Papst Franziskus spricht bei der Ministrantenwallfahrt zur Jugend. Bei der Synode wird er nun über die Jugend diskutieren.
Papst Franziskus spricht bei der Ministrantenwallfahrt zur Jugend. Bei der Synode wird er nun über die Jugend diskutieren.
01.10.2018

Politik

Die Jugendsynode erklärt: Wie wird über die Jugend diskutiert?

Fragen und Antworten zur Versammlung der Bischöfe

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von Tobias Schulte

Den meisten Jugendlichen ist die Kirche heute egal, heißt es immer wieder. In normalen Gottesdiensten sind die meisten Kirchenbesucher tatsächlich längst aus dem Jugendalter raus.  Doch in jeder Gemeinde gibt es Jugendliche, die für den Glauben brennen und ihre Kirche verändern wollen. Die jungen Menschen sind in der Katholischen Kirche und ihrem Papst so wichtig, dass ab dem 3. Oktober drei Wochen lang über sie und ihre Themen diskutiert wird: in der Jugendsynode. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Synode mit dem Titel „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung."

Kardinal Reinhard Marx.
Kardinal Reinhard Marx.

Synode - Versammlung der Bischöfe

Was ist überhaupt eine Synode?
Eine Synode ist in der Katholischen Kirche eine Versammlung von Bischöfen. Der Papst gibt ein Thema vor und sie diskutieren darüber, um ihn zu beraten. 

Wer darf in der Jugendsynode mitreden?
Natürlich erstmal Bischöfe aus der ganzen Welt. Aus Deutschland reisen Kardinal Reinhard Marx (München und Freising), Bischof Felix Genn (Münster), Jugendbischof Stefan Oster (Passau) und Weihbischof Johannes Wübbe (Osnabrück) nach Rom.

Bischof Felix Genn (von links), Bischof Stefan Oster und Weihbischof Johannes Wübbe.
Bischof Felix Genn (von links), Bischof Stefan Oster und Weihbischof Johannes Wübbe.

»Viele Jugendliche halten eine Neuorientierung der Kirche für entscheidend. Sie wünschen sich eine Kirche, die weniger Institution und mehr den Beziehungen zugewandt ist, fähig, willkommen
zu heißen, ohne vorher zu urteilen.«

Arbeitsdokument zur Jugendsynode

Reden also nur alte Männer über Jugendliche?
Nein, insgesamt sind bei der Synode 409 Menschen am Start – in unterschiedlichen Funktionen. Aus Deutschland sind neben den Bischöfen vier weitere Teilnehmer eingeladen. Paul Metzlaff von der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz ist bei der Synode Mitarbeiter im Generalsekretariat der Bischofssynode.
Der Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Thomas Andonie, ist einer von 50 Zuhörern. Mitdiskutieren dürfen auch Protestanten. So sind aus Deutschland Julia Braband (Jugendkomitee der deutschen Abteilung des Lutherischen Weltbunds) und Chris Ferguson (Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen mit Sitz in Hannover) eingeladen. Ein weiterer bekannter Teilnehmer der Synode ist Frère Alois. Er ist Deutscher und leitet die Ökumenische Gemeinschaft von Taizé.

Dürfen die Teilnehmer auch alle mitbestimmen?
Die Teilnehmer dürfen alle erstmal mitdiskutieren. In den ersten anderthalb Wochen kommen dafür Bischöfe und Experten in einem Plenarsaal zusammen und halten Reden. Danach setzen sich die Teilnehmer in Sprachgruppen zusammen und arbeiten am Synodendokument. Dieses Dokument wird in der dritten Synodenwoche im Plenarsaal diskutiert und verabschiedet. Dabei dürfen aber nur die Bischöfe abstimmen.

Was werden die großen Themen sein?
In der Synode geht es geht darum, wie junge Menschen leben, welche Rolle Glauben und Kirche dabei spielen und welche Veränderungen der Kirche für sie wichtig wären. Nachdem in Deutschland und Amerika Studien zu Missbrauchsfällen in der Kirche veröffentlicht wurden, wird das Thema Missbrauch vermutlich ein zusätzlicher Schwerpunkt der Synode sein. Die weiteren Themen der Synode benennt ein Arbeitsdokument, das im Juni erschienen ist.

Weiß der Vatikan denn überhaupt, wie junge Menschen ticken?
Um die Synode vorzubereiten, haben über 100.000 Jugendliche ihre Lebenssituation in einem Fragebogen dargestellt. In dem Arbeitsdokument zur Synode wird detailliert beschrieben, dass für Jugendliche die Musik ein großer Bestandteil der Identität ist. Dass Jugendliche etliche Möglichkeiten haben, sich aber nicht entscheiden können und daher Unsicherheit spüren. Dass Jugendliche in Gesellschaft und Kirche mitbestimmen wollen, aber von den Institutionen kein Vertrauen spüren und daher glauben, dass sie das öffentliche Leben nicht beeinflussen können.

Jugendbischof Stefan Oster spricht zwischen Hunderten Jugendlichen.
Jugendbischof Stefan Oster spricht zwischen Hunderten Jugendlichen.

Was sich Jugendliche von der Kirche wünschen

Gesteht sich die Kirche auch Probleme ein?
Ja. In dem Dokument wird gesagt, dass Kirche ein Problem damit hat, zum modernen Bewusstsein zu passen. Wenn Kirche durch Skandale auffällt, Priester unsensibel auftreten und Jugendliche nur eine passive Rolle in den Gemeinden haben, ist es nachvollziehbar, dass Jugendliche nichts von der Kirche wissen wollen. Als Herausforderung spricht das Dokument auch die Sexualität an. Einerseits werden moralische Vorgaben begründet: „Pornografie verzerrt die Wahrnehmung junger Menschen hinsichtlich der Sexualität.“ Andererseits beschreibt das Dokument, dass sich viele katholische Jugendliche nicht der kirchlichen Sexualmoral entsprechend verhalten. Darüber wird bei der Synode offen und ohne Vorurteile diskutiert. Genauso über die Themen Verhütung, Abtreibung, Homosexualität und Gender.

Was wünschen sich Jugendliche von der Kirche?
Kirche soll authentischer auftreten. Kirche soll weniger Institution, sondern mehr eine Gemeinschaft sein: Freundschaft, Nähe und Beziehung ermöglichen. Jugendliche wünschen sich Gottesdienste, die ein Gefühl von Gemeinschaft und Familie vermitteln und Predigten, die die Sicht des Evangeliums auf ihr Leben zeigen. Es wird gefordert, dass über die Rolle der Frau in Gesellschaft und Kirche diskutiert wird. Jugendlichen ist es wichtig, dass sich die Kirche für Arme und die Umwelt einsetzt und Missstände aufzeigt.
Das sind viele Wünsche auf einmal, die natürlich nicht alle direkt umgesetzt werden können. Aber die Kirche zeigt: Wir verstehen, was die Jugend von uns fordert. Dazu zählt auch die Forderung nach einer Kommission im Vatikan, in der junge Menschen dauerhaft mitreden.

Was passiert, wenn die Bischöfe sich bei der Synode auf etwas einigen?
Üblich ist, dass die Standpunkte der Synode in einem Apostolischen Schreiben zusammengefasst werden. Das Schreiben ist kein Dekret, was in der Kirche rechtliche Bindung hätte. Aber die Bischöfe können ein klares Zeichen für eine Kirche setzen, in der sich die jungen Menschen mehr einsetzen wollen. Als der Papst bei der Abschlussmesse des Weltjugendtags in Krakau gefragt hat: "Können sich die Dinge ändern?", riefen die Jugendlichen zurück: "Ja!" Vielleicht erwidern die Bischöfe dieses Ja bei der Jugendsynode in Rom. 

Wie das Arbeitsdokument entstanden ist
Das Arbeitsdokument baut auf dem Austausch des Vatikans mit Jugendlichen und den Bischofskonferenzen auf. Im Januar 2017 wurde ein Vorbereitungsdokument auf die Synode veröffentlicht. Mit dabei waren ein Brief des Papstes an die Jugend und ein Fragebogen. Diesen haben die Bischofskonferenzen der einzelnen Länder ausgefüllt. Die erste Säule. Zweitens hat der Vatikan im September 2017 bei einem Internationalen Seminar zum Thema Jugend mit Jugendlichen und Fachleuten über das Leben der jungen Menschen gesprochen. Über 100.000 Jugendliche haben zudem in einem Online-Fragebogen über ihre Situation berichtet. Als vierte Säule diente eine Vorsynode im März. Dabei haben 300 junge Menschen aus fünf Kontinenten diskutiert. Darunter waren auch bekennende Atheisten. Der Vatikan hat außerdem Diskussionen in den sozialen Netzwerken angestoßen, verfolgt und ausgewertet.

Über Liebe und Sexualität von Jugendlichen soll bei der Synode diskutiert werden.
Über Liebe und Sexualität von Jugendlichen soll bei der Synode diskutiert werden.

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