Messe zum Fest des Heiligen Julian
25.01.2026
EXKLUSIV

Juliansfest in Le Mans: Jugendliche aus dem Erzbistum Paderborn auf Pilgerfahrt

Alissia reist mit der Jugendfraternität nach Frankreich – und findet zwischen Freundschaft und Begegnung neue Ruhe.

von Tobias Schulte

Rasender Stillstand. Diese Diagnose des Zustandes der Gesellschaft hat Alissia Taube (16) aus Bad Driburg gerade in der Schule gelernt. Grob gesagt besagt sie, dass alles in der Welt immer schneller wird, aber man doch das Gefühl hat, nicht richtig vom Fleck zu kommen. 

Ein Lebensgefühl, das Alissia gut nachvollziehen kann. „Es ist wie eine To-Do-Liste, die man ständig abarbeitet und doch nie am Ende ankommt“, sagt sie.
Alle müssen mehr und mehr arbeiten und doch strauchelt die Wirtschaft. Alissia muss lernen und lernen, Klausuren schreiben, einen Praktikumsplatz suchen und hat doch noch keinen Plan, was sie überhaupt nach der Schule machen will. 

Das Ergebnis: ein Gefühl der Rastlosigkeit, das sich nach einer Auszeit sehnt. Diese Auszeit sucht Alissia jetzt – auf der Fahrt zum Juliansfest nach Le Mans.

Alissia Taube

Alissia kommt aus Bad Driburg. Sie ist eine von 30 jungen Menschen, die sich vom 22. bis 26. Januar mit der Jugendfraternität aus dem Erzbistum Paderborn nach Frankreich aufmachen. 

Seit 836 sind das Bistum Le Mans und das Erzbistum Paderborn befreundet. Da ist es eine Ehrensache, einander zum jeweiligen Bistumsfest zu besuchen. Im Sommer zu Libori in Paderborn und jetzt, Ende Januar, zum Juliansfest in Le Mans. 

Alissia fährt zum dritten Mal mit nach Le Mans. Ein verlängertes Wochenende in Frankreich. Mit Freundinnen. Zwei Tage schulfrei. Viel Zeit, um das Land zu entdecken, auch Shoppen zu gehen, neue Freunde kennenzulernen und in Gottesdiensten Ruhe zu finden.

Messe am Grab von St. Martin

Le Mans, Tours und Chartres – diese drei Städte erkundet Alissia an diesem Wochenende. In allen drei Städten feiert die Gruppe eine Heilige Messe. Zum Beispiel am Grab von St. Martin von Tours. 

„Das war früher meine Lieblingsgeschichte als Kind“, sagt Alissia über St. Martin. Hier erlebt sie, dass es mehr als eine schöne Geschichte ist. Der Heilige Martin hat wirklich gelebt. Hat Menschen zu seiner Lebzeit und heute inspiriert: „Ich finde es schön, dass man miteinander teilt, egal welchen Stand man in der Gesellschaft hat“, sagt Alissia. 

„Ich teile gerne und freue mich, wenn sich die anderen auch über kleine Gesten freuen.“ Sie erinnert sich zum Beispiel, wie auf der Kirmes eine Freundin den Verschluss ihres Ohrrings verloren hat. Da hat Alissia ihre Ohrringe abgenommen, in die Tasche gesteckt und der Freundin ihren Verschluss geschenkt. „Sie hat sich darüber gefreut und wohler mit den Ohrringen gefühlt“, sagt sie.

Heilige Messe in Tours, am Grab von St. Martin.

„Nur auf mich und meinen Glauben konzentrieren“

In Le Mans erlebt Alissia die Lichterprozession durch die mittelalterlich anmutende Altstadt am Samstagabend und die zweistündige Messe zum Fest des Heiligen am Sonntag. 

Die französischen Kirchenlieder entschleunigen sie. Die Gemeinschaft im Glauben und der gotische Kirchenraum helfen ihr, im Hier und Jetzt zu sein. „Da kann ich mich nur auf mich und meinen Glauben konzentrieren“, sagt Alissia. 

Auszeit vom rasenden Stillstand.

Doch die Fahrt zum Juliansfest ist nicht nur Auszeit durch Ruhe. Sie ist auch Auszeit durch Abenteuer. Das Abenteuer Freundschaft. Zwischen Deutschland und Frankreich, Paderborn und Le Mans.

Der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und 40 erwachsene Pilger der deutschen Sektion der Fraternität sind auch nach Le Mans gereist. Wie Alissia werden sie jeden Tag von den Franzosen zum Essen eingeladen. Am Freitagabend zu einem Stehimbiss, am Samstagabend zum Essen in Gastfamilien und am Sonntagmittag zum Festessen nach der Messe. 

Alissia trifft alte Bekannte und lernt neue Leute kennen. Sie merkt, wie man über den Schatten springen muss, um sich mit Unbekannten zu unterhalten – und wie gut es tut, wenn man das schafft. Sie lernt in der Gastfamilie ein französisches Kartenspiel kennen und erfährt, dass die Familie alle zwei Jahre umzieht. Als nächstes soll es nach Marokko gehen.

„Frieden, der die Welt verändern kann“

Es sind diese Begegnungen, über die Diözesanjugendpfarrer Tobias Hasselmeyer, der die Jugendgruppe begleitet, sagt: „Hier erleben wir, dass der Glaube nicht etwas Kleines ist. Er verbindet, wo Sprachen und Kulturen unterschiedlich sind. Der Glaube ist groß und will raus in die Welt.“

Eine Welt, in der Krisen und Kriege die Nachrichten bestimmen. Mit Blick darauf sagt Erzbischof Bentz in seiner Ansprache am Ende der Messe zum Juliansfest: „Unsere Freundschaft ist eine Frucht des Friedens. Eines Friedens, der die Welt verändern kann“. 

Frieden und Freundschaft – auch die Antwort auf das Gefühl des rasenden Stillstands in dieser Welt?

Bildergalerie der Lichterprozession und Heiligen Messe zum Juliansfest

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