Vor einem Jahr war ich gesund.
Ich habe studiert, gearbeitet und einfach gelebt. Gesundheit war für mich selbstverständlich. Ich musste nicht darüber nachdenken, ob mein Körper funktioniert oder ob ich schlafen kann. Ich hatte das Gefühl, mein Leben selbst zu steuern.
Dann hatte ich plötzlich einen Schlaganfall.
Von einem Moment auf den anderen war alles anders. Reha, Medikamente und später Epilepsie wurden Teil meines Alltags. Seitdem gehören Angst, Arzttermine und Unsicherheit dazu.
Früher wollte ich immer alles selbst lenken. Ich mochte dieses Bild: vorne sitzen, fahren, entscheiden, wohin es geht. Plötzlich hatte ich das Gefühl, nur noch mitzufahren. Und ich hasse dieses Gefühl. Deswegen halte ich innerlich oft dagegen. Ich will mein Leben gestalten. Ich will nicht, dass Angst oder Krankheit bestimmen, wer ich bin.
Gleichzeitig merke ich: Genau das macht mich manchmal noch verzweifelter.
Wahrscheinlich ist das eine der schwersten Erfahrungen: zu merken, dass man nicht alles kontrollieren kann. Wenn man jung und gesund ist, denkt man oft, das Leben liegt komplett in der eigenen Hand. Erst Krankheit oder Verlust zeigen, wie verletzlich man wirklich ist.
»Dein Wille geschehe.«
Früher klang das für mich so, als dürfte ich keinen eigenen Willen mehr haben. Heute klingt es anders. Dass ich loslassen darf, was ich sowieso nie ganz kontrollieren konnte.
Dass ich vertrauen darf, dass mein Leben nicht nur von meiner eigenen Kraft getragen wird.
Die Bibel erzählt von so vielen Menschen, die gezweifelt, geschrien und gehadert haben.
Selbst Jesus hatte Angst. Im Garten Getsemani betete er: „Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ (Mt 26,39)
Vielleicht zeigt sich Gott gerade dort, wo Menschen zerbrechen: in Angst, Tränen, Überforderung und Kontrollverlust.
Das macht Leid nicht plötzlich gut. Schlaganfall, Epilepsie und Unsicherheit bleiben für mich schwer.
Vielleicht bedeutet Glauben nicht, keine Angst mehr zu haben, sondern mit Angst weiterzugehen. Nicht alles zu verstehen und trotzdem nicht wegzugehen von Gott.
Vielleicht zeigt sich echte Beziehung darin, dass man mitten im Chaos aneinander festhält.
Vielleicht bedeutet Hoffnung nicht, dass alles wieder so wird wie früher.