für das Lied entstand, als wir mit Kumpels Fußball spielen waren“, erzählt Philipp. „Da war auch einer dabei, der auch in unsere Gemeinde geht. Wir alle waren etwas schüchtern, was das angeht. Besonders ich. Manchmal weiß man nicht, was andere über unseren Glauben denken. Ich halte mich da immer zurück.“ Es waren auch Moslems da. „Dieser Junge hat normal von seinem Glauben erzählt.“ Das hat Philipp schwer beeindruckt. Also schrieb er dieses Lied.

So läuft es meistens bei Jeiel. Eine konkrete Situation gibt Anlass für einen Song. Der entsteht dann in zehn Minuten. „Die meisten Lieder, die was werden, sind Lieder, die man schreibt, weil man sich so fühlt, und das geht dann aber schnell“, sagt Philipp. „Meistens fühlt man sich besonders schlecht, manchmal auch besonders toll.“ Dann schnappt er sich die Gitarre und ob er will oder nicht, entsteht ein neuer Song. Das geht nur in speziellen Momenten. „Wenn ich es darauf anlege, wird das nichts“, sagt er.

Jeiels bisher aufregendstes Konzert war auf dem Burgplatz in Düsseldorf beim Weltjugendtag 2005. Um die Tausend Leute waren da. „Es war eine Zeit, in der wir sehr gut eingespielt waren, da wir davor extra noch eine Kneipentour gemacht haben“, erinnert sich Philipp. Dementsprechend haben sie sich auf der Bühne gut verstanden. Das Publikum war hin und weg.

Zu Beginn hießen Jeiel "Luke". Drei Monate nach der Bandgründung mussten sie diesen Namen allerdings aufgeben und sich einen Neuen überlegen. Denn als sie mit einer brandneuen Homepage online gingen, drohte eine andere Band, die auch Luke hieß, mit dem Anwalt.

Also überlegten die fünf Musiker weiter und kamen auf den Namen Jeiel. Der Name Jeiel stammt aus der Bibel. Jeiel war einer der Lobpreisenden, die im Tempel Davids Musik gemacht haben. „Das hat zu uns einfach gut gepasst“, sagt Philipp. Eigentlich besser als Luke.

Und dann gab es noch einen zweiten Tiefpunkt. Letztes Jahr mussten zwei Bandmitglieder aus verschiedenen Gründen aussteigen. „Da wusste keiner, wie es weitergeht“, sagt Philip. Sie mussten auch ihre Website abschalten, da sich nur einer, der ging, damit auskannte. Dann kam Viktor und es war klar: das Bandprojekt läuft doch weiter.

Jeiel proben mindestens einmal die Woche, momentan öfters, denn sie sind in einer kreativen Phase: sie nehmen ihr Debüt-Album auf. „Die Schlagzeugspuren sind fast fertig“, sagt Philipp. Es werden etwa zwölf Songs, einen Namen für das Album gibt es allerdings noch nicht. Es erscheint wahrscheinlich im Mai 2014. So genau wissen das Jeiel aber noch nicht, denn „Unser Bassist hat gerade geheiratet und viel um die Ohren“, sagt Philipp.

Jeiel spielen am 27. September bei LOUDER THAN BEFORE

Mix

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