Würzburg. Erst regnet es. Dann scheint die Sonne. Dann regnet es wieder. Wer an diesen Tagen durch die Würzburger Innenstadt läuft, braucht beides: Sonnenbrille und Regenjacke. Doch die wechselhafte Wetterlage kann der Stimmung der jungen Helferinnen und Helfer wenig anhaben.
Rund 100 Schülerinnen und Schüler der Gymnasien St. Ursula in Attendorn und Maria Königin in Lennestadt sowie des Gymnasiums der Stadt Lennestadt helfen beim 104. Deutschen Katholikentag mit. Sie kontrollieren Tickets, unterstützen am Einlass, bringen Besucherinnen und Besucher zu ihren Plätzen und behalten den Überblick, wenn Podien, Vorträge, Live-Podcasts oder Mitmachaktionen starten.
Kurz gesagt: Ohne sie und viele weitere Helferinnen und Helfer würde ein Großereignis wie der Katholikentag kaum funktionieren.
Doch für die Jugendlichen ist der Katholikentag mehr als ein Arbeitseinsatz. Es geht nicht nur ums Helfen, sondern auch ums Dabeisein: Menschen treffen, neue Glaubensperspektiven kennenlernen, gemeinsam unterwegs sein und Kirche anders erleben als im Alltag.
Jannis ist 17 Jahre alt, geht in die 12. Klasse des Gymnasiums St. Ursula und bereitet sich auf sein Abitur vor. In seiner Freizeit spielt er Trompete und ist im Minigolf sogar in der Nationalmannschaft aktiv. Vom Katholikentag hatte er bis vor zwei Jahren noch nie gehört, obwohl seine Gruppe, mit der er in Würzburg unterwegs ist, schon eine lange Tradition hat: Seit mehr als 18 Jahren fahren junge Menschen aus dem Südsauerland zum Katholikentag, um dort zu helfen.
Besonders beeindruckt ist Jannis von der Offenheit der Menschen. Er mag die Stände auf der Kirchenmeile, die Gespräche und die lockere Atmosphäre. Eine Unterhaltung ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: „Mit den Kapuzinern haben wir uns echt verquatscht.“ Für ihn zeigt der Katholikentag, dass Kirche viel größer und vielfältiger ist, als viele denken.
„Glaubensmäßig ist das ganz cool. Das ist ja ein riesen Happening. Kirche ist eben nicht nur in der Kirche sitzen. Sondern viel mehr als das. Katholikentag heißt Begegnung. Und das ist schon was Cooles und zeigt, wie vielfältig der Glaube ist."
Saphira ist 18 Jahre alt, besucht die 11. Klasse des Gymnasiums Maria Königin und interessiert sich für Fantasy-Bücher und Musik. Vor dem Katholikentag hatte sie nicht erwartet, dort so viele junge Menschen zu treffen. „Das hat mich echt überrascht!“, erzählt sie.
Besonders stark erlebt sie das Gefühl von Gemeinschaft. „Auch wenn ich viele hier auf dem Katholikentag nicht kenne, fühle ich mich wie ein Teil dieser großen Gemeinschaft. Und das ist echt schön.“ Gleichzeitig entdeckt sie neue Zugänge zum Glauben. „Es gibt viele Glaubensperspektiven. Da kann ich noch viel lernen.“
Auch der Blick hinter die Kulissen gefällt Saphira. Und wenn es zwischendurch anstrengend wird, hält die Gruppe zusammen: „Auf die anderen ist immer Verlass. Wir stärken uns gegenseitig.“
Jonas ist 17 Jahre alt und geht in die 12. Klasse des Gymnasiums der Stadt Lennestadt. Er ist bereits zum zweiten Mal beim Katholikentag dabei. Zuhause engagiert er sich als Messdienerleiter und hilft tatkräftig beim Gemeindefest mit. Für ihn ist der Katholikentag kein gewöhnlicher Termin im Kalender: „Das ist einfach mal voll was anderes. Das ist nichts alltägliches.“
Die jungen Helferinnen und Helfer übernehmen viele unterschiedliche Aufgaben. Jonas erzählt: „Ob Einlasskontrolle, Leute an ihre Plätze bringen oder Tickets kontrollieren – all das ist unser Job.“ Gerade diese Rolle gefällt ihm: „Für mich ist das eine tolle Sache. Ich komme mit Menschen ins Gespräch und helfe ihnen den richtigen Weg zu finden.“ Für Jonas ist der Katholikentag vor allem eines: „Ein Fest des Glaubens.“ Dass dort so viele verschiedene Menschen zusammenkommen, erlebt er als Bereicherung.
„Verschiedene Perspektiven frischen meinen Glauben auf. Im Austausch mit den anderen Jugendlichen hilft mir das voll weiter.“
Jana ist ebenfalls 17 Jahre alt. Sie besucht die 11. Klasse des Gymnasiums St. Ursula in Attendorn. Sie ist Messdienerin und Lektorin und engagiert sich außerdem ehrenamtlich in einer Senioren-WG. Ihr Engagement in der Kirche bedeutet ihr viel – auch, weil junge Menschen dadurch erkennbar werden. „Ich habe das Gefühl, ich kann meine Generation durch meine Dienste in der Kirche sichtbar machen.“
Beim Katholikentag wird Janas Gefühl gestärkt: „Hier zeigt sich nämlich richtig, dass viele junge Menschen in der Kirche engagiert sind.“ Für sie hat ihr Einsatz auch viel mit ihrem Glauben zu tun.
„Hier beim Katholikentag zu helfen, ist für mich eine Chance mich stärker mit Gott verbunden zu fühlen. Ich helfe anderen Menschen voll gerne. Für mich ist die Nächstenliebe da ein wichtiger Punkt.“
Besonders freut sie sich auf die Gemeinschaft und die Gottesdienste. „Heilige Messe in einer großen Gruppe zu feiern, das ist voll besonders.“ Und überhaupt, sagt sie: „Das sind besondere Tage hier in Würzburg.“
So wird der Katholikentag für die jungen Menschen aus dem Erzbistum Paderborn zu mehr als einem Programmpunkt: Sie erleben Kirche als lebendige Gemeinschaft und als Raum, in dem Glaube ganz konkret Platz findet. Zwischen Regenjacke, Ticketkontrolle, Gottesdienst und Gesprächen entsteht genau das, was Jonas auf den Punkt bringt: „Kirche ist mehr als die Messe am Sonntag.“